Thomas52xxx
28.01.2021, 11:20

+3Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

Ich habe mich gefragt, woher der etwas verschwurbelte Begriff "Klemmbaustein" seine Herkunft hat.

Erster Anlaufpunkt war für mich Wikipedia. Hier gibt es dazu einen Artikel. Dieser wurde allerdings erst 2019 erstellt.

Benannt ist der Begriff auch durch Henrys Youtube-Kanal "Klemmbausteinlyrik". Das älteste Video dort stammt aus dem Jahre 2011.

Die weitere Suche nach Verwendungen vor 2011 führt vor allem zu Urteilen. Allem voran vom Bundesgerichtshof, der eine Pressemitteilung mit LEGO-Klemmbausteine betitelt hat.

Die weitere Suche nach noch älteren Beiträgen führt neben Seiten mit offensichtlich falschem Datum zu einem weiteren BGH-Urteil aus 1992, dass unser Lieblingsspielzeug wie folgt beschreibt:

Die Klägerin zu 1 ist Herstellerin des weltbekannten Konstruktionsspielzeugs der Marke "L.", das von der Klägerin zu 2 in der Bundesrepublik Deutschland vertrieben wird. Es besteht vornehmlich aus Kunststoff-Klemmbausteinen, die auf ihrer Oberseite zylindrische geschlossene Klemmnoppen aufweisen; die Unterseite ist so geformt, daß sich die einzelnen Steine miteinander verbauen lassen. Zum Spielzeugsortiment der Marke "L." gehören Bausätze z.B. für Figuren, Häuser und Eisenbahnen, die unter Verwendung von Klemmbausteinen und besonderen Elementen zusammengefügt werden müssen.

Mich freut es außerordentlich, dass die "weltbekannte Marke L." höchstrichterlich vor allem mit Häusern und Eisenbahnen in Verbindung gebracht wird. Ich hoffe, zur Markenpflege erwarten und weiter viele, schöne Produkte.

Kennt noch jemand weitere mindestens zehn Jahre alte Verwendungen dieses Begriffs?


Gruß
Thomas

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Micha2
30.01.2021, 23:36

Als Antwort auf den Beitrag von Micha2

Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

Micha2 hat geschrieben:

Und dann sind "Klemmbausteine" (total bescheuertes Wort, finde ich...man hört quasi den deutschen Amtsschimmel wiehern) nun mal Legosteine. Oder sogar "Legos", haha


Zufällig heute das Buch "Am Arsch vorbei führt auch ein Weg" gelesen...und siehe da... auf S. 132 findet man "die Sprache der Straße" :-)"

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ReplicaOfLife
31.01.2021, 11:36

Als Antwort auf den Beitrag von HanlonsRazor

+3Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

HanlonsRazor hat geschrieben:


Wir reden hier darüber dass "Lego in den letzten 50 Jahren verhindert hat dass Konkurrenz auf den Markt kommt". Ich gehe nicht davon aus dass Lego unliebsamen Mitbewerbern die Kniescheiben zertrümmert hat, sondern dass dieses Maßnahmen juristischer Natur waren. Und wenn sich jemand juristisch durchsetzt, folglich sein Recht einfordert und im Konfliktfall dann auch anerkannt bekommt, dann gehe ich nicht davon aus dass dies eine Schuldhafte Handlung im Sinne des Markenrechts ist.

Ich kenne nicht den gesamten Umfang der Maßnahmen, aber wir sind keine Bananenrepublik und haben eine unabhängige Justiz. Und es wurde auch gegen Plagiate vorgegangen, siehe Lepin. Hat Lego sein Markenrecht geschwächt als sie massiv gegen Lepin vorgegangen sind? Kann ich mir nicht vorstellen.

Noch mal: Plagiate/Lepin sind hier nicht das Thema.

