Farnheim
24.08.2025, 21:13

+20Review von Set Nr. 77237 – 2023 Dodge Challenger SRT Hellcat (Reichhaltig und groß bebildert)

Das Beast im limettengrünen Muscleshirt.

Hallo Freunde der schnellen Fortbewegungsart auf vier Rädern. Die Speed-Champion-Serie in 8w feiert in diesem Jahr fünfjähriges Jubiläum. Gratulation! Ob es deshalb neben den 10 Formel-1-Rennern auch jetzt im Hochsommer nochmal eine stattliche Neuheiten-Welle gibt? Man weiß es nicht. Ich jedenfalls genehmige mir erstmal einen Amerikaner und prüfe, ob der für US-Automobile gemeinhin als hemdsärmelig titulierte Zusammenbau auch für das Modell aus Dänemark gilt.

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Thema: Speed Champions
Jahr: 2025 (2. Hj)
Teile: 390
Minifig: 1
Preis: 26,99 Euro UVP


Warm Up – Spaß wird heiß serviert
Der August im Jahr ist angebrochen, und heute auf den Tag sind's auch nur noch vier Monate bis Heilig Abend. Schlimm genug. Aber vielleicht kann das folgende Review die aufkeimende Frage nach einem möglichlichen Weihnachtsgeschenk für den Einen oder die Andere beantworten helfen.

Zum Einstieg erst einmal ein paar harte Fakten zum Vorbild. Der Challenger der dritten Generation ist, gemessen an Produktzyklen bei Automobilen, bereits ein „Oldie“. Seit 2023 nämlich ist seine Produktion eingestellt. Einen Nachfolger gibt es nicht und wird es erst einmal auch nicht geben.

Der SRT Hellcat, also die Version, die LEGO® im August 2025 auf den Markt brachte, ist auch „nur“ die drittstärkste Version mit 535 kW (727 PS). Unangefochtenes Top-Modell in dieser Baureihe ist und bleibt der SRT Demon 170 (gespr. One-Seventy) mit 764 kW (1.039 PS), obwohl beide ihre Kraft aus dem gleichen Motor, dem Chrysler HEMI 6.2 Supercharged, ziehen. Hemi übrigens bezeichnet im Automobilbau halbkugelförmige (Hemisphäre) Brennräume eines Motors. Die Chrysler Corp., der Dodge einst angehörte, hat dies bis heute als Markenbegriff geprägt. Chrysler ist heute vollständig in den Automobilriesen Stellantis integriert, dem auch Marken, wie Opel, Peugeot, IVECO, Fiat, Ferrari oder auch Jeep, Alfa Romeo, Citroën angehören. Ach ja, und SRT bedeutet so viel wie „Street and Racing Technology“.

LEGO®s Kooperation mit Stellantis trägt also mit dem Challenger SRT Hellcat weitere Früchte. In dem Set 75893 ist bereits auch ein Challenger letzter Bauart. Darin aber als „Demon“. Übrigens ist der jetzige Dodge der zweite acht Noppen breite Bausatz in Limegrün. Der Erstling das Lambo-Doppelpack mit dem schrillen Urus aus 2020. Bei Dodge hieß es übrigens „Sublime“. Von Außen betrachtet erscheint das Modell im Gegensatz zu seinen weiteren Neuheiten-Kollegen Porsche 911 GT3 RS, dem Bugatti Centodieci und den beiden Lambos eher unspektakulär aus. Kein Wunder, denn auch das Original hat, im Gegensatz zu seinen Mitspielern dieser Neuheitenwelle, ein faltenfreies, ja beinahe langweiliges Äußeres zu bieten. Dafür kann sich indes die Montage sehen lassen. Die fast 100 Bauteile mehr als im Bugatti müssen sich ja schließlich bemerkbar machen.

