Kosmotekt
07.05.2022, 19:04

+74WD rock crawler buggy [MOD eines 42099 B-Models, kein MOC]

Hallo Klötzchenbauer,
für Leute wie mich, die sich von jüngeren Originalbausätzen eigentlich nie begeistern können, aber eigentlich zuwenig Zeit für komplette Neuentwicklungen haben oder keine Nerven für große Bricklink-Bestellungen, sind ausgefeilte Lego-B-Modelle anderer schlauer Köpfe ein Segen. Ein Beispiel einer regelrechten Neuerfindung ist der „Rocky“ Rock 4WD Crawler Buggy von Didumos (bei Rebrickable), der bei weitem fähiger ist als das Original. Man macht damit Sachen, wo das Original schon längst aufgegeben hat.

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Der 42099 X-treme Geländewagen als A-Modell war als frühes Control+ - Modell meines Erachtens absurd überteuert und sprach optisch vermutlich andere Altersgruppen als mich an. Es hat aber einzelne interessante Teile, wie die Radnaben mit fürs Drehmoment vielversprechender 1:5-Reduktion im Planetengetriebe, die steifen roten Federn für die unabhängige Aufhängung aller Räder, die bekannten durchaus geländefähigen Reifen, und das mit zwei Drehscheiben schwenkbeweglich aufgehängte vordere Fahrwerksegment. Ich gebe zu, dass ich ausserdem die bright yellow-orange Farbe der Panele ausgesprochen attraktiv finde (dummerweise findet man sie ja nirgendwo sonst in Technic, nur z.B. im Wall-E und der Yellow Submarine).
Didumos (alle credits an ihn) hat mit ausschließlich den A-Modell-Teilen einen innovativen, absolut fähigen Crawler entwickelt, also habe ich mir einen gebrauchten 42099 für die Hälfte besorgt und umgebaut. Der Aufbau des Crawlers mittelt wie beim Mars Rover die großen möglichen Seitwärts-Drehwinkel der Achsen wie ein Differential gleichmäßig aus, um so die Quad-Link-Federung von rock crawlern zu imitieren. Dazu koppelt er beide Drehscheiben im mittleren Gehäuse.

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Dort sitzt zentral auch der Hub mit den schweren Batterien, relativ tief für den Schwerpunkt, dessen Gyro den Drehwinkel des Gehäuses weiter korrekt erfassen kann. Die Federung wandert in die gelenkten Fahrwerke und federt so auf innovative Weise längs, und stellt die Fahrwerke schön an, hinten durch verschobenen Federpunkt etwas mehr. Das Gehäuse sinkt angenehm unter seinem Gewicht rund 40% des Federweges ein.

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Der Antriebsstrang ist absolut direkt, und die Motoren sitzen unmittelbar an den Differentialen, ohne jede Über- oder Untersetzung, was ihn relativ langsamer macht, aber mit bedeutendem Drehmoment. Die Motorengehäuse dienen gleichzeitig als zentrale Versteifung der Fahrwerkskonstruktion.

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Die Differentiale sind in meiner Version beide gesperrt, das geht auf die Getriebe und die Räder, schafft aber im Prinzip alles, was auf dem Weg liegt und nicht geometrisch blockiert, das wird so ein echter hardcore offroader! Hindernisse sind ihm fast egal, Steigungen von fast 50% schafft er auch, das hat mit üblichem Lego wie gesagt nicht mehr viel zu tun. Die Lenkung ist auf Stabilität und Lenktreue gebaut, erzeugt dabei aber (als fast einziger Nachteil) einen ziemlichen Wendekreis. Die Aufhängung entspricht ungefederten steifen double wishbones für extra Bodenfreiheit. Der Radstand ist in der Breite etwas mehr (2 studs) als im Original, in der Länge gleich 30% mehr, was (außer für den Wendekreis) im Gelände ein echter Vorteil ist.

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Die Verkleidung ist funktional reduziert aufs mittlere Segment. Man kann den Crawler einfach am stabilen Dach anheben. Mit 2 Pins wird das Dach aufgeklappt, um mit einer Stange den Hub anzuschalten. In meiner Version können die Batterien ohne Ausbau des Hubs durch Aufklappen des unteren Panels getauscht werden.

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Gestaltungsmäßig bin ich von der Philosophie des reinen B-Models abgewichen und habe zusätzliche bei mir vorhandene Teile benutzt. Dabei sind die meisten Farbseuche-Elemente verschwunden (lime green und derlei), und ich habe den eher „nackten“ technischen Look, der ja schon durchaus was hat, für mich aber ergänzt. Vorne sind die Antriebselemente haubenähnlich und an den Seiten abgedeckt. Hinten sind Fender und Transportfläche mit Ersatztank dazugekommen, und am zentralen Fahrerhaus Überrollbügel, geschlossene Fensterfronten und zusätzliche Scheinwerfer und Antennen, sowie ein hochgelegtes geschütztes Tank- und Belüftungssystem und ein Kühlungsventilator für Wüstenralleys.

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Mit etwas Glück habe ich einen zweiten Satz der gelb-orangenen Panele von jemandem bekommen, der farblich ganz umgebaut hat, und konnte so die Haube verlängern und weitere gelborangene Akzente setzen. Von den zwei Sätzen der gruseligen Totenkopf-Aufkleber sind nur ein paar einzelne und die Startnummern übergeblieben und platziert. Alles Zusätzliche am Unterboden (Fußtritte, eine vordere Seilwinde mit Anker als Gimmick, um sich fiktiv aus dem Schlamm zu ziehen, und die Ableitbleche vor und hinten) können mit ein paar Pins entfernt werden, wenn man mal wirkich alle Bodenfreiheit braucht. Das gilt auch für die Schutzpanele am Boden, die bei mir den Motor abdecken, die liegen beim Original-B-Model ungeschützt frei und führen natürlich schnell zu kosmetischen Schrammen.

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Insgesamt ist der Entwurf dieses B-Models von Didumos großartig, und ausgesprochen effizient, wenn man lediglich die gleichen 950 Teile des Originals nutzt, geradezu ein Geniestreich, ich kenne kaum ein anderes B-Model auf dem Level, und mit ein paar Zusatzteilen finde ich ihn jetzt noch schicker. Es wird ein völlig anderes Fahrzeug im Gelände als der 42099 und verhält sich wirklich, als wenn es kein Lego mehr ist. (Andere machen offenbar noch weiter mit BuWizz, starken LiPo-Akkus, Buggy-Motoren, geschmierten Drehscheiben, verstellbarer Federung, zusätzlicher Hinterradlenkung und anderem.)
Vielleicht ist es ja eine Anregung.
Also erstmal weiterhin fröhliches Klötzchenstapeln.


Schönen Gruß, der Kosmotekt


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