Tenderlok
01.08.2018, 00:20

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Tenderlok
01.08.2018, 00:20

+67Nur eine Schmalspur-Dt... (Flensburger Kreisbahn Nr. 1 in 1:22,5 - viele Bilder)

Liebe Legofreunde,

leider komme ich erst jetzt dazu, mein neues MOC auch hier vorzustellen; aber auch wenn es jetzt ein bisschen verspätet ist (ist ja bahntypisch… ), möchte ich es euch doch nicht vorenthalten.
Als kleine Reverenz an meine bevorzugte Urlaubsregion (wo ich mich auch jetzt gerade wieder aufhalte) habe ich diesmal die Lok Nr. 1 der Flensburger Kreisbahn nachgebaut.
Die Flensburger Kreisbahn betrieb zwei Meterspurstrecken im äußersten Norden Deutschlands, die sich auf insgesamt ca. 94 km Länge durch die herrliche Hügellandschaft Angelns schlängelten. Genaueres zur Geschichte der Bahn findet sich bei Wikipedia.
Nachdem die alten Nassdampfloks in den 1920er Jahren für die immer schwereren Züge zu schwach geworden waren, beschaffte die Bahn im Jahre 1926 bei der AEG zwei neue D-gekuppelte Heißdampftenderloks (ja, die AEG hat zeitweise nicht nur elektrische Bauteile, sondern auch Dampfloks hergestellt!). Sie wurden als Bahnnummern 1 und 2 in Zweitbesetzung eingereiht. Mit gut 300 PS Leistung und 40 km/h zulässiger Höchstgeschwindigkeit waren die Maschinen gleichermaßen für schwere Personenzüge und Güterzüge geeignet. Sie bewährten sich ausgezeichnet und blieben bis zur Stilllegung der Kreisbahn im Jahr 1953 im Dienst. Leider blieb keine der beiden Loks erhalten.

Das größte Problem beim Entwurf des Modells war, dass es kaum verlässliche Quellen gibt. Alle Informationen über technische Ausstattung, Maße und Farbgebung stammen aus nur einem Buch (Schöning/Kupfer: Die Flensburger Kreisbahnen. Verlag Kenning, Nordhorn, 2004). Gerne hätte ich zum Vergleich mit dem Modell die Kopie einer Maßskizze aus besagtem Buch gezeigt, aber Herr Kenning hat auf meine Anfrage um Erlaubnis leider nicht reagiert.
Das Modell besteht aus rund 2200 Teilen und wiegt knapp 1,5 kg. Es ist im exakten Maßstab 1:22,5 gehalten, so dass es mit konventionellem Gartenbahnzubehör zusammen verwendet werden kann, fährt auf LGB-Gleis mit 45 mm Spurweite und kann mit Spur-G-Waggons gekuppelt werden, sofern diese über eine LGB-Link and-Pin-Kupplung verfügen.
Die Lok kann den LGB-R3-Radius (1195 mm) durchlaufen, allerdings waren hierfür zwei Tricks erforderlich, da ich aus optischen Gründen keine spurkranzlosen Räder verwenden wollte: Die vierte Achse ist um +/- 1/2 Noppen seitenverschiebbar, und die Räder der zweiten Achse sind etwas enger gesetzt, so dass dieser Radsatz ein größeres Spurspiel besitzt.
Das Modell wird von zwei PF-L-Motoren angetrieben. Ein BuWizz dient als Akku und zur Fernsteuerung. Die LED-Ausstattung stammt von Brickstuff, die Räder von BBB; die Gestängeteile sind selbst entworfen und von Shapeways im 3D-Verfahren gedruckt.

Jetzt aber zu den Bildern:

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Puristen ignorieren die folgenden zwei Szenen bitte einfach...
Natürlich ließ sich die Lokmannschaft nicht lange bitten, für ein Erinnerungsfoto mit der schönen neuen Maschine zu posieren (Figuren von Preiser):

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Selbst der örtliche Lebensmittelkrämer musste sich die Lok doch mal ansehen (1:24 Ford Model T von Motormax):

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Der Rahmen der Lok:

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Wie ich ja schon im entsprechenden Beitrag geschrieben hatte, zeigte sich bei meinem letzten Modell, der BDŽ 606.76, eine verhängnisvolle Neigung zum Umkippen, bedingt durch hohen, ausladenden Aufbau und schmale Spur. Um das diesmal zu vermeiden, musste der Schwerpunkt so tief wie möglich gehalten werden; im Rahmen sind deshalb zwei Gewichtssteine verbaut (blau hervorgehoben):