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Das Qualifying – Ab jetzt zählt’s
Als Erstes erwarten einen nach dem Öffnen der Umverpackung fünf (!) Tüten an der Zahl, wobei hierbei hier erstaunlicherweise wieder auf die klaren Polybags zurückgegriffen wurde. Dazu fällt aus dem Karton die lose beigelegte Chassis-Basis, eine 119 Bauschritte umfassende Anleitung und – Überraschung – KEIN Stickerbogen. Tatsächlich sind hierbei erstmals in einem Speed-Champions-Set sämtliche Dekore gleich auf die Bauteile aufgedruckt worden. Erfreutes Erstaunen übermannt meine Gesichtszüge.

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Die neuen und interessanten Bauteile.

Aber legen wir los. Einige Dinge während des Zusammenbaus erscheinen allerdings etwas klischeehaft. Zum Beispiel die schwere dunkelrot/schwarze Rindsledereinrichtung, für mich ein typisches Merkmal für den Schick eines US-amerikanischen Automobils, dann der typische Becherhalter auf dem Getriebetunnel für die XXL-Trinkgefäße und zuletzt die Oberbekleidung des Fahrers, die sich mit üppigem Renndekor und Waving Flags auf dem zweifarbigen Countrystyle-Hemdrücken betont „racy“ gibt. Der Druck auf Oberkörper und sonstigen Bauteilen ist erneut aber über jeden Zweifel erhaben.

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Die eingangs erwähnten fünf Tüten mit z. T. homöopathischer Teilebestückung lassen auch die Fahrzeugmontage etwas anders als bislang hierbei erlernt voranschreiten. Denn man baut hier nicht bloß von hinten nach vorne, sondern kümmert sich zunächst um die wesentliche Montage des Chassis. Auch hier lässt LEGO® erneut die „Farbseuche“ nicht vollends bleiben. Dennoch gibt sich am Ende das bisschen falsche Farbigkeit nicht zu erkennen.

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LEGO® kann's nicht lassen mit Farbe und bunt.

Erst jetzt erfolgt die Montage des Hecks, die sich fast fließend bis zum vorderen Stoßfänger durchzieht. Der Bausatz bietet hier und da kleine wirklich bautechnische Highlights. Als da einmal die beiden schwarzen eingelegten Skier wären, die mit ihren flachen Enden die schmalen Rähmen für die innere Rückleuchteneinfassung und damit den Lückenschluss bilden. Dank eines vorgestellten 1 x2 Winkelpaneels bleibt die transp.-rote Gitterfliese in der Rückleuchte auch nur zweisprossig sichtbar. Dazu sind die Leuchten mit einer dahinter verbauten klartransparenten 1×2 Fliese sogar zweifarbig. Schönes wie stimmiges Detail. Denn auch im Original geben sich die LED-Blinker und -Rückfahrscheinwerfer als weißlicher, schmaler Streifen zu erkennen.

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Das eingelegte Paar Skier bildet den Lückenschluss zwischen Logo und Lampen.

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Dann wird abermals die Baurichtung geändert.

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Viel Stückwerk bei der Umverkleidung. Die Endposition dieses Gebildes kann man im Hintergrund erahnen.

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Schweres Gestühl aus Rindslederimitat.

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An den Haken genommen wird die äußere Seitenverkleidung.

In zahlreichen Bauschrittchen ändert sich hier und da die Noppenausrichtung. Diese Entdeckungsreise macht wirklich Spaß. Zum Beispiel hängen die Seitenteile zwischen den Radkästen lediglich an je nur einem Pin, der in einem 1×1 Clip am Fußboden steckt und dadurch kopfüber eingebaut sind (siehe oben). Die großen Lufteinlässe auf der Haube hat man mit eckigen Verkehrszeichen erreicht, die an einem 2L-Bar hängen. Das ergibt ein möglichst flaches, aber dennoch leicht strukturiertes Hauben-Gesamtbild. Der Zusammenbau insgesamt hat zwischendurch immer wieder einige überraschende Highlights zu bieten. Auch die Scheinwerfer heben sich dank der klartransparenten 1×1 Clips die Tagfahrleuchten schön vor dem schwarzen Hintergrund hervor. Beim Vorbild sind das innere Paar übrigens zusätzliche Lufteinlässe für das Triebwerk.

