Zypper
05.04.2021, 09:59

+6Projekt 366: Räder, Ringe, Rundes

043 – Ein Wasserrad

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Vor Jahren schon gebaut, fiel es mir bei der Zusammenstellung von MOCs für dieses Projekt in die Hände. Es erinnert mich an die Wasserräder, die die historische Altstadt von Hama in Syrien prägen. Die Geräusche der Wasserräder bestimmen den Sound der Stadt, und wenn sie verklingen – so will es die Sage wissen – stirbt die Stadt. Ich weiß nicht, ob Hama noch lebt. Möge dieses kleine Wasserrad die Hoffnung darauf symbolisieren.

047 – Ein Glas-Untersetzer

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„Bau doch mal was Praktisches!“ verlangt mein Weib, der vielen abstrakten Experimente (nicht nur aus Platzgründen) etwas überdrüssig geworden. Gesagt getan – hier kommt was enorm Praktisches, mit dem man jeden Tag den Genuss regelmäßiger Baupausen begleiten und zu einem stilvollen Ereignis werden lassen kann. Doch täte man es, würde es dem Material sicher nicht gut tun. So ist’s ja oft bei LEGO: So robust der Kern, so anfällig die Oberfläche eines Elementes. Dennoch: zum Wohl! Und auf Ostern natürlich!

085 – Die Hama-Räder

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Etwa ein anderthalb Jahre, nachdem im Februar 1982 ein Aufstand der Muslimbrüder durch die syrische Armee niedergeschlagen worden war, besuchte ich als Mitglied einer Delegation aus Deutschland dieses Land und wurde von unseren syrischen Gesprächspartnern bisweilen gefragt, ob wir auch in Hama gewesen wären? Das waren wir aus gutem Grund nicht, denn die Altstadt war durch die Kämpfe schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, zudem war der Zugang für Ausländer natürlich gesperrt. Unsere Delegationsleiterin, die das unzerstörte Hama noch gekannt hatte, erzählte, wie sehr sie geweint habe, als sie sich bei einem heimlich organisierten Privatbesuch ein Bild von den Zerstörungen hatte machen können. – Das MOC symbolisiert die in Syrien durch Kriegseinwirkungen aller Art entstanden Zerstörungen und ist verbunden mit der Hoffnung, dass auch diese nicht ewig währen mögen, sondern durch einen Wiederaufbau eines Tages wenn schon nicht vergessen gemacht, so doch aber überwunden werden können.

094 – Die Sonne

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Wieder ein Rundgebilde, wenn auch in einem völlig anderen Stil. Und erstmals kommt die durchaus anstrengende und schwierig zu verbauende Farbe zu einer gewissen Geltung. Von der „strahlenden Struktur“ geht der Reiz aus, dass das Einzelteil verschwimmt und in einem großen Ganzen aufgeht. Buddhismus, ick hör dir trapsen!

099 – Ein Tunnelfragment

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Ums Verrecken nicht sind diese grauen mutierten Teile in eine symmetrische, systemgerechte Rundform zu bringen; es bleibt immer diese Lücke, auf der das Gebilde nunmehr steht. Dann wollen wir es da mal schön stehen lassen und nicht noch weiter ausbauen. Aber bissl träumen darf man ja, was möglich wäre, wenn das Ding die Kurve kriegte. So bleibt der Eindruck von etwas Halbfertigen, das sich nicht mal in einen Berg bohren kann beziehungsweise drunter hindurch …

113 – Herrn Jakobs Gespür für Rotationssymmetrie

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Es handelt sich um ein regelmäßiges Tridekagon, zu deutsch um ein Dreizehneck, was man nicht unbedingt wissen muss, aber das Netz ist erstaunlich allwissend und erspart uns das, was noch vor wenigen Jahren zu dieser Gelegenheit nun hätte erforderlich sein müssen: einen Gang in die örtliche Bibliothek, getrieben von der Hoffnung, man möge ein Nachschlagewerk finden, dem man diese Bezeichnung und überhaupt dieses Thema entlocken kann. All das juckt Herrn Jakob selbstredend nicht, es hat gut damit zu tun, da wieder rauszukommen. Nur Mut, nur Kraft, kleiner Herr!
Gebildet ist das Werk hauptsächlich aus 13 x 42607, die in der Tat eine regulär und stressfrei miteinander verbindbare Einheit bilden. Andere Teile mit angeschrägten Seiten aus dem Teile-Universum können das selbstredend längst nicht alle; oft genug bleiben ärgerlicherweise Lücken, die nicht zu schließen sind, will man den Steinen nicht Gewalt antun. Apropos Gewalt: 42607 verfügt über zwei weiße fest mit dem Element verbundene Technic-Pins, die man nur mit einer Zange hinausbekommt und dann nie wieder hinein, denn es liegt auf der Hand, das ein zarter Pin eine derart brutale Attacke nicht überlebt …

