friccius
30.08.2022, 10:06

+47Handley Page H.P.42/45

Hi Folks!

Hier habe ich mal wieder ein kleines Modell, welches ich noch nicht im Forum vorgestellt habe.

Bei Dirks Vorstellung einer Armstrong Whitworth Argosy Mk.I https://www.1000steine.de...amp;id=419309#id419309 am 26.04.2019 führte dies bei Sven (Tenderlok) zu einem Aufschrei nach seinem absoluten Liebling der Vorkriegszeit, der hinreißend-verschrobenen Handley Page H.P. 42/45.

Da mir dieses Flugzeug schon vor 20 Jahren im fünften Band der Comic-Reihe Yoko Tsuno (Flug in die Vergangenheit (Message pour l’éternité), 1974) aufgefallen war, reifte bei mir langsam über Wochen und Monate (sehr viele Monate) der Entschluß „die baust du“.

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Nachdem ich das für mich geklärt hatte, ging's wie bei jedem größerem Projekt erst einmal an die Vorbildrecherche. Ich brauchte jede Menge Bildmaterial, welches das Flugzeug von allen Seiten und mit möglichst vielen Details zeigt, und am Besten einen Plan von diesem Flugzeug, damit ich die Proportionen auch halbwegs richtig treffe. Einen Plan konnte ich im Internet auch tatsächlich finden und mit der Software „Inkscape“ auf die von mir benötigte Größe skalieren. Ich wollte auf den ungefähren Minifiguren-Maßstab kommen. Dieser Plan lag dann während des Baus als Unterlage auf meinem Bautisch, so daß ich jederzeit vergleichen konnte.

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Live zu sehen gab es das Modell bisher nur auf dem 10. SteineWAHN im September 2021 in Berlin.

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Das Vorbild

Die Handley Page H.P. 42/45 wurde 1930 und 1931 in insgesamt acht Exemplaren gebaut. Sie war bei ihrer Indienststellung das größte Passagierflugzeug der Welt. Verglichen mit heutigen Flugzeugen ist sie aber eher klein. Von den acht Maschinen, die in zwei Versionen gebaut wurden, existiert heute keine mehr. Eine Maschine verbrannte 1937 in einem Hangar in Karatschi, die verbliebenen sieben kamen bei Kriegsausbruch zur RAF. Eine Maschine (Hannibal, die erste der Serie) ging am 1. März 1940 mit acht Mann spurlos über dem Golf von Oman verloren. Der Rest wurde von der RAF „kaputtgeflogen“ und die letzte abgestellte Maschine wurde 1941 schließlich verschrottet.

Technische Daten:

Besatzung 4
Passagiere 18–24
Länge 28,09 m
Spannweite 39,62 m
Höhe 5,04 m
Flügelfläche 277,68 m²
Leermasse 8.047 kg
Startmasse 12.700 kg
Antrieb vier Bristol Jupiter XIF; je 490 PS (ca. 360 kW)
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
Reichweite 805 km

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Wer weitere Details zum Vorbild haben möchte, darf sich gern bei mir melden.


Das Modell


So, da lag der Plan also vor mir auf dem Tisch. Bloß wo anfangen?
Ich entschied mich erstmal für die obere Tragfläche, da das eine schöne glatte Fläche ist. Also Platten am Plan angelegt und dann mit weiteren Platten überlappend zusammengebaut. Es sollte ja stabil werden und der Durchhang wirkte auf mich erstmal überhaupt nicht tragisch. Drei Lagen Platten gab der Plan her und da war dann noch Luft für eine Lage Fliesen oben und unten. Ja, die Tragflächen haben an der dicksten Stelle eine Höhe von fünf Platten. Das es letztlich nicht bei dieser Konstruktion bleiben würde, ahnte ich da noch nicht.
Das Problem, mit dem ich am längsten kämpfen mußte, war das Gewicht. Letztlich ruht das gesamte Gewicht von 2 Kilo auf den beiden Vorderrädern und auf dem kleinen Heckrad!
Aus diesem Grund mußten die Tragflächen nochmal überarbeitet werden. Es galt soviel an Gewicht wie möglich einzusparen und dabei eine noch halbwegs stabile Konstruktion hinzubekommen. Und wie welke Blätter herabhängende Flügel wollte ich nicht sehen. Letztlich wurde es eine Konstruktion mit den guten alten Technikbalken. Da sind viele Luftlöcher drin und stabil ist es auch. Außerdem konnte ich so auch die Fliesen problemlos an den Tragflächen befestigen. Diese Möglichkeit hätte ich bei Verwendung der neueren Technik-Beams – so nenne ich das jetzt mal zur Unterscheidung – nicht gehabt.

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Eine weitere problematische Stelle war schließlich das Fahrwerk. Da ich so dicht wie möglich an der Vorlage bleiben wollte, kam es für mich nicht infrage, daß Fahrwerk im Modell breiter auszulegen. Hätte ich es breiter gebaut, dann hätte sich das Gewicht wahrscheinlich etwas günstiger auf das Fahrwerk ausgewirkt. So wie es gebaut ist, wirkt ein ziemlicher Druck auf die Vorderräder. Was sich bei einem Gesamtgewicht von 2 Kilo wohl auch nicht ganz vermeiden läßt. Aber es hält. Und es hielt vor allen auch während der Ausstellung in Berlin ohne daß ich am Fahrwerk nachbessern mußte.

Die unteren Tragflächen mit ihren markanten Winkel machten im Rumpf und den unteren Motoren eine Hilfskonstruktion aus Technikteilen erforderlich. Das dann halbwegs sauber zu verkleiden, war dann im Bereich der Motoren die Herausforderung.