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Das wird - nein - das ist ein Doppelscheinwerfer.

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So lassen sich Lenkräder auch schräg stellen.

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Das Armaturenbrett mit der Multimediazentrale in der Mittelkonsole.

Race Recap – Fazit
An die Tatsache, anstelle einer bspw. einsetzfähigen 1 x 6 Platte diese durch drei 1×2 Platten zu ersetzen, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Auch, dass die abgerundeten Platten hierbei geradezu gehypt werden. Dennoch werfen einige Dinge zwischendrin Fragezeichen auf. Sie sind am Ende zwar nicht mehr relevant, weil das Endergebnis in sich stimmig ist, aber gerade, wenn der betreffende Bauschritt abgearbeitet wird, fragt man sich zwangsläufig „Warum“. Beispiel gefällig? Es werden immer mal wieder 1×1 Plättchen in transp. Black verbaut, die haben keinerlei Funktion, im Sinne einer abgetönten Durchsicht, beinhalten. Tatsächlich hätten es an dieser Stelle auch gewöhnliche schwarze Plättchen getan. Oder es wird im hinteren Radausschnitt auf beiden Seiten je ein 1×1 oktagonales „Jewel“ verbaut (siehe Bild mit den Skiern). Auch hier taucht das Fragewort mit H auf: Hä? Es wird auch nicht klar, was es darstellen, geschweige denn, welchen Zweck es erfüllen soll. Der Monteur trinkt einen Likör und bleibt fragend zurückgelehnt zurück.

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Warum hier schwarz-transparente 1x1 Plättchen verwendet werden bleibt ein Rätsel.

Overall ist das Modell schon recht clean. So wie das große Vorbild. Es ist in den Proportionen ziemlich stimmig. Die Farbe passt, nur die Bereifung nicht. Die ballonartigen Formel-1-Slicks haben doch recht wenig mit den Niederquerschnittsreifen des Originals zu tun. Aber sei’s drum. Dann ist dieses Vehikel halt nur was für 1/4-Meilen-Rennen.

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Finally. Am Ende ist klar, wo die rund hundert zusätzlichen Bauteile stecken: unsichtbar unter der grellen Fassade. Aber sie werden benötigt, um wirklichen Bauspaß zu generieren.
Der Challenger zählt für mich tatsächlich zur Überraschung im positiven Sinne der Neuheiten 2025. Dabei hatte ich ein ähnliches Bauerlebnis wie 2023 beim Porsche 963, der über ein ähnlich unspektakuläres Äußeres verfügt, aber seine Rafinesse genauso geheimnisvoll unter der Karosserie verbirgt.

Bauspaß: 4/5
Optik: 3/5

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Ich hoffe, Ihr hattet etwas Spaß beim Lesen und beim Bauen. Denn vielleicht baut Ihr ihn ja aktuell selbst auch. Ich wäre durchaus auf Euer Resumée gespannt.

Viele Grüße,
Maik


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voxel
28.08.2025, 00:51

Als Antwort auf den Beitrag von Monsieur Greenhorn

+1Re: Review von Set Nr. 77237 – 2023 Dodge Challenger SRT Hellcat (Reichhaltig und groß bebildert)

Moinmoin!

Monsieur Greenhorn hat geschrieben:


Der Terminus „Farbseuche“ ist finde ich wenn man sachlich bleiben will und objektiv argumentiert vollkommen fehl am Platze. Die Sets sind auch für Einsteiger (Altersempfehlung +9 im Fall des Set) gedacht und durch verschiedene Farben lassen sich die Teile beim Bau auch für nicht Lego versierte Personen leicht zusammensetzen, wenn man das Bunte innere am Ende nicht mehr sieht ist es ohnehin unwichtig ob es Bunt ist.


Also ich finde den Begriff "Farbseuche" super. Aber ich erfreue mich ohnehin einer eher rustikalen Diktion.

