AdmiralStein
16.09.2022, 10:06

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AdmiralStein
16.09.2022, 14:19

+8Ausstellung in Paderborn: Stein auf Stein - Großkirchen im Miniaturformat

Das LWL-Museum in der Kaiserpfalz Paderborn hat einige der größten und imposantesten Nachbauten christlicher Kathedralen für eine Ausstellung zusammengeführt:

Stein auf Stein - Großkirchen im Miniaturformat

Die Ausstellung zeigt zehn Groß-Modelle, die Kathedralen und Klöstern in Europa nachempfunden sind:
Frauenkirche Dresden (von Holger Mattes)
Kloster Wiblingen (von Burkhard Siemoneit und Stephan Schumann)
Kölner Dom (von Jürgen Bramigk)
Marienkirche Kaiserslautern (unfertig; von Lauter Steine e.V.)
Münsteraner Dom (von Janis Jaspers)
Notre-Dame de Paris (von Ingo Bramigk)
Paderborner Dom (von Hundbrax)
Santa Maria della Salute Venedig (von Holger Mattes)
Ulmer Münster (von Anastasia Trautwein und Vera Feldmann)
Würzburger Dom (von Reinhold Dukat)

Daneben ist noch ein Modell der karolingischen Pfalz zu sehen (einem Vorläuferbau des Gebäudes, das heute das Museum beherbergt) sowie die zwei kleinen originalen Kirchen-Bausätze von Lego.

Einige der Modelle hatte ich in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Ausstellungen bereits live gesehen. Sie noch einmal in der Zusammenstellung in aller Ruhe und einer stimmigeren Atmosphäre als auf einer typischen bunten und lauten Lego-Ausstellung bewundern zu können, übte schon eine gewisse Faszination aus.

Beim Vergleich der Modelle stechen die unterschiedlichen Herangehensweisen der Erbauer an bestimmte Aspekte heraus, die bei Großmodellen besonders bedacht werden müssen:

Originalität der Steine vs. Originaltreue des Nachbaus
Neben den Kosten für die benötigte Menge Lego-Elemente spielt die Verfügbarkeit eine große Rolle. Elemente, die besonders selten und/oder teuer sind oder die es in den gewünschten Farben gar nicht gibt (oder zum Zeitpunkt des Baus noch nicht gab) machen Entscheidungen notwendig: Wahl des Maßstabs, Abstraktions-Niveau der Details, Verwendung von kompatiblen nicht-originalen Klemmbausteinen, 3D-Drucken oder eingefärbten Elementen... viele Kompromisse sind bei der Planung und beim Bau denkbar. So hat das Modell des Paderborner Doms ein limetten-grünes Dach, obwohl die Dachfarbe der Vorlage eindeutig sandgrün ist. Der Würzburger Dom greift dagegen an vielen Stellen auf (teils ohne große Sorgfalt) eingefärbte und an einigen Stellen auch auf abgesägte Elemente zurück. Beim Ulmer Münster konnten die Modellbauerinnen des Legolands auf eine erweiterte Teileauswahl zurückgreifen, die normalen Lego-Fans für immer verwehrt bleibt. Das Modell der mittelalterlichen Kaiserpfalz wiederum besteht im Gegensatz zu den Kathedralen zum Großteil aus alternativen Klemmbausteinen.

Stabilität
Die Modelle sollen am Ende nicht nur nicht einstürzen, sondern auch Transporte unbeschadet überstehen. Sehr anschaulich gezeigt wird das am unfertigen Modell der Marienkirche Kaiserslautern, bei dem aus den Stützen im Kirchenschiff oben Stahldrähte herausragen. Das Modell des Ulmer Münster ist im Legoland Günzburg entstanden und vollständig geklebt. Ob die teils filigrane Konstruktion ohne Klebstoff dauerhaft halten würde?

Innenausbau
Hier zeigt die Ausstellung die komplette Bandbreite: Komplett geschlossene Modelle, die die Vorlage nur "von außen" abbilden, denn ein Innenausbau ist für den Betrachter nicht ersichtlich (Kloster Wiblingen, Kölner Dom, Paderborner Dom, Ulmer Münster). Ein komplett geschlossenes Modelle, das von innen illuminiert ist (Santa Maria della Salute Venedig). Modelle mit teilweise fehlendem Dach, so dass man einen Blick in den ausgebauten Innenraum werfen kann (Münsteraner Dom, Würzburger Dom). Ein Modell, dessen nur durch die Eingangstür einsehbarer Innenraum zwecks Illumination mit Alu-Folie ausgekleidet ist (Notre Dame de Paris). Ein Modell mit vollständigem Dach samt vollständig eingerichtetem und beleuchtetem Innenraum, der durch ein Fenster an der Seite eingesehen werden kann (Frauenkirche Dresden).

Auf Fotos von den ausgestellten Modellen verzichte ich an dieser Stelle bewusst, da man Abbildungen aller Modelle im Netz sowie in der Pressemitteilung des Museums und in Medienberichten zur Ausstellung findet:
Pressemitteilung des LWL zur Ausstellung (30.06.2022)
Fernsehbericht über die Ausstellung bei Sat.1 NRW (01.07.2022) (ab 0:18)
Pressebericht über die Ausstellung im Westfalen-Blatt (30.06.2022)

Die Ausstellung sollte ursprünglich bis zum 25.09.2022 zu sehen sein. Auf der Website des Museums steht nun der Hinweis, dass sie bis zum 01.11.2022 verlängert wurde.



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