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Beim Rumpf mußte ich einen Kompromiss eingehen. Eigentlich sind ja die Seiten des Rumpfes auch gewölbt. Andererseits sind sie mit dieser Wellblechriffelung ja recht signifikant für das gesamte Erscheinungsbild der H.P.42/45. Runde Steine mit einer Wellblechriffelung gibt es aber nicht von Lego. Also nahm ich die altbekannten Riffelsteine und baute das eben nicht gewölbt sondern gerade. Schließlich sollte es ja doch auch halbwegs stabil sein. Und rund wurde es dann ja noch im Bereich des Cockpits. Die obere und die vordere Glaspartie sind übrigens in „legopardischer Bautechnik“ nur aufgelegt.

Das Modell stellte ich letztlich auf dem Flughafen „Khartoum“ (war eines der Ziele der Imperial Airways) auf und so dann in Berlin aus.
Das Modell ist für den Transport in mehrere Teile zerlegbar.

Modelldaten:
Länge: 68 cm
Spannweite: 97 cm
Gewicht: 2 Kilo
Verbaute Steine: Da habe ich mal wieder nicht mitgezählt.
Bauanleitung: Wird es nicht geben.

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Weitere Bilder gibt es hier.

Vie leG rüße
Andreas

Quellen:

- Bluffield, Robert, Imperial Airways, The Birth of the British Airline Industry, 1914-1940; Surrey, Great Britain, Classic Publications, 2009; ISBN-13: 978-1906537074
- Davies, R.E.G. - British Airways - An Airline and its Aircraft - Vol. 1 1919-1939: The Imperial Years; McLean (Virginia), USA, Paladwr Press, 2005, ISBN-13: 9781888962246
- Div. Autoren, Classic Airliner - Imperial Airways (1924-1940); Market Harborough, Great Britain, Kelsey Publishing, 2014, ISBN-13: 9781909786417
- https://de.wikipedia.org/wiki/Handley_Page_H.P.42
- https://en.wikipedia.org/wiki/Handley_Page_H.P.42


Wer LEGO® verfälscht oder nachmacht, oder verfälschtes oder nachgemachtes LEGO® in Umlauf bringt, wird mit MegaBloks nicht unter fünf Jahren bestraft.

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Lok24
30.08.2022, 11:44

Als Antwort auf den Beitrag von friccius

Re: Handley Page H.P.42/45

Hallo Andreas,

Ein tolles Modell, gefällt mir sehr gut (auch wenn das Vorbild ein wenig skurril ist)
Auch die Aufstellung mit dem "drumrum".

Vor allem aber auch vielen Dank für den sehr ausführlichen (Bau)Bericht und die Infos zum Vorbild.
Rundum eine Eins mit *

LG

Werner



tastenmann
30.08.2022, 13:24

Als Antwort auf den Beitrag von friccius

Re: Handley Page H.P.42/45

Hallo,

ein sehr gelungenes MOC! Das Flugzeug war mir bis dato unbekannt, von der Konstruktion als Doppeldecker mit Motoren auf zwei Ebenen aber wirklich eine exotische Konstruktion. Schade, dass es kein Exemplar in ein Museum geschafft hat.

Viele Grüße
Tastenmann


Mehr Fotos gibt es auf Flickr
und auf Instagram


friccius
30.08.2022, 13:56

Als Antwort auf den Beitrag von Lok24

Re: Handley Page H.P.42/45

Hallo Werner,

danke für's Lob!

Ja, der Flieger ist schon etwas skurril. Man hatte sich bei Imperial Airways aber bewußt für einen Doppeldecker entschieden, da diese als sicherer und ruhiger in der Luft liegend galten. Das Flugzeug war auch nicht auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Komfort war das Stichwort.

Vie leG rüße
Andreas


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friccius
30.08.2022, 14:03

Als Antwort auf den Beitrag von tastenmann

Re: Handley Page H.P.42/45

Hi Tastenmann,

danke für's Lob.

Ja, schade, daß es davon kein erhaltenes Museumsexemplar gibt. Aber es gibt immerhin Filme von diesen Flugzeugen.


Zu Anfang der 2000er Jahre gab's auch mal eine englische Gruppe, die ein solches Flugzeug real nachbauen wollte. Das Projekt scheint sich aber erledigt zu haben.

Vie leG rüße
Andreas


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OlegM
01.09.2022, 10:32

Als Antwort auf den Beitrag von friccius

Re: Handley Page H.P.42/45

Hallo Friccius!

Cool!

Fliegt die auch?

Gruß Oleg



friccius
02.09.2022, 09:24

Als Antwort auf den Beitrag von OlegM

Re: Handley Page H.P.42/45

Hi Oleg,

dankeschön.

Natürlich fliegt die. Vor meinem geistigen Auge sehe ich deutlich, wie sie majestätisch von der Tischkante abhebt um dann in einem anfangs nur leichten Bogen, der zunehmend steiler wird, unaufhaltsam dem Hallenboden zuzustürmen. Nur mit der Landung gibt es noch kleinere Probleme.

Vie leG rüße
Andreas


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JuL
Dienstag, 12:13

Als Antwort auf den Beitrag von Lok24

Re: Handley Page H.P.42/45

Saluton!

Auch fand nicht nur Modell selbst schön, sondern auch den Baubericht interessant.
Faszinierend speziell das mit der Dicke der Flügel. Aerodynamisch vermutlich
total klar, aber so als Laie …

Ad LEGO & Co.!
JuL


„Altgrau“ facere necesse est.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie mir nennen. Ich lerne nämlich gerne dazu (ich bin allerdings „Altschreiber“).


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