Was den Umgang mit der Farbseuche anbetrifft:
Wenn ich ein offizielles LEGO-Modell baue, ist es danach es meist sowieso als Teilespender gedacht -> also egal. Wenn ich das Modell etwas laenger behalten moechte und irgendwelche unerwuenschten Farben zu sehen sind oder ich gar Verwendung fuer die Farbteile habe, dann nehme ich schon beim Bau farblich passende / andere Steine aus dem Fundus. Insbes. wenn die Farbseuche eher selterere Farben beinhaltet, kann man damit auch noch gut etwas anfangen.

Meine eigenen Modelle beinhalten auch Farbseuche: Beim Innenleben nutze ich irgendwelche greifbaren Farben (meist eine Mischung aus gelb, rot, blau, braun). Dabei achte ich darauf, dass das von aussen nicht sichtbar ist.



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Ben®
28.08.2025, 12:18

Als Antwort auf den Beitrag von Lego-Land

Re: 116er Varianten

Moin "Lego-Land"!

Lego-Land hat geschrieben:


[...]immerhin fünf Jahre.[...]

Da sollst Du Recht haben: bis 1971 war das Set wohl noch in einigen Ländern im Katalog gelistet. Ich hatte das überspitzt... Sorry.

Lego-Land hat geschrieben:

[...] mindestens vier verschiedene Varianten:
Urversion 1967:
Hoher Motorblock, Hakenkupplungen, 4-Knopfräder
Version ab 1969:
Niedriger Motorblock mit Speichenrädern an der Lok, Hakenkupplungen, 4-Knopfräder für die Waggons

1967 ist klar. Die habe ich auch daheim.
Aber den Mix aus Speichenrädern und 4-Knopf an den Waggons? Hast Du dafür irgendeinen verläßlichen Beleg außer der entsprechenden hingepfuschten Bauanleitung (*)?
Ich bezweifle - aber eher aus Bauchgefühl - deren Existenz. Das wäre aus ästhetischer Sicht eine Katastophe. Noch viel schlimmer als am Auslauf der "grauer Ära" die schwarzen Räder mit roten Pins.
Lego-Land hat geschrieben:

Version ab ~1970:
Niedriger Motorblock, Magnetkupplungen, Speichenräder
Final Version ab 1971:
Niedriger Motorblock, Magnetkupplungen, Speichenräder, Lok mit 116-Stein


Rückfrage dazu: Bist Du Dir sicher, dass Goldsteine erst 1971 auftauchen?!

Lego-Land hat geschrieben:

P.S.: Sets mit teilweise fertig aufgebauten Modellen gab es mehrere. Ein Set, wo wie hier bis auf das Schienenoval, quasi alles fertig aufgebaut war, gab es aber meines Wissens sonst nicht.


Dann nimm 722 als Gegenbeispiel und Wissenserweiterung hinzu... :-)
Gebaute Loks in Eisenbahnsets waren jahrelang sogar eher die Norm als Ausnahme. Zu finden in 720, 724, 725, 726 etc. Auch in der 4,5V-Serie der 180, 181, 182, 183 etc. waren die Loks fahrfertig enthalten.

Leg Godt!

Ben


(*) Kopie habe ich hier auf dem Stick aber halte daran kein Copyright. Da sieht man Speichen-Lok und 4-Knopf Waggons in einer Anleitung. Jedoch auch im Mix Magnet- & Hakenkupplung. Damit tosicher nicht so ausgeliefert.


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mehr Bilder gibt's hier:

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"blay s....!" - Aber China Klone (puke!) sind noch viel schlimmer...


Ben®
28.08.2025, 13:07

Als Antwort auf den Beitrag von Micha2

Re: Review von Set Nr. 77237 – & Offtopisch zum BA-Stil 1980 vs. aktuell

Hallo Maik (Farnheim),

sorry, dass Dein ausführlicher und gelungener Baubericht zum giftgrünen Dodge so sehr zum Abschweifen einlädt...
Thematisch sind die 8-breiten Autos leider nicht so meines. Aber als Teilelieferant für Claas-Landtechnik ist der Dodge sicher ein richtig gutes Modell.
Dass diese Autos teils sehr komplexe Bautechniken haben, weiß ich durchaus zu würdigen. Und ich freue mich, dass so ein Auto auch ganz ohne Aufkleber auskommen kann.
Danke, dass Du davon berichtet hast!