Ansonsten argumentierst du gegen ein Strohmann-Argument, dass du selbst ins Spiel gebracht hast:

Thomas52xxx hat geschrieben:

Unseren Fall würde ich nicht als vollständig "unverschuldet" ansehen, wenn sie sich über mehr als 50 Jahre hinweg erfolgreich gegen jegliche kompatible Produkte wehren.

Das war Thomas Aussage. In der Diskussion geht es darum, dass Lego faktisch ein Gattungsbegriff ist, weil sie ihre Position lange juristisch erfolgreich verteidigt haben. Er hat nicht behauptet, dass deswegen irgendein Markenschutz verfallen solle. Der Schluss kam von dir selbst.

HanlonsRazor hat geschrieben:

2.)
Annahme: Lego verteidigt seit 50 Jahren seine Marktposition (auch) über das Patent und Markenrecht.
Erkenntnis: Die Klagen bezüglich der Marke sind allgemein bekannt. Da der Legostein ab 1958 patentiert war lief explizit dieses Patent noch bis 1978. Also definitiv einige Jahre innerhalb des betrachteten Zeitraums. Drei weitere Patente wurden ab 1969 eingereicht und erteilt.

Unbestritten, siehe oben. Das sind aber auch Geschichten von anno Tobak, die heute in der Sache nicht mehr interessieren - Sets mit Lego-kompatiblen Steinen können ja schon lange problemlos verkauft werden. Lego geht m.W. gegen reine Bausteinsets auch nicht mehr vor.

In der aktuellen Diskussion geht es darum, dass Lego versucht, Mitbewerber, die eigene Minifiguren in ihren Sets haben, vom Markt zu halten, weil diese angeblich der Lego-eigenen Minifigur zu ähnlich sähen. Juristisch entschieden ist da aktuell noch gar nix.

Das Patent auf die Minifigur ist schon lange abgelaufen. Von dem her sollten Herstellung und Verkauf also erlaubt sein. Soweit ich es verstehe, nutzt Lego hier eine 3D-Marke mit einem Bild ihrer eigenen Minifigur und argumentiert mit Markenrechtsverletzungen.
Allerdings ist m.W./m.M. keine der im aktuellen Fall (Steingemachtes) angemahnten Figuren eine 1 zu 1 Kopie der Lego Minifigur. Alle verfügen über abweichende Designelemente, haben auch eigene technische Lösungen, die man so bei Lego nicht findet. Teilweise übertreffen sie die Lego-Figur in puncto Funktionalität (sind beweglicher).
--> In Summe möchte Lego schlicht alle anderen Minifiguren verboten haben. Sie beanspruchen dabei meiner Meinung eine abstrakte Form, die grob dem menschlichen Körperbau nachempfunden und an das Klemmbausteinraster angepasst ist, für sich.

Und in der juristischen Auseinandersetzung wird der Aspekt des Gattungsbegriffs relevant:
Lego argumentiert, dass die anderen Minifiguren mit denen von Lego verwechselt werden könnten. Sprich, wenn man sie Passanten zeigt, würden die sagen, das sei eine Lego-Figur.
Würde nun richterlich festgestellt, dass "Lego" zum Gattungsbegriff geworden ist, fiele diese Argumentation in sich zusammen. Deswegen hat der Held der Steine diese Woche Post von Lego gekriegt. Lego möchte nicht, dass "Lego" als Gattungsbegriff für Klemmbausteine verwendet wird. Gleichzeitig nutzen sie aber die Tatsache, dass Klemmbausteine und die zugehörigen Figuren für die breite Bevölkerung eben "Lego" sind, unter dem Deckmantel des Markenrechts für sich aus.

Ob sie damit durchkommen, wird sich zeigen.


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Carrera124
31.01.2021, 14:57

Als Antwort auf den Beitrag von ReplicaOfLife

Editiert von
Carrera124
31.01.2021, 14:58

Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

Die Firma Lego verfolgt offensichtlich zwei Ziele, die aber zumindest teilweise im Widerspruch zueinander stehen.

