Farnheim
08.08.2025, 16:53

+3250 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Hallo allerseits,

ich weiß nicht, wie es bei Euch ist, aber ich selbst habe keine Erinnerungen daran, als damals, in den Siebzigern, die Heide brannte. Jedenfalls. Heute auf den Tag vor 50 Jahren begannen elf hoch dramatische wie tragische Tage für die Feuerwehren in Niedersachsens Nordosten und darüber hinaus. Es gilt bis heute als das größte Brandereignis in der Bundesrepublik seit dem zweiten Weltkrieg.

Kurz kurz Enstehungsgeschichte: Im November 1972 fegte der Orkan Quimburga über Norddeutschland und riss ca. 50 Millionen Bäume um, was etwa 10 Prozent des niedersächsischen Baumbestands betrug. Über zweieinhalb Jahre später lag entlang der Wirtschaftswege in den Wäldern noch immer viel gestapeltes Sturmholz sowie etliches trockenes Gehölz, das noch nicht beseitigt worden war. Im Juli und August 1975 legte sich eine drückende Hitze über Europa – damals eine noch eher ungewöhnliche Wetterlage mit kaum nennenswerten Niederschlägen. Bei Temperaturen über 30 Grad am Tage und nächtlichen Tiefstwerten, die kaum unter die 20-Grad-Marke fielen, verdorrte alles. Zudem bestand ein Drittel der Waldflächen Niedersachsens aus Kiefern, ein übrigens sehr brandgefährteten Nadelholzart.

Und so kam, was kommen musste: Am 08. August, gegen frühen Nachmittag brach nordöstlich der Ortschaft Stüde ein Feuer aus, das sich in der Folge rasch einen Flächenbrand entwickelte und außer Kontrolle geriet und im weiteren Verlauf den Elbe-Seitenkanal westwärts übersprang. In den Anfangstagen entwickelten sich an verschiedenen Stellen in den Landkreisen Gifhorn, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg fast zeitgleich mehrere Flächenbrände zu ausgewachsenen Großfeuern.

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Am 10. August 1975 war ein Löschzugverband östlich von Meinseren entlang der B 188 damit beschäftigt ein Feuer, das die kleine Ortschaft nahe Gifhorn bedrohte, Einhalt zu gebieten. Als das gelang, löschten die eingesetzten Kräfte noch vereinzelte Brandherde im Unterholz ab. Die Situation schien unter Kontrolle, als urplötzlich der Wind drehte und stürmisch aufbriste. Die niedergeschlagenen Flammen wuchsen in sprichwörtlicher Windeseile zu einem Feuersturm heran, der fünf Einsatzfräften, die im Unterholz tätig wären, sämtliche Fluchtwege abschnitt. Sie kamen in den Flammen um. Das Fahrzeug brannte aus.

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Diese Tragödie war auch die folgenschwerste für die Einsatzkräfte in jenen Tagen. Zur Erinnerung an das Drama im August 1975 kam mir die Idee ein kleines Diorama auf insgesamt zwei Baseplates zu erschaffen. Inspiriert von einem Diorama im Maßstab 1:87, aufgelegt anlässlich des 40. Jahrestages im Jahr 2015, wollte auch ich genau die Situation darstellen, wie sie sich am 10. August gegen 13:30 Uhr etwa abgespielt haben muss. Alle waren mit ihren Aufgaben beschäftigt. Nichts ahnend, was in den kommenden Momenten passieren würde.

Das Unglücksfahrzeug war ein Borgward B 522 A/O (Allrad/Otto-Motor)in der Funktion eines TLF 8 mit einem 1.600 L fassenden Löschwassertank mit einer Fahrzeugpumpe, die 800 L/Min. zu fördern im Stande war. Das Besondere an diesem Fahrzeug war seine leuchtrote Lackierung mit weiß abgesetzen Karosseriesegmenten. Es gehörte der Freiwilligen Feuerwehr Fallersleben an. Die übrigen Fahrzeuge auf dem Diorama sind zwei Fahrzeuge, die aus den Beständen des damaligen Katastrophenschutz des Bundes stammten.

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Am Ende waren insgesamt 13.000 ha Wald-, Feld- und Moorflächen verbrannt, trotz des massiven Einsatzes von 20.000 Einsatzkräftrn von Feuerwehr, Hilfs- und Katastrophenschutzorganisationen, Polizei, THW, Bundesgrenzschutz, weiteren 11.000 Soldaten mit schwerem Bergegerät. Die vielen Einsätze liefen keineswegs reibungslos. Es galt auf allen Ebenen viel aufzuarbeiten, was den Rahmen hier sprengen würde.

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An die fünf Feuerwehrleute aus Fallersleben und Hohenhameln erinnert heute ein Gedenkstein, an der Stelle, wo sie ihren letzten Einsatz absolvierten.

Soviel kurz und knapp... Naja, so kurz und so knapp es eben geht, über ein 50 Jahre altes Ereignis zu berichten.