Liebe Grüße

Ben


Micha2 hat geschrieben:

Hallo Ben,

das mit den gebauten Sets wusste ich nicht, ist aber irgendwie witzig. Irgendwie aber auch nicht.
Ich glaube, ich tendiere zu "kurios" :-)

Und wenn Dein Sohn es nicht gleich hin bekommt: Warum ist das frustrierend? Also - das kann es ja kurz mal sein, aber ist es nicht auch belohnend, wenn man es dann doch hinbekommt, weil man aus späteren Bauschritten sieht, wie es hätte sein müssen? Daraus lernt man ja vielleicht auch, auch wenn das mit vielleicht mit einem Rückbau von ein paar Teilen verbunden ist.

Viele Grüße
Micha



Hi Micha,

kurios trifft es schon ganz gut. Ich glaube man wollte damit näher an H0-Kunden rankommen. Das war so als Vorschaufenster hinterm Klappdeckel sicherlich hilfreich als Appetithappen. Man mag sich nicht ausmalen, wie viele Heimarbeiter es zum Bau aller Modelle brauchte.

#####

Und wegen der BAs:
Gerade beim 8860 waren die Hürden für meinen Kurzen so groß, dass er das Set eher liegen lassen hätte (oder gar wütend die Teile in die Ecke gepfeffert?!).
Ich erinnere mich, dass er Probleme hatte die Sitze richtig auf dem Chassis zu plazieren. Da die mit nur 4 Noppen gehalten werden, fielen die auch später im Bauprozess mehrfach wieder ab.
Auch die Anbringung der Gummiringe für die Sitzlehnenverstellung war für ihn schwierig zu deuten.

Eine weitere Großhürde war das Getriebe mit der geforderten "freien" Plazierung der Zahnräder auf langen Kreuzachsen, die dann beim Betätigen des Schalthebels in Eingriff stehen. Daran ist er schlicht gescheitert.
Auch die Fingerfertigkeit, ein klassisches LEGO-Differential mit den kleinen Zahnrädern zu bestücken und die Kreuzachsen zum Rad da reinzupressen ohne Teile zu Boden Fallen zu lassen ging ihm mit 8 Jahren noch ab.
Da war er aber schon gestresst und "kurz vor bockig". Aber das _ist_ wirklich hakelig+schwierig. Und wenn wir uns an unsere Kindheitsbauten zurückerinnern, müssen wir uns fragen, wie alt wir da ggf. waren. Ich baute das jedenfalls erst ab 11+. Keine Ahnung ob ich das mit 8 hinbekommen hätte. (Und vor allem, wenn es nicht mein Traum-Set gewesen wäre, sondern mein Papa, der es mir vorgesetzt hätte)?

Und ganz am Ende neigten die Kolben beim Schieben zum Klemmen, da der Motorblock nicht ganz sauber gebaut (und jedes Teil fest verpresst) war. Sowas gibt es heute bei Technic nicht mehr.

Insofern verstehe ich, dass LEGO heutigentags die Frustrationsschwelle eher niedrig halten will. Auch angesichts erwachsener Käufer und Beschenkter, die mit LEGO wenig am Hut haben, aber vielleicht wegen eines Lizenzthemas plötzlich ein 18+ Set bauen möchten. Die will man nicht verprellen. Und ich mache mir oft den Spaß, bei einer BA immer 2 Blätter oder mindestens 4 Bauschritte vorzuspringen. Gerade bei Sub-Bauschritten kann das echt sehr kniffelig sein; vor allem, wenn man das versucht, ausnahmslos streng durchzuziehen.

Leg Godt!

Ben


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mehr Bilder gibt's hier:

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"blay s....!" - Aber China Klone (puke!) sind noch viel schlimmer...


