Der GBC-Weltrekord "Größter Kreis aus gleichzeitig aktiven in Reihe verbundenen Great-Ball-Contraption-Modulen, die alle nacheinander von Bällen durchlaufen werden" wurde am vergangenen Wochenende in Hamburg verdreifacht.
Am 27.11.2025 hat die GBC-Community im Rahmen der Hamburger Spielemesse und unter der Schirmherrschaft der Stein Hanse in einer Halle der Hamburger Messe 144 Tische zu einem riesigen "Kreis" (mit Einbuchtungen und Serpentinen) aufgestellt und eine Strecke aus 350 bis 400 Metern GBC-Modulen aufgebaut. Die Anlage war vom 28.11. bis 30.11. in Betrieb und wurde bis zu 12.100 Besucher*Innen präsentiert. Die Gesamtzahl der Module im Kreis variierte nur leicht und erreichte im Maximum 1.169 über einen mehrstündigen Zeitraum. Im folgenden Video gewinnt man einen Eindruck von der Größe der Anlage:
Und das ist er nun: Der Rekord. 1169 Module, gleichzeitig aktiv, in Reihe verbunden, nacheinander von Bällen durchlaufen. Die 1169 hat also den bisherigen Rekord geradezu pulverisiert. Der bisherige "Guinness"-Rekord für einen von einem verfolgten Ball vollständig durchlaufenen GBC-Kreis - 2018 aufgestellt auf der Lego World Kopenhagen - liegt weiterhin bei 259 Modulen, denn Guinness war hier nicht involviert. Dies hätte zum einen hohe Kosten im vierstelligen Bereich bedeutet, die niemand bereit war zu bezahlen, und zum anderen hätte man den aktuellen Versuch nach den gleichen Regeln wie damals durchführen müssen. Das hätte ein die meiste Zeit von Bällen geleerten Kreis bedeutet und wäre für die Besucher sehr langweilig gewesen. Der bisherige Rekord für den größten Kreis aus gleichzeitig aktiven Modulen wurde 2019 mit 385 Modulen auf der Brickworld Chicago aufgestellt. Der jüngste Rekord mit 402 von einem verfolgten Ball durchlaufenen Modulen in einem Kreis aus 630 aufgebauten Modulen wurde 2020 in Österreich aufgestellt. Hiervon gibt es aber zumindest öffentlich wohl keine Video-Dokumentation.
Neben dem Gleichzeitig-aktive-Module-in-einem-Kreis-Rekord wurden auch blaue Bälle durch den Kreis geschickt in der Hoffnung, dass sie den Kreis komplett durchlaufen und nirgendwo herausfallen. Denn dass viele Module hin und wieder Bälle verlieren, dürfte jedem bekannt sein, der einer GBC-Anlange schon einmal ein paar Minuten bei der Arbeit zugeschaut hat. Das lässt sich schlicht nicht verhindern, wenn außergewöhnliche und aufregende Module präsentiert werden. Dabei erhöht jedes zusätzliche Modul im Kreis das Risiko, dass ein bestimmter verfolgter Ball es nicht bis zum Ende schafft.
