Hallo,
Wie hier angekündigt, geht es heute um die Reinigung von LEGO-Teilen.
Ein paar wichtige Hinweise vorweg:
Beim Reinigen und Bleichen kommen unter anderem verschiedene Chemikalien und elektrische Geräte zum Einsatz. Die sichere Handhabung werde ich hier nicht im einzelnen erklären, aber ich rate jedem, der meine Tipps ausprobieren möchte, sich vor dem Einsatz dieser Mittel selber zu informieren und sich auch entsprechende Schutzausrüstung zu besorgen und diese zu benutzen.
Meine Tipps richten sich ausdrücklich an erwachsene Personen.
Der eine oder andere Leser wird sich des Eindruckes nicht erwehren können, daß man nicht mehr alle Tassen im Schrank haben kann, wenn man solch einen Arbeits- und Finanzaufwand betreibt, um etwas Kinderspielzeug sauber zu machen.
Mir geht es aber darum, alte Sammlungswürdige Modelle zu retten oder im Wert zu erhalten, bzw. sogar zu steigern. Jeder muß für sich selber entscheiden, welchen Aufwand er für sein Hobby vor sich und seinem Umfeld noch rechtfertigen kann. Außerdem macht mir das Restaurieren echt Spaß.
Meine Tipps entstammen meiner inzwischen doch mehr als 20-jährigen AFOL-Erfahrung mit LEGO, müssen aber nicht der Weisheit letzter Schluß sein. Ich bin auch kein Profi. Wenn jemand bessere oder alternative Lösungen parat hat, möge er sie hier mitteilen. Dazu ist das Forum da.
Ich kann natürlich keinesfalls garantieren, daß Eure LEGO-Steine jede Behandlung heil überstehen und möchte nicht für Mißerfolge und beschädigte Teile haftbar gemacht werden. Testet also erstmal mit "entbehrlichen" Steinen und Teilen, bevor Ihr an die besonders wertvollen geht.
LEGO-Teile bestehen überwiegend aus dem Kunststoff Acrylnitril-Butadien-Styrol (Kurz ABS).
Es gibt aber auch sehr alte Teile aus dem Kunststoff Celluloseazetat (Kurz CA)
Ansonsten werden noch verschiedene Gummisorten (Reifen), Metalle (Achsen, elektrische Kontakte, Magnete usw.) und auch andere Kunststoffe eingesetzt.
Dazu gibt es noch die verschiedensten Drucke und Aufkleber aus Folie oder Papier.
Wenn mir eine Unverträglichkeit einiger Materialien mit einer meiner Reinigungs- oder Bleichmethoden aufgefallen ist, werde ich es in den einzelnen Schritten erwähnen, habe aber nicht alles ausprobiert. Also auch hier Vorsicht. Langzeitwirkungen habe ich nicht getestet.
Wenn ich Marken zeige oder nenne, möchte ich damit keine Werbung machen, verdiene auch nichts daran. Die Werkzeuge und Mittel gibt es mit gleicher oder besserer Qualität bestimmt auch von anderen Marken.
Verträglichkeiten von ABS (Ohne Drucke oder Aufkleber) mit verschiedenen Mitteln:
Der Kunstoff ABS hält so einiges aus, aber nicht alles.
Als ziemlich unbedenklich empfand ich:
-Wasser
-Spüli
-Essig
-Badreiniger
-Glasreiniger
-Säurefreien Felgenreiniger
-Den von mir benutzten Ultraschallreiniger (Dazu später mehr)
-Alkohol
-Waschbenzin
-Isopropanol
Als mittelfristig bedenklich empfand ich
-Wasserstoffperoxydlösung 12% bei falscher Anwendung (Dazu in einem anderen Kapitel mehr)
-Chlorreiniger (Danklorix) bei zu langer Einwirkdauer und auf jeden Fall schädlich für Aufkleber, Aufdrucke und CA-Kunststoff.
Als definitiv zerstörend empfand ich:
-Azeton
-Universalverdünner
-Hitze über 30-40°C (Auch durch Sonne hatte ich schon verzogene Teile)
Handhabung von LEGO-Teilen:
Man sollte es nicht extra erwähnen müssen, aber Zähne und Metallwerkzeuge haben an LEGO-Teilen nichts zu suchen.
Es gibt seit geraumer Zeit von LEGO selber den Elementetrenner. In aktuellen Sets sogar geradezu inflationär.
Also benutzt das Ding auch bei der Demontage der Sets. Eure Teile werden es Euch danken.
