Farnheim
01.11.2021, 20:36

+34Der rüstige Oldie aus Utgast... Aus wo???

Hallo liebe Gemeinde,

lang, lang ist's her, dass ein Beitrag meinen Namen trug. Baustillstand und andere Themen beherrschten stattdessen meine Freizeitgestaltung, sodass erst kürzlich wieder etwas Neues auf dem Bautisch entstand, was es (so denke ich) Wert wäre, vorgestellt zu werden. Lasst mich aber dem Modell etwas vorausschicken: einen imaginären historischen Hintergrund. Los geht's...

Für zumeist kleine Freiwillige Feuerwehren gestaltet es sich besonders schwierig gerade neue technische Ausrüstung finanziert zu bekommen, insbesondere dann, wenn größere Fahrzeugbeschaffungen getätigt werden müssen. So sind Fahrzeuglaufzeiten meist erheblich länger, als bei Behörden in großen Städten und Kreisen. Noch etwas schwieriger wird es damit für die Feuerwehr Utgast, der im Norden auf der Insel Jaderoog gelegenen kleinen Ortschaft mit rund 1.200 Einwohnern. Hier leben die Bewohner mehrheitlich von der Landwirtschaft und dem Tourismus. Da der "Heile Welt"-Ort ziemlich abgeschieden liegt und das alljährliche Einsatzgeseht dadurch bedingt recht übersichtlich ist, kommt neues Material hier auch immer erst recht spät an. Nichtsdestotrotz hat die kleine Ortwehr aus der Not eine Tugend gemacht.

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Utgast (Landkreis Jaderland) befindet sich am nördlichen Ende der Insel Jaderoog, während sich am unteren Rand die nördlichen Stadtteile Farnheims in Bild drängeln.

Die Freiwillige Feuerwehr Utgast setzt sich aus 37 motivierten Kamerad:innen zusammen, die im Ernstfall über ein Löschgruppenfahrzeug LF 8/6-TH, einen Kleinbus als Mannschaftstransporter und ein Tanklöschfahrzeug TLF 8/16 verfügen können. Letzteres soll im Weiteren genauer vorgestellt werden. Das TLF 8/16 ist ein UniMoc GL565 aus dem Jahr 1979, dessen 6-Zylinder-Diesel 59 kW (80 PS) leistet, über Allradantrieb verfügt und extrem geländegängig ist. Den Aufbau fertigte dereinst die mittlerweile Konkurs gegangene Feuerlöschgerätefabrik Bricksbach (kurz FGB) in Noppau. Über die Jahre und Jahrzehnte hinweg erfuhr das Fahrzeug immer wieder einsatzztaktische Aufwertungen, um auch an dem recht abgeschiedenen Fleckchen den dennoch stetig wachsenden Aufgaben gerecht zu werden. Zuletzt wurde das Fahrzeug 2016 für kommende Dienstjahre rundherum generalüberholt.

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Auf die insgesamt 6 to. zGM verteilen sich eine heckseitig verbaute Pumpe FP 8/8, die 800 L Wasser/Min. bei 8 bar fördert, ein 1.600 L fassender Wassertank und sonstige Gerätschaften zur Brandbekämpfung. Als Besonderheit sind sämtliche wasserführenden Armaturen, die Pumpe und der Tank seewasserbeständig. Die Pumpe bietet zudem einen Hochdruckteil, der 300 L in der Minute bei 30 bar fördert. Mit der speziellen Bereifung ist die Wehr mit dem Fahrzeug in der Lage selbst weiche Untergründe, wie bspw. Sand, ohne die Gefahr des Einsinkens, zu befahren.

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Während mittlerweile die Ausschreibung für den Nachfolger des 1988 in Dienst gestellten LF 8/6 angelaufen ist, stellt sich nach den unfangreichen Instandhaltungsmaßnahmen die Frage nach einer Ersatzbeschaffung für das TLF vorerst nicht. Für den interessierten Leser sei gesagt, dass die Wehr als Nachfolger für das LF 8 für ein Mittleres Löschfahrzeug, kurz MLF entschieden hat.

Soweit zur angenommenen (Lebens-)Geschichte rund um das Fahrzeug. Nun zum Modell. Es war ein wahrer Spontanbau, der an zwei Nachmittagen jene Gestalt annahm. Am erstes gab die Kabine den Ton an, wobei ich verhältnismäßig lange damit beschäftigt war, die rundliche Motorhaube einigermaßen gefällig zu gestalten. Tatsächlich half mir dabei die Platzierung einen schwarzen 1x2 Plättchens, das von vorn gesehen die optische Verlängerung des Kühlergrills in die Haube hinein darstellt. Die rundliche Bauart inklusive Platzierung eines 1x2 Hinge-Bricks versetzte den Rest der Kabine schließlich um eine halbe Noppe nach hinten. Die halbnoppigen Versatz der Kabine konnte ich durch ein Lage Fliesen vor den vorderen Gerätefächernden am durchweg gesnotteten Aufbau wieder abfangen. Die leichte Asymmetrie des Containers/Cubpboards am Heck ermöglichte mir den angedeuteten Dachaufstieg aus 1x1 Plättchen mit vertikalem Clip.

Die hohe Bodenfreiheit, bedingt durch die guten, alten LKW-Reifen aus den 80ern, ließ mir die Möglichkeit allerlei Zeugs am Fahrgestell sowie einen hinteren Unterfahrschutz mitsamt Rückleuchten, angedeuteter Anhängerkupplung und "ausklappbarer" Trittsufe zu befestigen. Überflüssig zu erwähnen, dass das Fahrzeug auch über seitliche Begrenzungsleuchten verfügt. Wie es sich gehört sind noch klassische Blaulichter verbaut. Auch keine "Straßenräumer" oder sonstiger LED-Schnickschnack, wie eine gleißendhelle Umfeldbeleuchtung et cetera pp. Die Farbgebung ist bewusst "oldschool" gewählt. Also, Feuerrot (RAl 3000) und Tiefschwarz (RAL 9005). Schwarz auch deshalb, weil es die Kotflügel in weiß schlicht nicht gibt. Und so vermisst man auch nicht die heutzutage standardmäßig eingesetzte reflexive gelbe Konturmarkierung. Der aufmerksame Beobachter hat sicher schon bemerkt, dass in die Kabine keine Minifig Platz nehmen kann. Das ist korrekt. Aber irgendwas ist ja schließlich immer. Doch damit kann ich Leben.

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Erwähnenswerte, das Modell vervollständigende Details (einige ja sagen auch Gegreebel) sind das unterhalb der vorderen Stoßstange angebrachte Presslufthorn, ein kompletter
Anstriebsstrang mit Kardanwelle sowie weiterer Anbauteile, wie Abgasanlage, Dieseltank und Hydraulikbehälter, Trittstufen den Seiten und Heck, besagter Aufstieg zum Aufbaudach,
Dachluke auf dem Fahrerhaus und eine feuerwehrtechnische Beladung samt Pumpenstand im Heck.

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Ich hoffe nun, der knallrote Geländefloh gefällt. Wer möchte, darf sich eingeladen fühlen, gerne etwas dazu niederzuschreiben. Ich würde mich freuen.

Danke für Euren Zwischenstop an dieser Stelle.

Wir lesen oder bestenfalls sehen uns,
Maik


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EBM-Lounge somewhere 2024


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