Bei den ersten beiden Versuchen am Freitag hat der blaue Ball nur eine zweistellige oder niedrige dreistellige Zahl an Modulen geschafft, bis er beide Male an fast der gleichen Stelle rausgeflogen ist. Beim dritten Versuch hat er 384 Module geschafft und ist dann an der einzigen Shooter-Bridge unter den 17 Brücken rausgeflogen. Die Shooter-Bridge war keine klassische Brücke über eine Zugangs-Tischlücke, sondern die Bälle wurden hier über die Tischlücke geschossen und auf der anderen Seite aufgefangen - eigentlich funktionierte dieses Modul durchweg zuverlässig. Es war jedes Mal ein kleiner Stressfaktor, wenn sich blaue Bälle inklusive der Video-Dokumentation den eigenen Modulen näherten. In meinen 19 Modulen ist diesbezüglich aber immer alles glatt gelaufen. Am Samstag wurden sieben blaue Bälle gleichzeitig gestartet. Die Kamera verfolgte dann immer den führenden Ball und Offizielle der Stein Hanse behielten die weiteren Bälle im Blick und sammelten die herausgefallenen blauen Bälle ein. Zwei blaue Bälle haben den Kreis aus 1169 Modulen schließlich erfolgreich umrundet. Der euphorische Moment, als die Kugeln zuletzt die mit Flaggen der Teilnehmer-Länder dekorierten Workshop-Module durchliefen, ist hier im Video ab ca. 3:36:11 festgehalten (auf eine Einblendung des Videos wird an dieser Stelle verzichtet, da es sich um die Aufzeichnung eines Livestreams handelt und die Einbindung solcher hier nicht funktioniert). Die beiden Bälle wurden im Kreis belassen und absolvierten noch ein paar Hundert weitere Module, bis sie nach 1.729 bzw. 1.741 Modulen kurz hintereinander rausfielen.
An allen drei Tagen wurde anhand von mit NFC-Sendern ausgestatteten Bällen die Umlaufzeiten gemessen. Bei einer durchschnittlichen Umlaufzeit von 3:36 h hat der schnellste Messball den Kreis in 2:54 h geschafft, während der langsamste Messball 4:41 h gebraucht hat. Hier ist aber nicht auszuschließen, dass der langsame Ball mal irgendwo rausgeflogen ist und es eine Weile gedauert hat, bevor ihn jemand wieder in ein Modul gelegt hat.
Daten und Fakten zum Rekord-Kreis:
63 Teilnehmende aus 10 Ländern (Deutschland, Niederlande, Schweden, USA, Belgien, Dänemark, Kanada, Norwegen, Frankreich, Spanien)
1169 gleichzeitig aktive Module
17 Brücken (Eingänge über Tischlücken für die Teilnehmenden)
255 Meter Tischlänge
350 bis 400 Meter Gesamtlänge der Module
7.650 Bälle im Umlauf
411 Zug-Handregler zur Stromversorgung der Module
3 Tage (= 23 Stunden) voller Betrieb mit bis zu 12.100 Besucher*Innen
Von den 63 Teilnehmenden steuerten einige sehr viele Module bei (der Teilnehmer mit den meisten Modulen alleine ca. 160 Stück), einige aber auch nur wenige oder gar nur ein einziges Modul. Jede*r Einzelne hat zum Gelingen des Rekordversuchs beigetragen! Es waren sogar eine ganze Reihe an Neulingen dabei, die sich zuvor noch nie an einer GBC-Ausstellung beteiligt hatten. Maßgeblich dazu beigetragen hat das Workshop-Modul "Mini Wave". 2024 von einem der Organisatoren entworfen und von mehreren Mitgliedern der Community nachgebaut und optimiert konnte die finale Version dann im Vorfeld des Events zum Selbstkostenpreis käuflich erworben und vor Ort zusammen gebaut werden. Die Bauanleitung für das Modul steht zum freien Download zur Verfügung. 102 dieser Workshop-Module (inkl. einiger Abwandlungen und Vorserien-Versionen) waren insgesamt im Dauerbetrieb.
Zusammenfassend war das Wochenende ein einzigartiges LEGO-Event, geprägt von Gesprächen, Kameradschaft und Hilfsbereitschaft. Alle verstanden sich auf Anhieb und boten Hilfe an, wo sie gebraucht wurde. Man hat viele Gesichter im Real Life kennen gelernt, die man zuvor nur vom Namen her oder aus Onlineforen oder von Discord kannte. Unser aller Dank gebührt den drei Organisatoren Olli, Matthias und Ben für die zeitaufwändige Planung und den reibungslosen Ablauf sowie der Stein Hanse und der Hamburger Spielemesse, die eine ganze Halle für das Event zur Verfügung gestellt hat.