129 – Ein weißer Ring

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Schon wieder einer – oder nicht? In der „1x3 plus 1x1-Platten-Variante“ erzielt man engere Radien, wenn man runde 1x1-Platten bzw Steine einsetzt. Grob geschätzt kann man dadurch den Durchmesser in etwa halbieren. Grund für diesen Bau: Es hatte in der Wühlkiste, der diese Steine hauptsächlich entstammen, ausschließlich „linke“ 1x3-Flügel. Das bekannte Problem …

132 – Ein dunkelgrauer Armreifen

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Eine bekannte Bautechnik, frisch aufgebürstet mit eher ungewöhnlichen und relativ schwer einsetzbaren Teilen. Da sind noch Löcher in den Steinen, das heißt: da könnte noch was reinpassen. Mal sehen?

165 – Der Ring der Mason-Fünflinge

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Als wir uns das Unterprojekt mit dem Adventskranz überlegten, taten die fünf plötzlich sehr geheimnisvoll und verzogen sich ins Archiv. Nach einem Weilchen kamen sie mit diesem Ding an, von dem ich sicher geglaubt hatte, es nach dem Bau längst vergessen zu haben. Ganz richtig: die pinken 1x3-Platten haben so schwarze aufgedruckte Striche – sicher weiß jemand, wo diese Steine ursprünglich für gedacht waren? Wie auch immer: Die Idee mit dem pinken Kranz fürs Fest haben wir dann gemeinschaftlich verworfen.

193 – Zwei Nebensonnen

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Fremdteilhinweis: Der Gummiring um das rechte Objekt ist Nicht-LEGO.
Manche Objekte im Rahmen dieses Objektes haben ganz nüchtern deskriptive Titel, andere wiederum sozusagen poetische. Am Beispiel dieser „Zwei Nebensonnen“ hole ich gern mal etwas aus für die Erläuterung des Hintergrundes. Also: In Franz Schuberts „Winterreise“, die ich seit Jahrzehnten in einer CD-Version des Folkwang Gitarren Duos mit Scott Weir/Tenor besitze, kommt der Titel „Die Nebensonnen“ vor. Darin heißt es (in den Worten von Wilhelm Müller) „Im Dunkeln wird mir wohler sein“. Daran fühlte ich mich beim Bauen erinnert. Bei der Recherche für dieses Projekt fiel mir auch wieder das Booklet in die Hände, in dem sich, sozusagen als Intro, ein Gedicht Peter Härtlings auf Schubert findet: „Weil er zu vertraut war/wird er nun fremd … Er wußte, die Erde/kühlt aus.“


207 – Der blaugrüne Ring

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Während die anderen Ringe, die ich bisher so gebaut habe, außen mehr oder weniger „glatt“ gestaltet, also gut rollbar sind, verwöhnt dieses Gebilde mit einem haptischen Erlebnis ganz eigener Art: Man nimmt es zur Hand und erforscht die Struktur mit den Händen. Ganz faszinierend!

233 – Der Lila Ring

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Einen Ring zu bauen ist das Eine – ihn aber aufrecht hingestellt zu bekommen das Andere. Je nach Art der verwendeten Elemente versammelt jede Ringstruktur ein gewisses Eigengewicht, was in der Folge dazu führen kann, dass der Ring, wenn er steht, „durchhängt“. Das ist praktisch nur zu verhindern, wenn man möglichst kleine Elemente nimmt und wenn man eine möglichst geringe Dicke wählt, die aber dick genug ist, um den Ring in sich selber zu halten.