Ich hoffe, die Text- und Fotobombe hat nicht allzu sehr gelangweilt. Wer will, darf auf meinen Blog rüberhüpfen und noch ein paar mehr Fotos dazu anschauen.
Jetzt freue ich mich über Euer Feedback.

Danke für Eure Aufmerksamkeit.

Finally: Vielen Dank an Thomas für die tolle DKW-Munga-Vorlage.

Bleibt sicher,
Maik


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IngoAlthoefer
08.08.2025, 17:44

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Re: 50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Hallo Maik,

danke für Deinen sehr interessanten und aufwändig gemachten
Beitrag. Gerade habe ich auch den Wikipedia-Artikel zum Heide-
brand im August 1975 gefunden:

https://de.wikipedia.org/..._L%C3%BCneburger_Heide

Viele Grüße, Ingo.


Rost und Schatten. Alles wird gut !


friccius
10.08.2025, 13:33

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Re: 50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Hi Maik!

Ein schönes Diorama hast du da gebaut und das Thema würdig präsentiert.

Als Ergänzung habe ich hier noch zwei Scans aus Büchern zum Originalfahrzeug.

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Quelle: Kraftfahrzeuge der Feuerwehr und des Sanitätsdienstes - Eine Typengeschichte, Werner Oswald/Manfred Gihl, Motorbuchverlag, 3. Aufl. 1982, S.127

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Quelle: Alte Feuerwehren - Magirus-Deutz, Borgward, Hanomag u.a., Udo Paulitz, Bechtermünz Verlag, 1995, S.91

Bein Vorbild handelt es sich um ein TLF8 mit Aufbau der Firma Buschmann, Hoya-Nienburg. Davon soll es wohl nur drei Stück gegeben haben. Ob von den verbliebenen Fahrzeugen noch eines als Museumsfahrzeug existiert, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Fahrzeug der FF Reppenstedt war jedenfalls das letzte im Betrieb.

Vie leG rüße
Andreas


Wer LEGO® verfälscht oder nachmacht, oder verfälschtes oder nachgemachtes LEGO® in Umlauf bringt, wird mit MegaBloks nicht unter fünf Jahren bestraft.

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Farnheim
12.08.2025, 10:03

Als Antwort auf den Beitrag von IngoAlthoefer

Re: 50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Hallo Ingo,

hab vielen Dank. Auch für den Link. Den kannte ich natürlich bereits.

Grüße zurück,
Maik


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Farnheim
12.08.2025, 10:43

Als Antwort auf den Beitrag von friccius

Re: 50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Hallo Andreas,

hab vielen Dank für Deinen Kommentar. Danke für die Scans. In der Tat, ein Buschmann-TLF ist selten. Interessant auch zu erfahren, dass das verbrannte Fallerslebener TLF mit Metz-Aufbau auch nicht so häufig war. Metz, als bereits damals renomierter Hersteller, hat nur wenige Aufträge für diesen Fahrzeugtyp bekommen.

Heb die Bücher mal gut auf. Die gibt es nicht mehr.

Viele Grüße,
Maik


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friccius
12.08.2025, 12:38

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Editiert von
friccius
12.08.2025, 12:56

Re: 50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Hi Maik!

Farnheim hat geschrieben:

...In der Tat, ein Buschmann-TLF ist selten. Interessant auch zu erfahren, dass das verbrannte Fallerslebener TLF mit Metz-Aufbau auch nicht so häufig war. ...

Hmm? In beiden Büchern steht, daß das verbrannte Fallerslebener TLF das dritte dieser Fahrzeuge war. Deswegen bin ich ja auch mit den Buschmann-TLFs ums Eck gekommen. Haben die Autoren also nicht richtig recherchiert?

Farnheim hat geschrieben:
Heb die Bücher mal gut auf. Die gibt es nicht mehr. ...

Ja, die geb ich so schnell nicht aus der Hand. Vom Paulitz sind's übrigens drei Bände, die ich hier im Regal stehen habe. Also, falls Du mal ein Bild brauchen solltest, sag bescheid.

Vie leG rüße
Andreas


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Farnheim
12.08.2025, 18:09

Als Antwort auf den Beitrag von friccius

Re: 50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Moin Andreas,

ich habe mich noch einmal auf Spurensuche begeben. Insbesondere weil gesicherte Infos über das berichtete Fahrzeug eh spärlich gesät sind. Insofern ist es eine gute Frage, wer irrt. Die Quellen, die ich herangezogen habe, wissen zu berichten, dass der Borgward zu Fallerleben einen Metz-Aufbau hatte:

Das Feuerwehr-Magazin beruft sich auf den Ersteller der Fahrzeugmodelle für das H0-Diorama, der ein Mitglied der FF Fallersleben ist. Der übrigens sogar berichten konnte, warum das Fahrzeug leuchtrot mit weiß Akzenten lackiert wurde: Vor 1975 hatte es ebenfalls bei einem Waldbrand starke Schäden am Lackkleid davon getragen, sodass es neu lackiert werden musste. Da man auch zwei VW Bus T2 bereits in ähnlicher Weise gelackt hatte, entschied man sich beim Borgward ebenfalls für die ungewöhnliche "hessische" Farbgebung.