Zum einen möchte man ganz offensichtlich kompatible Mitbewerber möglichst aus dem Markt drängen. Das ist an sich legitim, nur die Wahl der juristischen Mittel ist häufig fragwürdig.
Insgesamt ist aber trotzdem schon noch so, dass außerhalb der AFOL-Blase (oder meinetwegen auch AFOB-Blase) jegliche Kunststoff-Klemmbausteine als "Legos" bezeichnet werden. Und zwar piepegal, von welchem Hersteller die Teile wirklich sind. Was daran liegt, dass die meisten anderen Hersteller außerhalb der AFOX-Szene schlicht kaum bekannt sind.

Zum anderen scheint diese Vereinnahmung als Gattungsbezeichnung Lego aber wiederum nicht zu gefallen. Wenn man aber mit allen Mitteln versucht, die anderen Hersteller klein zu halten, dann darf man sich nicht wundern, wenn in der breiten Masse nur der eigene Markenname als Gattungsbezeichnung bekannt ist und dementsprechend im allgemeinen Sprachgebrauch auch als solcher verwendet wird.


Grüße an meinen Stalker


HanlonsRazor
31.01.2021, 16:23

Als Antwort auf den Beitrag von ReplicaOfLife

Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

ReplicaOfLife hat geschrieben:



Ansonsten argumentierst du gegen ein Strohmann-Argument, dass du selbst ins Spiel gebracht hast:

Thomas52xxx hat geschrieben:

Unseren Fall würde ich nicht als vollständig "unverschuldet" ansehen, wenn sie sich über mehr als 50 Jahre hinweg erfolgreich gegen jegliche kompatible Produkte wehren.

Das war Thomas Aussage. In der Diskussion geht es darum, dass Lego faktisch ein Gattungsbegriff ist, weil sie ihre Position lange juristisch erfolgreich verteidigt haben. Er hat nicht behauptet, dass deswegen irgendein Markenschutz verfallen solle. Der Schluss kam von dir selbst.


Zunächst: Das ist kein Strohmannargument, weil auch Plagiate Konkurrenzprodukte sein können, so man sich denn nicht gegen sie wehrt. Folglich ist der Kampf gegen Lepin ein Teil der von Lego ergriffenen Maßnahmen, die dazu geführt haben dass es keine Konkurrenzprodukte gibt. Hätten sie sich nicht gegen Lepin zur Wehr gesetzt wären deren lego-kompatiblen Sternenzerstörer ein Konkurrent auf dem Markt.

Darüber geht es um die Geschichte mit dem Gattungsbegriff, hier ist die Marke in Gefahr wenn der Markenname a) allgemein als Gattungsbegriff angesehen wird (was wenig beeinflussbar ist) und b) der Markeninhaber durch zutun oder unterlassen diesen Prozess begünstigt hat. Thomas sieht hier eine Teilschuld, weil Lego durch die Verteidigung der Marktposition die Etablierung von Alternativbezeichnungen erschwert hat, ich sehe darin keine Schuld, weil es sich hier um die Verteidigung der eigenen Rechte handelte.
Ob Thomas der Meinung ist dass der Markenschutz von Lego verfallen sollte kann ich nicht sagen. Der Umstand dass er eine Teilschuld bei Lego sieht ist unabhängig davon ob er Lego mag oder der Meinung ist dass die Lego-Marke gelöscht werden sollte. Wir sind hier alle erwachsen und können durchaus auch Sachverhalte zu bedenken geben die eigentlich nicht zu unserer Linie passen.

HanlonsRazor hat geschrieben:

2.)
Annahme: Lego verteidigt seit 50 Jahren seine Marktposition (auch) über das Patent und Markenrecht.
Erkenntnis: Die Klagen bezüglich der Marke sind allgemein bekannt. Da der Legostein ab 1958 patentiert war lief explizit dieses Patent noch bis 1978. Also definitiv einige Jahre innerhalb des betrachteten Zeitraums. Drei weitere Patente wurden ab 1969 eingereicht und erteilt.