Micha2
28.08.2025, 16:15

Als Antwort auf den Beitrag von Ben®

+2Re: Review von Set Nr. 77237 – & Offtopisch zum BA-Stil 1980 vs. aktuell

Ben® hat geschrieben:

Sitze / Gummis / Zahnradplazierung / Differential

Ja, das mit der Zahnradplazierung, das war bei den damaligen Modellen mit immer ein bisschen Thema. Ist es ja auch jetzt noch ein bisschen, wenn man ein solches Set mal wieder rauskramt.

Ich habe keine Ahnung mehr, mit welchem Alter ich mich an sowas versucht habe (müsste so mit 10 um 1980 herum gewesen sein, denn 79 habe ich meine ersten beiden Technicsets bekommen, des blaue Gokart und den gelben Stapler :-) ). Sicherlich also nicht mit 8.
Aber dein Kurzer hat ja auch einen derart Lego-affinen Papa, dass ich jetzt angenommen hätte, dass er mit 7 schon Modelle baut, die andere mit 10 nicht hinbekommen . Allein aus der Routine und dem Abschauen bei Dir und ggf. der Begleitung durch dich.
Bei meinen Söhnen war das z.B. mit Gesellschaftsspielen so. Ist eine große Leidenschaft von mir, demzufolge haben auch die beiden zunächst altersgerechte, dann aber irgendwann schon nicht mehr ganz so altersgerechte Spiele gespielt - und das sowohl mit einem gewissen "Sitzfleisch" auch beim Erklären etwas umfangreicherer Regeln als auch dann beim Spielen selbst. Da waren dann irgendwann Welten zwischen ihnen und Nachbarskindern, die ebenfalls zum Spielen kamen - keine Geduld, keine Peilung, kein "Spielverständnis".
Aber natürlich, wenn es noch an der Motorik hakt (Stichwort Differential, das ja tatsächlich immer irgendwie ein bisschen hakelig war), dann kann er noch so viel abschauen von Dir, er wird es verständlicherweise nicht hinbekommen. Speziell daran hülfe aber auch eine bessere Anleitung nichts.

Das mit dem Überspringen von Bauschritten find ich witzig. Bisschen back to the 80s :-)

Viele Grüße
Micha



lostcontinent , Carrera124 gefällt das


Lego-Land
28.08.2025, 18:55

Als Antwort auf den Beitrag von Ben®

Re: 116er Varianten

Moin "Lego-Land"!



[...] mindestens vier verschiedene Varianten:
Urversion 1967:
Hoher Motorblock, Hakenkupplungen, 4-Knopfräder
Version ab 1969:
Niedriger Motorblock mit Speichenrädern an der Lok, Hakenkupplungen, 4-Knopfräder für die Waggons

1967 ist klar. Die habe ich auch daheim.
Aber den Mix aus Speichenrädern und 4-Knopf an den Waggons? Hast Du dafür irgendeinen verläßlichen Beleg außer der entsprechenden hingepfuschten Bauanleitung (*)?
Ich bezweifle - aber eher aus Bauchgefühl - deren Existenz. Das wäre aus ästhetischer Sicht eine Katastophe. Noch viel schlimmer als am Auslauf der "grauer Ära" die schwarzen Räder mit roten Pins.

Ich habe das Set 116 an Weihnachten 1969 genau so bekommen. In dem Jahr wurden die neuen niedrigen Motorblöcke eingeführt und genau dieser war in meinem Set enthalten. Natürlich mit den Lok-Speichenrädern, da ja die bisherigen 4-Knopf-Lokräder an den neuen Motorblock nicht passen. Der Rest des Sets war wie in den Jahren davor, also 4-Knopf-Waggonräder und Hakenkupplungen.



Version ab ~1970:
Niedriger Motorblock, Magnetkupplungen, Speichenräder
Final Version ab 1971:
Niedriger Motorblock, Magnetkupplungen, Speichenräder, Lok mit 116-Stein


Rückfrage dazu: Bist Du Dir sicher, dass Goldsteine erst 1971 auftauchen?!