Zudem gab/gibt es ein Modell des besagten Fahrzeugs. Dort ist auch von einem Metz-Aufbau die Rede.

Nebenbei angemerkt, will auch Gurgel's KI wissen, dass das TLF einen Metz-Aufbau hatte. In Verbindung mit den zusätzlichen (stimmenden) Daten (Baujahr, Typ) des Artikels kann man der KI wohl Glauben schenken. Obwohl einige Quellen von einem Borgward B 2500 berichten. Die Infos, die ich zusammentragen konnte, halten sich beim Fahrzeugtyp 50:50.

Sollte es wirklich nur drei Fahrzeuge mit Buschmann-Aufbau gegeben haben, dann wäre das dritte bei der FF Asendorf im Einsatz gewesen.

Auch, wenn man den Aufbau des Fallerslebener TLF mit einem Buschmann-Aufbau vergleicht, fällt auf, dass der Aufbau des Fallerslebener TLF schlanker und niedrger ausfiel. Dazu verfügte er über einen runden Radkastenausschnitt samt Kotflügel.

Die drei Bücher kenne ich, auch, wenn ich sie selbst nicht besitze. Insofern, danke ich Dir für Dein Angebot.

Viele Grüße,
Maik


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friccius
12.08.2025, 19:11

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Re: 50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Hi Maik,

ich habe mich heute Nachmittag, so es meine "Renovierungspausen" erlaubten, auch noch mal dazu umgeschaut. Es läßt mir halt keine Ruhe. Und ich halte nicht am Buschmann-Aufbau fest. Nur im Text zu den Bildern steht eben in beiden Büchern, daß es sich bei dem verbrannten TLF auch um einen Typ Buschmann handelte. Und so wie es ausschaut, irren beide Autoren an dieser Stelle.
Gerade dein Hinweis auf die Radhausausschnitte läßt mich doch sehr stark zweifeln und auch zu Metz tendieren.

Auf das H0-Modell bin ich auch gestoßen, das zählt bei mir aber nicht. Hat man sich beim Vorbild geirrt, dann hat man auch ein falsches Modell. Wobei es sich hier natürlich nicht um einen Irrtum bei Vorbild und Modell handelt. (Texte in Büchern stimmen nicht).

Bei meiner Recherche bin ich auf https://bos-fahrzeuge.info/news/Die-Haubenfahrzeuge-der-Nachkriegszeit-Teil-40-187 gestoßen. Die Seite kennst Du sicherlich.
Interessant ist hier der Hinweis "Über das angeblich von Buschmann gebaute dritte TLF 8 ist nichts bekannt." Dort kennt man eines bei der FF Asendorf und ein weiteres Fahrzeug, welches von der FF Westergellersen (heute Samtgemeinde Gellersen) angeschafft wurde, dann an die Ortsfeuerwehr FF Reppenstedt weitergereicht wurde, welche das Fahrzeug 1988 an die Ortsfeuerwehr Westergellersen zurück gab, wo der Borgward heute wohl noch als Oldtimer existiert und gepflegt wird.

Den Artikel im Feuerwehr Magazin habe ich auch gefunden, ebenso den Bericht auf der Webseite der Feuerwehr Fallersleben.

Im Jahr 1959 stellte Borgward ja die Typbezeichnungen um. Da wurde aus dem B2500 A/O dann der B522 A/O. Ansonsten änderte sich aber am Aussehen der Fahrzeuge nichts.

Vie leG rüße
Andreas

P.S.: Wir können das in Berlin gern noch vertiefen.


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Farnheim
18.08.2025, 14:31

Als Antwort auf den Beitrag von friccius

Re: 50 Jahre Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen

Hi Andreas,

ein spannendes Thema. Wir betrieben Historien-Forensik. Das Modell des TLFs ist sicher keine Referenz im eigentlichen Sinne. Obwohl es im direkten Vergleich mit dem spärlichen Originalfoto gewisse Parallelen aufweist. Im Nordstadt-Modellbauforum ist einer Randbemerkung ebenfalls die Rede von einem Metz-Aufbau beim Fallerslebener TLF. Ich habe allerdings festgestellt, dass die BOS-Fahrzeug-Seite sicher ein Quell an Informationen bietet, diese jedoch leider nicht immer korrekt sind. Da eben viele User dort Daten eintragen, sind viele der Daten offenbar auch nicht korrekt. Das es so ist, ist bei einigen Fahrzeugdaten der Mülheimer Feuerwehrfahrzeuge aufgefallen. Den Haubenfahrzeugartikel auf BOS-Fahrzeuge kenne ich. Insbesondere den der MANs. Vielleicht schaffe ich es, zu dem Fallerslebener Feuerwehrangehörigen, der auch die Fahrzeuge für das Wandbrand-Diorama zum 40. Jahrestag baute (der übrigens auch ein Mitglied im Nordstadt-Forum ist) kontaktieren.

Vllt.können wir es dann i.d. Tat dort vertiefen.

Viele Grüße,
Maik


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