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Das Bremsgestänge und die zwei großen Bremszylinder der Saugluftbremse:

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Alle Antriebskomponenten, einschließlich des BuWizz, sind eng gepackt und so weit unten und mittig wie möglich angeordnet, wiederum um die Schwerpunktlage zu optimieren:

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Den Einschaltknopf und die Ladebuchse erreicht man, wenn man einen Teil des Kesselscheitels abnimmt:

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Zylinder, Knorr-Oberflächenvorwärmer mit Speisepumpe und die Lichtmaschine:

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Das Führerhaus samt vollständiger Einrichtung:

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Die Beleuchtung wird nicht vom BuWizz gespeist, sondern besitzt zwei eigene kleine Batteriepacks mit eingebautem Schalter. Jeder der beiden Stromkreise schließt eine Führerhausdeckenleuchte mit ein.

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Realistische Winterthur-Steuerung:


Raucheffekt. Der Rauchgenerator (Seuthe Nr. 99) bezieht seinen Strom über ein modifiziertes
PF-Verlängerungskabel vom BuWizz, so dass die anliegende Spannung regelbar ist:

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Das Modell ist gerade rechtzeitig fertig geworden, bevor ich in Urlaub gefahren bin. Leider war deshalb keine Zeit mehr, ein Video der Lok im Streckeneinsatz zu drehen; das werde ich nach meiner Rückkehr aber nachholen.
Bis dahin freue ich mich über Anregungen, Lob, Kritik!
Höher aufgelöste Bilder gibt's übrigens in meinem Bricksafe-Ordner. Falls jemand außerdem an der lxf-Datei interessiert ist, einfach eine PM schreiben.

Danke für euer Interesse!

Beste Grüße
Sven



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DustDBugger
05.09.2018, 17:47

Als Antwort auf den Beitrag von Tenderlok

Re: Jetzt auch mit Video

Hallo Sven,
klasse Video! Super Typo im Vorspann und schöne ‚Tonregie‘ wie man damals sagte.

Danke fürs zeigen.
Beste Grüße, Bernhard


Mein Blog zum Thema: https://legomodeltrain.tumblr.com


Seeteddy
05.09.2018, 21:41

Als Antwort auf den Beitrag von Tenderlok

Re: Jetzt auch mit Video

Hallo Sven,

wie freut mich das für dich, wie schön die kleine Lok über die "historische" Teststrecke schnurrt!
Tenderlok hat geschrieben:


Dabei handelt es sich um Aufnahmen, die anlässlich der Leerprobefahrt nach einer Hauptuntersuchung in der Flensburger Werkstätte entstanden. Der 83 Jahre alte Film hat die Widrigkeiten der Zeitläufte erstaunlich gut überstanden ...

Bai hijstorrisch Aufnahmm, Ton iss serr gutt! Aberr Bilder, ganz schrecklijch sain geworden; iss sich zuviell Farbe! Besser gewäsen wärre in Schwartzwaiß odder Sepia mit ville Fehller und Kratzer in Film.

Tenderlok hat geschrieben:

Auf Bemerkungen über die maßstabsgerechte Geschwindigkeit der Lok verzichte ich diesmal, sonst zerreißt Seeteddy sie mir wieder in der Luft…

Weise Entscheidung, denn bei dem Thema verstehe ich keinen Spaß!

kreative Grüße
Klaus


In Internetforen wimmelt es nur so von fehlerhaften Zitaten.

Johann Wolfgang von Goethe


Tenderlok
05.09.2018, 21:55

Als Antwort auf den Beitrag von Seeteddy

Re: Jetzt auch mit Video

Seeteddy hat geschrieben:

Bai hijstorrisch Aufnahmm, Ton iss serr gutt! Aberr Bilder, ganz schrecklijch sain geworden; iss sich zuviell Farbe! Besser gewäsen wärre in Schwartzwaiß odder Sepia mit ville Fehller und Kratzer in Film.

Äääh... bei mir IST das Filmchen in Schwarzweiß mit Fehlern und Kratzern... hat da jemand von Jutjuhb nachkoloriert?



Tenderlok
05.09.2018, 21:56

Als Antwort auf den Beitrag von DustDBugger

Re: Jetzt auch mit Video

Vielen Dank, Bernhard!