Nein, da bin ich mir nicht sicher. Bis vor Jahren wusste ich nichts von der Existenz dieser Goldsteine für die 116-Lok. Erst durch Internetfotos bin ich darauf aufmerksam geworden. Im deutschen Katalog (Faltblatt) von 1971 tauchen sie noch nicht auf, obwohl dort sogar die geöffnete Schachtel abgebildet ist. 1972 gab es ja dann zumindest in Deutschland neue Eisenbahnsets. Da aber hier auch geschrieben wurde, dass das Set 116 wohl noch bis 1972 vertrieben wurde (fragt sich dann wo?), könnten natürlich in diesen finalen Sets die Goldsteine enthalten gewesen sein. Goldsteine für die 117 oder die 127 gab es wohl wirklich nie. Aber, wer weiß?

P.S.: In meinem obigen Post ist mir eben noch ein Fehler aufgefallen. Es muss heißen:
Version ab ~1970:
Niedriger Motorblock, Hakenkupplungen, Speichenräder

P.P.S.: Selbst in der BA(*) zur 127 sind die Waggons mit Hakenkupplungen und 4-Knopfrädern abgebildet, während die Lok und der Tender (Batteriekasten) Speichenräder und Magnetkupplungen haben. Also daran kann man m.E. gar nichts ableiten. Wie wir alle wissen, wurde das Set 127 ausschließlich mit Speichenrädern und Magnetkupplungen ausgeliefert. Im Baubuch 242`Der Lego Motor´von 1970... https://www.worldbricks.c...sk=download&fid=78 ...findet man übrigens auch die "gepfuschte" BA (Seite 39-40), während ein paar Seiten vorher (Seite 18) der Zug mit Speichenrädern und verdrehten Magnetkupplungen abgebildet ist.


P.S.: Sets mit teilweise fertig aufgebauten Modellen gab es mehrere. Ein Set, wo wie hier bis auf das Schienenoval, quasi alles fertig aufgebaut war, gab es aber meines Wissens sonst nicht.


Dann nimm 722 als Gegenbeispiel und Wissenserweiterung hinzu... :-)

Leg Godt!

Ben


Da hast Du absolut Recht, an das Set 722 habe ich nicht mehr gedacht, obwohl es meine beiden Cousins hatten. Mein anderer Cousin hatte die 723 mit verschiedenen Waggons aus dem Zubehörprogramm. Und ich hatte meine 116 später auf 12V umgebaut. Egal, wo wir waren, es wurde immer mit der Lego (12V-)Eisenbahn gespielt.


L.G. Lego-Land


lostcontinent
29.08.2025, 18:54

Als Antwort auf den Beitrag von Ben®

Editiert von
lostcontinent
29.08.2025, 18:59

Re: Review von Set Nr. 77237 – & Offtopisch zum BA-Stil 1980 vs. aktuell

Ben® hat geschrieben:


Und wegen der BAs:
Gerade beim 8860 waren die Hürden für meinen Kurzen so groß, dass er das Set eher liegen lassen hätte...

Auch die Fingerfertigkeit, ein klassisches LEGO-Differential mit den kleinen Zahnrädern zu bestücken und die Kreuzachsen zum Rad da reinzupressen ohne Teile zu Boden Fallen zu lassen ging ihm mit 8 Jahren noch ab.
...
Ben


Hi Ben,
ich hab grad ein paar alte Prospekte durchgesehen, die Experten Sets 93x im Jahr 1979 waren ab 9 Jahren
die ersten einfachen Technic Sets waren auch erst ab 9 und ab 1980 gab es dann m.E. den Slogan
"Technik wie in Wirklichkeit" u.a. mit dem Set 8860, und die waren meiner Erinnerung nach erst ab 10.
(wobei ich mich gerne korrigieren lasse, ich finde den 1980er Prospekt grade nicht)
Und zwischen 8 und 9 oder 10 Jahren ist ein himmelweiter(!) Unterschied was das räumliche Vorstellungsvermögen und Abstraktion betrifft.
Die individuelle Entwicklung kann da auch noch mal stark vom "Durchschnitt" abweichen.
vlG,
LoCo


lostcontinent:
ein wunderbarer/absolut merkwürdiger Film von 1968 mit Hildegard Knef......