Unbestritten, siehe oben. Das sind aber auch Geschichten von anno Tobak, die heute in der Sache nicht mehr interessieren - Sets mit Lego-kompatiblen Steinen können ja schon lange problemlos verkauft werden. Lego geht m.W. gegen reine Bausteinsets auch nicht mehr vor.


Wenn von "den letzten 50 Jahren" gesprochen wird, dann sind diese Geschichten von Anno Tobak durchaus relevant. Wenn Sie Dich nicht interessieren ist das eine Sache, aber angesprochen wurden die letzten 50 Jahre und dann betrachte ich auch den Zeitraum der letzten 50 Jahre. Auch wenn sich der Kern der Auseinandersetzungen mittlerweile verlagert haben mag.

In der aktuellen Diskussion geht es darum, dass Lego versucht, Mitbewerber, die eigene Minifiguren in ihren Sets haben, vom Markt zu halten, weil diese angeblich der Lego-eigenen Minifigur zu ähnlich sähen. Juristisch entschieden ist da aktuell noch gar nix.

Das Patent auf die Minifigur ist schon lange abgelaufen. Von dem her sollten Herstellung und Verkauf also erlaubt sein. Soweit ich es verstehe, nutzt Lego hier eine 3D-Marke mit einem Bild ihrer eigenen Minifigur und argumentiert mit Markenrechtsverletzungen.
Allerdings ist m.W./m.M. keine der im aktuellen Fall (Steingemachtes) angemahnten Figuren eine 1 zu 1 Kopie der Lego Minifigur. Alle verfügen über abweichende Designelemente, haben auch eigene technische Lösungen, die man so bei Lego nicht findet. Teilweise übertreffen sie die Lego-Figur in puncto Funktionalität (sind beweglicher).
--> In Summe möchte Lego schlicht alle anderen Minifiguren verboten haben. Sie beanspruchen dabei meiner Meinung eine abstrakte Form, die grob dem menschlichen Körperbau nachempfunden und an das Klemmbausteinraster angepasst ist, für sich.

Und in der juristischen Auseinandersetzung wird der Aspekt des Gattungsbegriffs relevant:
Lego argumentiert, dass die anderen Minifiguren mit denen von Lego verwechselt werden könnten. Sprich, wenn man sie Passanten zeigt, würden die sagen, das sei eine Lego-Figur.
Würde nun richterlich festgestellt, dass "Lego" zum Gattungsbegriff geworden ist, fiele diese Argumentation in sich zusammen. Deswegen hat der Held der Steine diese Woche Post von Lego gekriegt. Lego möchte nicht, dass "Lego" als Gattungsbegriff für Klemmbausteine verwendet wird. Gleichzeitig nutzen sie aber die Tatsache, dass Klemmbausteine und die zugehörigen Figuren für die breite Bevölkerung eben "Lego" sind, unter dem Deckmantel des Markenrechts für sich aus.

Ob sie damit durchkommen, wird sich zeigen.


Ich gebe Dir Recht, einiges würde ich anders bewerten, aber im Großen und Ganzen sehe ich es genauso wie Du: Lego wehrt sich juristisch und wenn Lego Recht bekommt, dann haben Sie vor dem Gesetz Recht, egal ob Du oder ich denken dass das Unfug ist. Und ich bezweifle dass eine juristisch einwandfreie Verteidigung der eigenen Rechte als schuldhaften Versäumnis beim Schützen der eigenen Marke ausgelegt werden kann. Auch wenn erfolgreiche Klagen dazu führen dass Lego weiterhin in der breiten Bevölkerung als einzig existenter Hersteller von Klemmbausteinen gesehen wird.

