Farnheim
14.11.2021, 21:07

+35Wir kamen, wenn Badende baden gingen.

Liebe Freunde, ich bin's wieder.

Wenn man für seine städt. Feuerwehr so ziemlich alles mind. einmal gebaut hat, was eine Großstadtwehr von heute so benötigt und sich deshalb bauchtechnische Stagnation breit macht, muss ein anderes Themenfeld her. Und dieses heißt, wie Ihr nicht erst zuletzt mitbekommen habt: Feuerwehrhistorik. Dieses Thema beschäftigt mich aktuell schon umfassend. Es gibt so viele schöne alte Vorbilder, die es zu bauen lohnt. Selbstverständlich immer mit der Prämisse, dass sie konzeptionell und zeithistorisch in den Farnheim'schen Kosmos passen. Somit dürfte sich auch das nun folgende Exemplar reibungslos in das Fahrzeugbeschaffungsgemenge in Farnheim über die jahrzehnte plausibel einsortieren lassen, aber nicht ohne eine kleine Geschichte darum zu erfinden. Viel Spaß.

1957 beschaffte die Berufsfeuerwehr Farnheim ihren ersten auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Gerätewagen für die Wasserrettung nach dem zweiten Weltkrieg. Zuvor hatte noch ein in Eigenregie umgebautes LLG (Leichtes Löschfahrzeug), das den 2. Weltkrieg überlebte, als Einsatzfahrzeug Genüge getan. Auf einem 5to-Fahrgestell von HanoMOC in der Ausführung F35, dessen 4-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor 51 kW (70 PS) bei 2.800 U/Min entwickelte, baute die Feuerschutzfabrik Steinle einen sehr flachen Aufbau auf dessen Dach im Fahrbetrieb ein Aluminiumboot verlastet war. Mittels am Heck montierten Spindeln war die Fahrzeugbesatzung in der Lage, das Boot allein vom Fahrzeugdach zu holen und Klarschiff zu machen.

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Das Fahrzeug ging 1972 außer Dienst und wurde an die Freiwillige Feuerwehr Marktmaschenroth verkauft. Dort leistete es noch einige Jahre wertvolle Dienste, ehe es auch dort endgültig in den verdienten Ruhestand wechselte. Eine private Sammlergemeinschaft aus Hessen kaufte das Fahrzeug von der Feuerwehr auf und restaurierte es im Rahmen ihrer Möglichkeiten. So fuhr es bis in 1990er Jahre hinein bei Oldtimer-Sternfahrten mit oder war Teil historischer Fahrzeugausstellungen. 2002 trennte sich sich die Sammlergemeinschaft von zahlreichen Exponaten, zu denen auch der alte HanoMOC gehörte. Er fand bei einem Gebrauchtwagenhändler für Nutzfahrzeuge in Leopoldstadt ein neues Zuhause. Dort stand das Fahrzeug über eineinhalb Jahrzehnte letztlich vergessen in einer abgelegenen Ecke des weitläufigen Betriebsgeländes. 2016 kaufte schließlich die feuerwehrhistorische Abteilung das Fahrzeug für den symbolischen Wert von einem 1 Euro auf und restaurierte es in den kommenden vier Jahren von Grund auf. Viele Ersatzteile, die mittlerweile, selbst gebraucht, nicht mehr zu beschaffen waren, wurden entweder in Eigenregie oder von ortsansässigen Industriebetrieben angefertigt.

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Vor wenigen Wochen verließ das Fahrzeug schließlich nach mehreren hundert schweiß- und nervenaufreibender Arbeitsstunden im bestmöglichen Retaurationszustand die heiligen Hallen der Zentralwerkstätten an der Feuerwache 4 und wurde im Anschluss interessierten Medienvertretern präsentiert, während man die Funktionsweise des Ablasten des Bootes anschaulich darbot - selbstredend in zeitgemäßer Arbeitskleidung.

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Auf der Suche nach weiteren interessanten Oldtimern fiel die Wahl auf einen Gerätewagen-Wasserrettung (GW-W). Hat diese Fachgruppe doch bedingt durch die Nähe zu Fluss und Meer in Farnheim eine lange Tradition, an die im kommenden Museum hinreichend erinnert werden soll. Als Ideengeber lässt sich zweifelsohne der Gerätewagen-Wasserrettung der Berufsfeuerwehr Hannover (für die Vorbildfotos bitte etwas herunterscrollen; es sind die beiden einzigen SW-Fotos inmitten der sonst farbigen Bilderflut) benennen, der zwischen 1961 und 1970 in der niedersächsischen Landeshauptstadt Dienst tat. Nur der Vollständigkeit halber aber sei gesagt, das der Hanomag L28 ursprünglich und viele Jahre vorher als Gerätewagen-Atemschutz angeschafft wurde.

