IngoAlthoefer
28.11.2022, 09:10

+4Legorianischer Choral - Promenade

[image]



Hallo, der Titel des MoCs ist ein Wortspiel und soll an
den Gregorianischen Choral erinnern. Der Gregorianische
Choral, benannt nach Papst Gregor I (gestorben 604), war
ein Meilenstein in der Entwicklung der Kirchenmusik. Der
Ausdruck bezeichnet einen einstimmig, oft unbegleiteten
liturgischen Gesang.

Im Mittelalter wurden Noten noch ohne Hälse gemalt.
So ist es auch im MoC. Im MoC stehen Türmchen der Höhe 2
für Viertelnoten, Höhe 1* für Achtel, und am Ende der
Klotz der Höhe 3 für eine halbe Note.

Die Linien sollen das Notensystem bezogen auf den üblichen
Violinschlüssel andeuten. Es gibt keine Vorzeichen. Die
Tonfolge ist also d c f g c' ...

Der eine oder die andere wird die Melodie erkennen: Es ist das
Thema der Promenade aus Modest Mussorgskys Klavierwerk "Bilder
einer Ausstellung". Die Promenade soll einen Kunstausstellungs-
besucher suggerieren, der langsam von Bild zu Bild wandelt.

Ingo.

PS. Zwischendurch hatte ich überlegt, mit dem MoC am November-
Bauwettbewerb teilzunehmen, aber dann schien mir der Erklärungs-
prozess doch zu kompliziert. Deshalb also jetzt als einzelnes MoC.


Fließendes Wasser kennt keinen Kampf (Takagawa Kaku)


Mitglieder, denen dieses MOC gefällt:

Matze2903 , voxel , Jojo , jup (4 Mitglieder)

Seeteddy
28.11.2022, 10:56

Als Antwort auf den Beitrag von IngoAlthoefer

Editiert von
Seeteddy
28.11.2022, 11:14

Re: Legorianischer Choral - Promenade

Hi Ingo,

vielen Dank für das schöne "Descha-Wüh".

Vor gut 35 Jahren hatte ich den brandneuen Atari ST Heimcomputer. Der hatte unter anderem einen eingebauten Soundchip, welcher sich leicht ansteuern ließ.
Zufällig hatte ich gerade eine Schallplatte daneben liegen, mit Modest Mussorgskys Bildern einer Ausstellung - und auf der Rückseite fand sich ein Auszug aus dem Notenblatt, mit dem Beginn des Themas der Promenade.
Ich hackte die Notenfolge in ein kleines Programm, welches den Soundchip ansteuerte - und - et voila! Ich hörte zum ersten Mal aus dem Lautsprecher des Computers eine schöne Melodie.

Später entwickelte ich die Theorie des BACH-Effektes, die besagte, dass eine grauslige Tontechnik umso erträglicher wird, je schöner die Melodie, im klassischen Sinne der Harmonielehre, ist, welche darüber abgespielt wird.
Neben den Werken des grandiosen Johann Sebastian Bach, eignen sich dafür u.a. auch die o.g. "Promenade" von Modest Mussorgsky, "Der getreue Musick Meister" von Georg Philip Telemann, sowie "Canon und Gigue in D" von Johann Pachelbel.

Dadurch hatte ich zu dem Thema der Promenade schon immer eine gewisse Sympathie - und ich habe das, in Noten gesteckte, Thema gleich wieder erkannt.

kreative Grüße
Klaus


In Internetforen wimmelt es nur so von fehlerhaften Zitaten.

Johann Wolfgang von Goethe


IngoAlthoefer
28.11.2022, 13:17

Als Antwort auf den Beitrag von Seeteddy

Re: Legorianischer Choral - Promenade

Hallo Klaus,

danke für das Teilen Deiner Erinnerungen.

Seeteddy hat geschrieben:

... Dadurch hatte ich zu dem Thema der Promenade schon
immer eine gewisse Sympathie - und ich habe das, in Noten gesteckte,
Thema gleich wieder erkannt.

Also mindestens einer hier - ich bin glücklich.

Wir hatten "Bilder einer Ausstellung" 1975 in der achten Klasse
im Musikunterricht, und zwar in drei Versionen: Mussorgsky,
Orchesterversion von Ravel, Rockversion von Emmerson-LP.
Für mich war das eine Sternstunde der Schulmusik.

Für das Musikpublikum um 1900 herum waren die Bilder einer Ausstellung
ein echter Hammer - so anders als "normale" Musik.

Ingo.


Fließendes Wasser kennt keinen Kampf (Takagawa Kaku)


voxel
29.11.2022, 02:14

Als Antwort auf den Beitrag von Seeteddy

Re: Legorianischer Choral - Promenade

Moinsen!

Seeteddy hat geschrieben:


Später entwickelte ich die Theorie des BACH-Effektes, die besagte, dass eine grauslige Tontechnik umso erträglicher wird, je schöner die Melodie, im klassischen Sinne der Harmonielehre, ist, welche darüber abgespielt wird.


"Fuer Elise" gepiezopiepst ist und bleibt trotzdem gruselig



voxel
29.11.2022, 02:32

Als Antwort auf den Beitrag von IngoAlthoefer

Re: Legorianischer Choral - Promenade

Moinsen!

IngoAlthoefer hat geschrieben:


Wir hatten "Bilder einer Ausstellung" 1975 in der achten Klasse
im Musikunterricht, und zwar in drei Versionen: Mussorgsky,
Orchesterversion von Ravel, Rockversion von Emmerson-LP.
Für mich war das eine Sternstunde der Schulmusik.


Zustimmung zur Sternstunde, wobei ich das irgendwann mal selbst ausgegraben hatte, da mein Musikunterricht damals recht loecherig war.

Ich moechte noch auf eine 4. wegweisende Version verweisen, naemlich die von Isao Tomita, der aus dem Werk Mussorgskijs und elektronischen Experimentalmusik eine gelungene Synthese geschaffen hat.

Hier kann man sich das bei youtube auf die Ohren geben:
https://www.youtube.com/watch?v=IVvQQMrEUzQ

"Mekong Delta" hat 1996 ebenfalls die "Bilder einer Ausstellung" umgesetzt.

Randnotiz:
Wenn mir irgendjemand auf den Zuender geht, dann pfeife ich schon mal das "Ballett der unausgeschluepften Kuechlein", um mich zu revanchieren.



IngoAlthoefer
29.11.2022, 09:13

Als Antwort auf den Beitrag von voxel

Re: Legorianischer Choral - Promenade

Hallo Leute,

voxel hat geschrieben:

Seeteddy hat geschrieben:
... dass eine grauslige Tontechnik umso erträglicher wird,
je schöner die Melodie, im klassischen Sinne der Harmonielehre,
ist, welche darüber abgespielt wird.

"Fuer Elise" gepiezopiepst ist und bleibt trotzdem gruselig

ich denke, die Elisen-Etüde hatte Klaus auch absichtlich
nicht genannt. Hibbeliger Rokoko-Pop ist nun mal im
klassischen Sinne nicht wirklich schön.

Ingo
(hatte sich als Schüler mal überlegt, "Bilder einer Ausstellung" als
"Bilder einer Schule" umzusetzen, unter anderem mit einer schrägen
Kunstlehrerin als Baba Yaga und dem wohlbeleibten Direx im Schlussbild
vor seinem formidablen Schultor; leider reichte mein Mut nicht für
den Versuch einer Umsetzung)


Fließendes Wasser kennt keinen Kampf (Takagawa Kaku)


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