Ich habe auch immer das alte Modell des Elementetrenners zur Hand, weil folgende Konstellation (zwei 2x2-Platten direkt aufeinander) nicht mit zwei neuen Trennern funktioniert.
Um im Ultraschall- und H²o²-Bad nach Teilen zu fischen, benutze ich eine 30cm Edelstahlpinzette, auf deren Enden ich zum Schutz der Teile
Schrumpfschlauch aufgezogen habe.
Das Teile aus Metall große Kratzerpotential haben, hatte ich ja schon erwähnt.
Deshalb handhabe ich diese möglichst getrennt von den anderen Teilen und lagere z. Bsp. Räder mit Metallstiften immer im dazugehörenden Achshalter.
Reinigung von LEGO-Teilen:
Mit einer Reinigung bezwecke ich grundsätzlich eine Trennung zweier Stoffe in
-Die unerwünschten Stoffe (den Dreck)
-Die erwünschten Stoffe (die LEGO-Teile)
Dabei soll das LEGO-Teil nicht mehr, als unbedingt notwendig beansprucht oder gar verändert werden.
Was haben wir denn so an Drecksorten, die unserem Geliebten LEGO so unerwünscht anhaften ?
-Staub (Teilweise jahrelang angesammelt)
-Küchendunst/Fett
-Nikotin
-Korrosion
-Kalk- und Wasserflecken
-Knete
-Klebstoffe
-Farbe
-Edding
-Blei- und Buntstifte
-Nahrungsreste (Zuckerhaltige Getränke sind da sehr beliebt)
-Die verschiedensten Körperflüssigkeiten/Ausscheidungen von Mensch und Tier
Und vieles mehr .....
Am einfachsten ist es, wenn man trocken mit einem weichen Pinsel oder Pusten den anhaftenden Dreck entfernen kann.
Für elektrische und elektronische Teile wie z. Bsp. Motoren oder die Pfeiffelektronic des Sets 118 muß auch eine trockene Methode her (Wattestäbchen, Pinsel, Preßluft).
Ansonsten wird es jetzt feucht.....
Nicht näher eingehen werde ich auf die Reinigung in der Waschmaschine im Kopfkissenbezug und anschliessendem Schleudern, weil diese Art der Reinigung zwar den meisten Dreck entfernt, aber leider dabei auch den Oberflächen der LEGO-Teile schadet (Kratzer und Riefen).
Zudem kann ein "Unfall" auch der Waschmaschine extremen Schaden zufügen.
Das ist vielleicht gut für das Spielkisten-LEGO der Kleinen oder für eh schon unschöne Kiloware für den Unterbau von MOCs.
Leider empfielt der "Held der Steine" diese Methode in einigen seiner Videos. Ich würde gerne mal ein Star-Wars UCS-Set sehen, welches zwei mal durch die Waschmaschine gegangen ist....
Reinigung manuell
Am einfachsten geht die Reinigung mit Spüliwasser und einer weichen Spülbürste, einer weichen Zahnbürste (ist bei großen Grundplatten aber aufwändig) und/oder einem weichen Schwamm (Vorsicht mit der rauhen Seite mancher Spülschwämme!)
Zunächst mal werden die Sets bis auf das letzte Teil demontiert. Teile, die "innen" verbaut waren, muß man ja nicht unbedingt mitreinigen.
Auf manchen Teilen sieht man schön die "Staubschatten". Das ist ein schönes Indiz dafür, daß an den Teilen nicht übermäßig rumgepfuscht wurde und daß das Set original sein könnte.
Der Dreck klebt meistens auf der Oberseite zwischen den Noppen.
Teile mit Aufklebern, bitte vorher separieren und, wenn überhaupt, nur kurz feucht werden lassen.
Einfach jedes Teil mit der Bürste kurz mit etwas kreisenden Bewegungen zwischen den Noppen reinigen.
Hier ein Voher-Nachher-Vergleich anhand einer Grundplatte:
Reinigung im Ultraschallbad
Ein Ultraschallbad ist schon ein hervorragendes Hilfsmittel beim Reinigen von LEGO.
Leider sind diese Geräte, wenn sie was taugen sollen und wenn sie genug Kapazität für genug Teile haben sollen, auch sehr teuer.
Ich bin vor einigen Jahren zu einem geschenkten professionellen Ultraschallbad gekommen.
Ein
Bandelin-Sonorex RK 106.
Mit dem Gerät habe ich Netto 4 Liter Reinigungsinhalt.