ellermaniac
09.09.2025, 18:16

Als Antwort auf den Beitrag von lostcontinent

+2Re: Review von Set Nr. 77237 – & Offtopisch zum BA-Stil 1980 vs. aktuell

lostcontinent hat geschrieben:

Ben® hat geschrieben:

Und wegen der BAs:
Gerade beim 8860 waren die Hürden für meinen Kurzen so groß, dass er das Set eher liegen lassen hätte.
...
Ben


Und zwischen 8 und 9 oder 10 Jahren ist ein himmelweiter(!) Unterschied was das räumliche Vorstellungsvermögen und Abstraktion betrifft.
Die individuelle Entwicklung kann da auch noch mal stark vom "Durchschnitt" abweichen.
vlG,
LoCo


Moin zusammen,
einen Zehnjährigen habe ich hier im Zugriff und wie der Zufall es so will, fliegt hier auch gerade ein 8860 herum. Also ran ans Werk. Ich habe mich aufs Bereitstellen der Teile beschränkt, er hat gebaut:

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Es erfordert schon hohe Konzentration, es ist aber eine lösbare Aufgabe. „Etwas“ Bauerfahrung ist vorhanden.

Nach zwei Stunden sind wir mit Getriebe und Motor durch:

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Jetzt reicht‘s für heute, aber: meine Frau hat bei der 6074 mehr geflucht…

Beste Grüße,
Christoph



Carrera124 , Ben® gefällt das


Lego-Land
25.09.2025, 18:49

Als Antwort auf den Beitrag von Ben®

Re: 116er Varianten

Ben® hat geschrieben:


Aber den Mix aus Speichenrädern und 4-Knopf an den Waggons? Hast Du dafür irgendeinen verläßlichen Beleg außer der entsprechenden hingepfuschten Bauanleitung (*)?
Ich bezweifle - aber eher aus Bauchgefühl - deren Existenz. Das wäre aus ästhetischer Sicht eine Katastophe.


Nochmal als Ergänzung. Selbst bei der 127 scheint es einen Mix gegeben zu haben...
https://www.flickr.com/ph...lbum-72157627711389490

BTW: Vielleicht könnte man die Einträge zur 116 usw. nach hier verschieben?...
https://www.1000steine.de...?entry=1&id=471563


L.G. Lego-Land


Thomas52xxx
26.09.2025, 07:35

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Re: Review von Set Nr. 77237 – 2023 Dodge Challenger SRT Hellcat (Reichhaltig und groß bebildert)

um mal wieder zum Ausgangsthema zurückzukommen. Ich habe mir das Set kürzlich gekauft und gebaut. Der Zusammenbau hat mir sehr viel Freude bereitet. Trotz meiner Erfahrung und der "Vorwarnung" durch dieses wundervolle Review blieb mir beim Bauen der Mund mehrfach offen stehen. Darauf folgten dann Worte wie "Megebizzar", Abgefahren, "Irre" usw.

Vielen Dank für die schöne Stunde, die Du mir so bereitet hast.


Gruß
Thomas

mein Blog
noppenbahner.de


voxel
25.11.2025, 02:16

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Re: Review von Set Nr. 77237 – 2023 Dodge Challenger SRT Hellcat (Reichhaltig und groß bebildert)

Moinsen!

Farnheim hat geschrieben:


Ich hoffe, Ihr hattet etwas Spaß beim Lesen und beim Bauen. Denn vielleicht baut Ihr ihn ja aktuell selbst auch. Ich wäre durchaus auf Euer Resumée gespannt.


Tatsaechlich habe ich mir dieses Set aufgrund dieser Rezension gekauft und gebaut, obgleich ich mit Autos eigentlich wenig anfangen kann.

Und was soll ich sagen - die verwendeten Bautechniken finde ich genial. Haufenweise NPU, die man nicht von aussen sieht. Das spricht mich sehr an.
Hut ab vor dem Typen, der das konzipiert hat!
Jedenfalls hat die Karre erst einmal Bestandsschutz und ist in der Vitrine gelandet.



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