Man kann es für unanständig halten dass Lego alles versucht um seine Marktposition zu schützen, solange sie sich aber auf der Grundlage unserer Gesetzgebung bewegen ist das erstmal in Ordnung. Umgekehrt nutzen auch Konkurrenten den gegebenen Spielraum aus. Salopp gesagt: Juristerei ist eine beschissene Sache, aber am Ende des Tages funktioniert die Welt mit ihr besser als ohne sie



Thomas52xxx
31.01.2021, 17:37

Als Antwort auf den Beitrag von HanlonsRazor

Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

HanlonsRazor hat geschrieben:

Ob Thomas der Meinung ist dass der Markenschutz von Lego verfallen sollte kann ich nicht sagen. Der Umstand dass er eine Teilschuld bei Lego sieht ist unabhängig davon ob er Lego mag oder der Meinung ist dass die Lego-Marke gelöscht werden sollte. Wir sind hier alle erwachsen und können durchaus auch Sachverhalte zu bedenken geben die eigentlich nicht zu unserer Linie passen.

Nein, ich sehe keinen Teilschuld. Wenn Du oben noch mal nachliest habe ich mich auf einen Linkhinweis von Turez bezogen. Dort schreibt ein Rechtsanwalt:
Der Markeninhaber ist einem Verlust seines Markenrechts nicht hilflos ausgeliefert, wenn sich seine Marke - meist unverschuldet - zur Gattungsbezeichnung entwickelt.

und ich führe dazu aus:
Thomas52xxx hat geschrieben:
Unseren Fall würde ich nicht als vollständig "unverschuldet" ansehen, wenn sie sich über mehr als 50 Jahre hinweg erfolgreich gegen jegliche kompatible Produkte wehren.

Ich sehe durchaus eine Mitwirkung von Lego darin, dass sich kein Gattungsbegriff für deren Produkt gebildet hat. Denn es gab über 50 Jahre lang kein ähnliches Produkt eines anderen Herstellers auf dem Markt. Haartrocker, Papiertaschentücher oder Winkelschleifer gibt es von vielen Herstellern. Eine Schuld in juristischen Sinne sehe ich darin jedoch nicht, denn die Alleinstellung ist auf Basis der jeweils gültigen Gesetze und von auf Basis von Gerichtsurteilen (meist sogar höherer oder höchster Instanzen) erfolgt.

Eigentlich dreht sich die Fragestellung hier ursprünglich darum, woher der Begriff "Klemmbaustein" herkommt (ist inzwischen geklärt) und ob dieser oder ein anderer Begriff ein halbwegs bekannter Gattungsbegriff ist. Ob das für Lego, ganz unabhängig von den aktuellen Auseinandersetzungen um Minifiguren und die Nutzung von "Legos" als Gattungsbegriff durch eine einzelne Person, Konsequenzen hat vermag ich nicht zu beurteilen. In der Praxis scheinen Marken, die als Gattungsbegriff genutzt werden jedoch nur äußerst selten gelöscht zu werden.

Spannend fand ich die Frage von ReplicaOfLife, in der die Argumentationen in der Auseinandersetzung mit Panke (Gattungsbegriff) und Klahold (Minifigur) zusammengeführt werden:

ReplicaOfLife hat geschrieben:
Und in der juristischen Auseinandersetzung wird der Aspekt des Gattungsbegriffs relevant:
Lego argumentiert, dass die anderen Minifiguren mit denen von Lego verwechselt werden könnten. Sprich, wenn man sie Passanten zeigt, würden die sagen, das sei eine Lego-Figur.
Würde nun richterlich festgestellt, dass "Lego" zum Gattungsbegriff geworden ist, fiele diese Argumentation in sich zusammen. Deswegen hat der Held der Steine diese Woche Post von Lego gekriegt. Lego möchte nicht, dass "Lego" als Gattungsbegriff für Klemmbausteine verwendet wird. Gleichzeitig nutzen sie aber die Tatsache, dass Klemmbausteine und die zugehörigen Figuren für die breite Bevölkerung eben "Lego" sind, unter dem Deckmantel des Markenrechts für sich aus.

Oder einfach gesagt: Wenn in einer Straßenumfrage alle Klemmbausteine, unabhängig vom Hersteller, sehr überwiegend als "Legos" benannt werden, braucht man nicht überrascht sein, wenn auch alle ungefähr 42mm großen Figuren als "Lego-Minifiguren" bezeichnet werden.