Solch ein Gerät kostet neu um die 1000,- Euro. Bei gebrauchten Geräten am besten vor dem Kauf testen, ob sie noch funktionieren !
Billiggeräte vom Chinamann taugen eigentlich rein gar nichts !
Als Reinigungemittel kann man Spüli, Spülmaschinenreiniger (Nicht die X-in-Y-Tabs) oder spezielle Ultraschallreiniger-Mittel benutzen.
Ich nehme pro Füllung eine Verschlusskappe Tickopur R33 (Ein 5l-Kanister hält Jahre)
Beim Einfüllen der LEGO-Teile in das Bad darauf achten, daß alle Teile vereinzelt sind und möglichst untergehen (es sollten keine Luftbläschen im Inneren eingeschlossen sein.
Das Ultraschallbad reinigt nur dort, wo auch Flüssigkeit ist.
Hier benutze ich meine gummierte Edelstahlpinzette, um die Teile umzudrehen.
Nicht mit den Pfoten in das laufende Bad greifen. Das Mittel ist etwas agressiv und die Kavitation piekst schon gewaltig in die Finger.
In das frische Bad halte ich auch immer erst meine Brille rein. Die wird bis in die letzte Ritze sauber
:-)
Und nicht zu voll machen, damit die Wirkung nicht verpufft.
Auf dem folgenden Bild sieht man richtig, wie sich der Dreck als "Wolke" in der Flüssigkeit verteilt.
Die Reinigung dauert zwischen einer und 15 minuten.
Bei besonders hartnäckigen Dreck habe ich Teile auch schon drei mal geschallt.
Bedruckte Teile kann man auch sehr gut schallen, Die Badezeit sollte aber eher kurz bleiben. Da reicht oft schon eine Minute.
Auch alle schwarzen Gummireifen kann man bedenkenlos im Ultraschallbad reinigen.
Aber auf keinen Fall die alten grauen Gummireifen der 60er !
Nach dem Bad die Teile in klaren Wasser (mit ganz wenig Spüli und ein paar Tropfen Essig bei besonders harten Wasser) abspülen.
Die allermeisten der oben genannten Drecksorten sind jetzt normalerweise entfernt.
Auch Nikotin- oder Kellermief konnte ich nicht mehr feststellen.
Verschnutzungen mit Edding, Farbe oder agressiven Klebstoffen gehen, wenn überhaupt, nur mit sehr hohen Aufwand weg.
Diese Teile werden meist von mir zusammen mit den zerkauten und zerkratzten Teilen entsorgt.
Das Trocknen der LEGO-Teile:
Die nun sauberen, aber noch nassen LEGO-Teile müssen gut und schonend getrocknet werden.
Wenn man sie einfach nur auf einen Haufen schmeißt, dauert das Trocknen ewig (Viele Teile wirken auf den Noppen liegend wie ein Flüssigkeitsbehälter) und es bleiben immer Wasserflecken über.
Der Arbeitsintensivste Weg ist es, jedes Teil einzeln mit einem Frottee- oder Microfasertuch abzutrocknen.
Das Tuch ist aber dann sehr schnell mit Wasser gesättigt.
Seit erst kurzer Zeit bin ich auf die Idee gekommen, eine Haushaltsübliche Salatschleuder zu benutzen (Mit relativ weichen Kunststoffsieb)
Es ist unglaublich, wie viel Wasser das Ding aus den Teilen noch herausquetscht.
Aber Vorsicht mit Metallteilen und Kleinteilen, die durch die Sieböffnungen durchragen können.
So werden die Teile jetzt auf ein Handtuch zum Trocknen gelegt. (evtl. vorher noch mit einem Tuch nachgetrocknen/abwischen)
Dabei darauf achten, daß sich die Teile nicht berühren. An den Berührungsstellen enstehen oft Flecken.
Je nach Temperatur dauert das bis zu ein paar Stunden. Einfach immer mal wieder kontrollieren.
Hier ein paar Impressionen der ultraschallgereinigten und fertig getrockneten Teile:
Bei vollständigen, nicht vergilbten Sets käme jetzt die Teilekontrolle und der Aufbau.
Nicht so bei unserem Set. Das muß erst noch entgilbt werden. Das kommt dann im nächsten Kapitel die Tage.
Lob, Kritik, Zustimmung, Wiederspruch, Ergänzungen und Fragen sind gerne gesehen.
Vielen Dank für das geduldige Lesen des Beitrags bis hierher.
Gruß
Frank
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