301 – Der Weiße Ring

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Er hat nichts zu tun oder soll nichts zu tun haben mit der bekannten Organisation, die sich seit Jahrzehnten für Verbrechensopfer einsetzt und die ich seit etlichen Jahren unterstütze. In diesem Format aber ist auch der Ring gebaut, den ich bisweilen auf Ausstellungen als kleine Einladung zum Mitspielen dabeihabe. Dabei laufe ich keinen Kindern hinterher, sondern bestenfalls der Tonne, wenn sich niemand von den großen und kleinen Passanten angesprochen fühlt, sie mir zurückzurollen. Wie so viele "Nummern" hat sich auch diese aus dem Spiel und aus der Beobachtung heraus entwickelt: Bei der Bricklive in Basel im Mai 2017 hatte ich die Tonne für das Projekt "Kopf in der Tonne" dabei. Einmal hatte ich vergessen, die Tonne auf "ihren Platz" als Turmabschluss eines der Elemente auf dem MoRaSt-Modul zurückzulegen, sie lag vor dem Tisch auf dem Teppich und war "zugänglich". Als ich wiederkam, fand ich zwei Jungs vor - schon in dem Alter, in dem Jungs beginnen, "cool" zu werden - und sah, wie sie sich das Ding einander zurollten: ganz ruhig und völlig fasziniert vom Farbenspiel und ganz gefangen in einer Beschäftigung, die nun simpler gar nicht sein kann. Das hat mich inspiriert, daraus dieses Feature zu machen; in die Hocke zu gehen und die Tonne kleinen Besuchern einer Ausstellung als "Einladung zum Mitspielen" zuzurollen. Das ist der einzige Moment, in dem ich aktiv werde, den Rest muss derjenige machen, der die Einladung annimmt - oder auch nicht, jedenfalls irgendwie "reagiert". Unerreicht in diesem Zusammenhang ist die Vierjährige in Zagreb, die knapp Anlauf nahm und die Tonne wie einen Fußball durch den Saal kickte, dass die Steine nur so spritzten :-) Im (für mich) "schlimmsten Fall" geht mein Angebot ins Leere, dann rollt die Tonne irgendwo unter einen Tisch, und dann muss ich eben hinterher.

336 – Der Eisblumen-Ring

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10884 hab ich als Grünzeug ja irgendwo noch verstanden, aber warum es von diesem Gestrüpp wohl eine Eisblumen-Version braucht? Egal. Beim Bau des Arkadenrings 315

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fiel mir auf, dass man die Wölbung dieser „Pflanze“ auch als Stütze einer Ringkonstruktion einsetzen kann. Das ist zwar ein Selbstzitat von der Sorte, wie ich es eigentlich gern vermeide, hier aber wuchs der Ring auf 72 1x2-Elemente pro Lage an, was es erlaubte, je 24 von den 10884 unterzubringen. Mit voller Bezeichnung heißen sie bei Bricklink übrigens „Plant Leaves 6 x 5 Swordleaf with Clip (thick open O clip)“. Wer welche in Eis brauchen sollte: PN genügt.


Mit Gruß und Dank
Zypper

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Über das Projekt 366 bei FlixBrix
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Zypper im SWR-Treffpunkt "Sammelleidenschaft" ab Minute 8.
Zypper bei flickr
Zyppers Werke in einer Diashow 1989-2020


Mitglieder, denen dieses MOC gefällt:

Ferdinand , 911er , mcjw-s , Ben® , Andor , Tilli (6 Mitglieder)

steinlegoliath
09.04.2021, 15:40

Als Antwort auf den Beitrag von Zypper

Re: Projekt 366: Räder, Ringe, Rundes

Hallöle,

da hatte jemand aber viele Überschussteile zu verbauen, gell?
Mir gefallen deine Ring-Konstruktionen.

Wenigstens eine fehlt noch: Diese
mit den wedge-plates 2x3 und 2x4 lassen sich ebenfalls optimale Ring bauen.

Gruß, Maurice


http://www.brickshelf.com...y.cgi?m=steinlegoliath


Zypper
09.04.2021, 16:12

Als Antwort auf den Beitrag von steinlegoliath

Wandertaube

Hi, Maurice,

steinlegoliath hat geschrieben:


da hatte jemand aber viele Überschussteile zu verbauen, gell?


Aber hallo! Oh-ne En-de. Das heißt: Wenn der Wandertaubeneffekt einsetzt, ist's manchmal selbst mit der schönsten Überschuss-Herrlichkeit schnell vorbei!

steinlegoliath hat geschrieben:

Mir gefallen deine Ring-Konstruktionen.


Danke! Dein Ring ist auch nicht ohne. Hatte ich selber schon so ähnlich auf dem Bautisch liegen, hab's aber nicht vollendet. Passt gut in diesen Thread, danke für's Dazustellen!

Weiterhin frohes Schaffen!


Mit Gruß und Dank
Zypper

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