Seeteddy
05.09.2018, 22:26

Als Antwort auf den Beitrag von Tenderlok

Re: Jetzt auch mit Video

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Hi Sven,
Tenderlok hat geschrieben:


Äääh... bei mir IST das Filmchen in Schwarzweiß mit Fehlern und Kratzern... hat da jemand von Jutjuhb nachkoloriert?

im Prinzip ja, aber:
die Bearbeitung könnte noch viel derber ausfallen, um einen historischen Anschein zu erwecken!
Es ist Schwarzweiß, in dem Sinne, dass die Farbsättigung auf 0 zurückgefahren wurde; aber der Dynamikumfang der Grautöne wirkt zu (modern) hoch!
Da dürfte man bei der Verschlechterung getrost noch eine Schippe auflegen; z.B. nur noch maximal 16 Graustufen, überhöhter Kontrast, etc.
Es tauchen als Bildfehler wenige, winzige senkrechte Streifen auf. Da könnten dickere Geschütze aufgefahren werden, wie fehlende Bilder (kurze Blackouts), schwarze oder weiße Kringel, bzw. Flecken aufblitzen, ein Haar für ein paar Sekunden am Rand stören.
Generell könnte die Bildauflösung auch wesentlich geringer sein (320 x200) wenn es so richtig altbacken wirken soll.

Bitte nicht falsch verstehen; ich finde die Idee gut! ich weiß nicht mit welchem Programm/Tool du die Alterung des Films hingezaubert hast; aber ich persönlich glaube, dass man mit den Bildern noch näher an die schreckliche Tonqualität kommen kann; entweder mit anderen/weiteren Parametern in dem Tool oder mit anderer Software.
Kein Mensch muss Müssen! (Friedrich II. alias "Der Alte Fritz")
Aber wenn dir das Spaß macht, würde es mich freuen, wenn du das noch weiter auf die Spitze treibst; denn ich lache sehr gerne über solche gelungenen Beiträge.

kreative Grüße
Klaus


In Internetforen wimmelt es nur so von fehlerhaften Zitaten.

Johann Wolfgang von Goethe


Tenderlok
05.09.2018, 23:16

Als Antwort auf den Beitrag von Seeteddy

Editiert von
Tenderlok
05.09.2018, 23:18

Re: Jetzt auch mit Video

Hallo Klaus,

ah, jetzt verstehe ich, was du meinst.
Dynamikumfang, Kontrast und Schärfe habe ich tatsächlich erstmal mit Absicht so gelassen, damit man bei aller antiker Optik trotzdem Details (Gestänge!) erkennen kann. Wenn ich am Wochenende etwas Zeit haben sollte, kann ich aber nochmal ein bisschen herumspielen, es geht bestimmt schlimmer...
Was Bildfehler etc. betrifft, da habe ich durchaus mit meinem Billigprogramm (PowerDirector) was eingebaut, aber hier kommen zwei Effekte zusammen: Zum einen hab' ich gerade den Film nochmal auf Youtube angeschaut statt von der eigenen Festplatte - und musste feststellen, dass die offenbar einen Teil der Störungen sowie das von mir ebenfalls hinzugefügte Rauschen wieder "rausbügeln"! Grrrr!!!!
Zweitens kann ich bei gegebenem 16:9-Seitenverhältnis leider nicht mit geringerer Auflösung als 1280x720 exportieren, deshalb bleiben die Störungen im Verhältnis zum Gesamtbild recht klein.

Die Tonspur ist übrigens nicht "auf alt getrimmt", sondern tatsächlich eine (etwas gekürzte) historische Schellackplatten-Aufnahme. Sie war auch der Ausgangspunkt für das ganze Video - um keinen Ärger zu bekommen, wollte ich urheberrechtsfreie Musik (aber mit Eisenbahnbezug) verwenden, und da bin ich beim Stöbern im Netz auf diese herrliche 1937er Einspielung von H. C. Lumbyes "Kjöbenhavns Jernbane-Damp-Galop" gestoßen. Und dazu passt dann halt kein 4K-Farbfilm...