Sei’s drum. Klassisch 4-Noppen breit ist dieses Modell, wenn man den seitlich angeflanschten Kleinkram mal außer Acht lässt. Das ist auch insoweit konsistent, da auch sämliche Kleintransporter (bis auf die Kofferaufbauten der Rettungswagen) mit vier Studs in der Breite auskommen. Wie beim Hannoveraner Vorbild sind sämtliche Gerätschaften sowie der Außenborder im Aufbau verstaut. Aus Ermangelung an aussagekräftigen Vorbildfotos ist die heckseitig installierte Abrollvorichtung eine Eigenkreation. Keine Ahnung, ob so etwas tatsächlich am Vorbild existierte. Und wenn nicht, ist es auch egal, denn dieses MOC ist schließlich ein Farnheimer Original.


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Technix
14.11.2021, 21:26

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Re: Wir kamen, wenn Badende baden gingen.

Hallo Maik.
'Wunderschön' las ich eben als wortkargen Kommentar zu deinem MOC.
Dem schließe ich mich wortkarg an.

Wunderschön!

Grüße
Gunther


"Jedes Set ist ein MINDSTORMS®-Ergänzungsset."
carpe noctem!
Denn Nachts ist das Grün dunkel.
Dunkelgrün ist die Farbe der pessimistischen Hoffer.


Farnheim
15.11.2021, 08:12

Als Antwort auf den Beitrag von Technix

Re: Wir kamen, wenn Badende baden gingen.

Hi Gunther.

Herzlichen Dank für Deinen erschöpfenden Kommentar.

Leider ist aus Gründen, die ich nicht mehr nachvollziehen kann, der letzte Korrekturschritt sowie das Ende meines Textes verlustig gegangen. Ich wollte nicht unhöflich sein und mich nicht ordnungsgemäß verabschieden. Nu, wat wech is wech...

Gezz abba: Viele Grüße,
Maik


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Legoviller
15.11.2021, 18:11

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Re: Wir kamen, wenn Badende baden gingen.

Hallo Maik,

immer wieder erfrischend, die Geschichte hinter dem MOC zu lesen.
Kann es sein, dass der GW Wasser der BF Hannover Pate stand für Dein MOC? Wenn ja, würde ich versuchen, die Kotflügel in schwarz zu bauen.

Noch eine Idee zu Oldtimern: Bei Flugplatzfeuerwehren wurden Zubringerlöschfahrzeuge auf Magirus 200D16A eingesetzt. Als Ergänzung gab es mit demselben Fahrgestell Sattelschlepper, mit normaler Kabine als auch Doppelkabine. Dazu würden dann auch noch ein TroLF 750 auf Unimog passen.

Grüße
Wolfgang



Farnheim
16.11.2021, 14:53

Als Antwort auf den Beitrag von Legoviller

Re: Wir kamen, wenn Badende baden gingen.

Hallo Wolfgang,

hast Du etwa meinen Artikel nicht bis zum Ende gelesen? Da hatte ich den Hannoveraner bereits erwähnt... Und ja, Du hast recht. Schöne Idee, die Kotflügel schwarz zu halten, bedauerlicherweise ist das vordere Bauteil nicht in dieser Farbe lieferbar, daher mein Gedanke, den GW-W später mal ins Frankfurter" Lackierschema zu transferieren. Später deswegen, weil mir derzeit die 1x4 Bogensteine, das vordere Kotflügel-Formteil und die abgerundeten 1x2er Plättchen in weiß fehlen.

Der GTLF als Sattelauflieger hätte natürlich was. Passend dazu wäre noch ein FLF 25V auf einem Rundhauber mit Staffelkabine. Ich meine mich an ein Trio zu erinnern, welches im Rundhauber-Sonderheft des Blaulichtfahrzeug-Magazins abgebildet war, das aus einem dieser FLF 25, einem ZB 6 und einem Sattelzug-GTLF bestand.

Ich denke mal drüber nach.

Danke Dir, auch, dass Dir meine kleine Geschichte gefällt.

Viele Grüße,
Maik


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Legoviller
16.11.2021, 17:28

Als Antwort auf den Beitrag von Farnheim

Re: Wir kamen, wenn Badende baden gingen.

Farnheim hat geschrieben:

Hallo Wolfgang,

Der GTLF als Sattelauflieger hätte natürlich was. Passend dazu wäre noch ein FLF 25V auf einem Rundhauber mit Staffelkabine. Ich meine mich an ein Trio zu erinnern, welches im Rundhauber-Sonderheft des Blaulichtfahrzeug-Magazins abgebildet war, das aus einem dieser FLF 25, einem ZB 6 und einem Sattelzug-GTLF bestand

Hallo Mike,

genau an diesen Artikel habe ich gedacht. Von den GTLF-Eckhaubern sind mir 3 in Deutschland bekannt: Flughafen Osnabrück/ Münster mit Doppelkabine, mit Truppkabine BF Frankfurt und WF HOECHST. Soweit ich weiss, gabe es das FLF 25 auch auf dem Eckhauber, z.B. bei der WF Beringwerke in Marburg, die ZB 6 waren in Hessen weit verbreitet.

Grüße
Wolfgang



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