Viele Grüße
Sven



Seeteddy
06.09.2018, 08:45

Als Antwort auf den Beitrag von Tenderlok

Re: Jetzt auch mit Video

Hi Sven,

manchmal beisse ich mir nachträglich auf die Zunge, wenn mir wieder einmal eine vorlaute Bemerkung entschlüpft ist; aber in dem Fall hat sich mein albernes Geläster wohl gelohnt.
Tenderlok hat geschrieben:


Was Bildfehler etc. betrifft, da habe ich durchaus mit meinem Billigprogramm (PowerDirector) was eingebaut, aber hier kommen zwei Effekte zusammen: Zum einen hab' ich gerade den Film nochmal auf Youtube angeschaut statt von der eigenen Festplatte - und musste feststellen, dass die offenbar einen Teil der Störungen sowie das von mir ebenfalls hinzugefügte Rauschen wieder "rausbügeln"! Grrrr!!!!

Das ist ja so ähnlich wie eine ungewollte Rechtschreibkorrektur, die den Text inhaltlich entstellt! Gut zu wissen.
Mit Videobearbeitung bin ich nicht so vertraut, aber ich habe in der Bildbearbeitung schon gerne manchen Unfug verzapft. Man kann die Bildqualität beispielsweise dadurch verschlechtern, dass man auf eine geringe Bildgröße verkleinert und in einem weiteren Schritt wieder auf die gewünschte Endgröße zurück skaliert. Allerdings wäre eine Einzelbildbearbeitung bei einem mehrminütigen Video zum Einen Strafarbeit, was den Umfang angeht und andererseits kann man die beabsichtigte Wirkung auf den fertigen Film dabei schwer abschätzen.

kreative Grüße
Klaus


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Johann Wolfgang von Goethe


Tenderlok
06.09.2018, 15:43

Als Antwort auf den Beitrag von Seeteddy

Re: Jetzt auch mit Video

Seeteddy hat geschrieben:

manchmal beisse ich mir nachträglich auf die Zunge, wenn mir wieder einmal eine vorlaute Bemerkung entschlüpft ist; aber in dem Fall hat sich mein albernes Geläster wohl gelohnt.

Hallo Klaus,

ich bin Gesamtschullehrer, mich haut so schnell kein Kommentar um...
Allenfalls kommt ein dummer Spruch zurück. Im Netz verkneife ich mir das in der Regel, weil ich nicht abschätzen/sehen kann, wie es auf der anderen Seite ankommt; aber du scheinst mir würdiger "Gegner" zu sein, da brauche ich mir in Zukunft keine Zurückhaltung aufzuerlegen...

Zurück zur Sache: Mir ist da eine kleine Idee gekommen, wie man das Skalierungsproblem unter Zuhilfenahme eines anderen Programms lösen könnte. Werde ich am Wochenende mal ausprobieren und dich über die Ergebnisse natürlich auf dem Laufenden halten!

Beste Grüße
Sven



Seeteddy
06.09.2018, 17:19

Als Antwort auf den Beitrag von Tenderlok

Re: Jetzt auch mit Video

Hi Sven,

gerade habe ich das gefunden, was mir bei der letzten Antwort schon im Hinterkopf herum schwebte: Die fantastische Welt von Oz

Da begann der Kinofilm zunächst in einer kleinen 4:3 Box, in Schwarzweiß - und dann blähte sich das Bild, beim Flug in die Zauberwelt, auf die riesige Kinoleinwand (bzw. 16:9) auf, tauchte in Farbe satt und 3D. Da stand mir der Mund für ca. 2 Sekunden offen vor Staunen.
Lustig fand ich bei dem Film auch, dass der ex Scharlatan und Schausteller, als "Der große Zauberer von Oz" der Einzige in der Märchenwelt war, der nicht wirklich zaubern konnte ...

kreative Grüße
Klaus


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Johann Wolfgang von Goethe


Tenderlok
08.09.2018, 23:22

Als Antwort auf den Beitrag von Seeteddy

Editiert von
Tenderlok
08.09.2018, 23:42

Re: Jetzt auch mit Video

Hallo Klaus,

wie angekündigt habe ich mal versucht, deine Anregungen umzusetzen.
Damit die Youtube-„Bügelfilter“ nicht wieder alles wegglätten, diesmal als Link zum direkten Download (optimiert für Ansicht im VLC-Player oder Firefox; einige andere Videoplayer zeigen ebenso wie MS Internet Explorer deutlich härtere Kontraste):
https://c.1und1.de/@51989...E_8Ub4bvR-ORPyUTd4LdKA
Was die fantastische Welt von Oz betrifft, da kann ich als bekennender Kinomuffel leider nicht mitreden.

Einen schönen Sonntag und viele Grüße
Sven



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