BTW: Was würden die Befragten wohl zu einer Jack-Stone-Figur, einem Technic-Männchen oder einer Scala-Puppe sagen? Auch wenn es für den Ausgang unerheblich wäre.


Gruß
Thomas

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HanlonsRazor
31.01.2021, 18:20

Als Antwort auf den Beitrag von Thomas52xxx

Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

Moin moin,

vielleicht reden wir hier aneinander vorbei, aber ich habe aus "nicht vollständig unverschuldet" abgeleitet dass Du eine Teilschuld siehst. Wer nicht unverschuldet in eine Situation gerät trägt für mich eine Teilschuld. Textkommunikation ist gelegentlich missverständlich sein, magst Du das noch einmal ganz konkret klarstellen? Nicht dass wir hier wegen einem Missverständnis oder etwas Wortklauberei unsere Freizeit aneinander aufreiben



Thomas52xxx
31.01.2021, 20:12

Als Antwort auf den Beitrag von HanlonsRazor

Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

HanlonsRazor hat geschrieben:

magst Du das noch einmal ganz konkret klarstellen? Nicht dass wir hier wegen einem Missverständnis oder etwas Wortklauberei unsere Freizeit aneinander aufreiben

Ein letzter Versuch, auch wenn es eigentlich recht egal ist, was wir dazu denken. Entscheidend ist das, was passiert.

Statt meines nicht als vollständig "unverschuldet" wäre vielleicht ein "durch die Umstände begünstigt" klarer gewesen. Da habe ich mich wohl durch die Formulierung in Turez Link zur Aufnahme des so missverständlichen Begriffs verleiten lassen.


Gruß
Thomas

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HanlonsRazor
31.01.2021, 20:40

Als Antwort auf den Beitrag von Thomas52xxx

Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

Ich sehe hier nur einen Austausch unter Zuschauern, es wäre ziemlich gruselig wenn einer von uns das entscheiden müsste/dürfte

Danke für die Klarstellung, in diesem Fall haben wir dann tatsächlich aneinander vorbeigeredet. Das von Dir beschriebene Problem ist das Dilemma jedes Monopolisten/Quasimonopolisten und da stimme ich Dir zu



ThickAsABrick
02.02.2021, 02:44

Als Antwort auf den Beitrag von Thomas52xxx

+2Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

Mal meine 2 Cent (also etwa einen Viertel-LEGO®-Stein) zum Thema:

Hätte LEGO® nicht in den letzten Jahren hinsichtlich Attraktivitat der Sets stark nachgelassen und zum Ausgleich die Preise kräftig angezogen, wären mir Alternativen bis heute gar nicht bekannt. Bei BB scheiterte es letztlich an fehlenden gedruckten Anleitungen, sonst hätte ich mir tatsächlich im Sommer mal ein Mittelalter-Gebäude zum Antesten bestellt - ein PDF auf kleinem Display ist da kein Ersatz, und ca. 350 Seiten drucke ich nicht auf einem Tintenpisser aus. Und ich starre schon genug in irgendwelche Displays, das Bausteineklemmen soll ja explizit mal Abwechslung davon sein.

In Sachen Selbstgerechtigkeit sind sowohl LEGO® als auch BB für mich nicht unbedingt Sympathieträger... aber wer noch einen VW fährt, der werfe den ersten Klemmbaustein!



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Henriette
02.02.2021, 16:57

Als Antwort auf den Beitrag von Thomas52xxx

Re: Herkunft der Gattungsbezeichnung "Klemmbaustein"

Hi,

Falk hat geschrieben:

In der DDR hießen LEGO und alle ähnlichen Produkte "Steckbausteine". Ist aber sicherlich nur ein simpler regionaler Unterschied im Sprachgebrauch.

Das mit dem "simplen regionalem Unterschied" lasse ich mal dahin gestellt sein; die späten 50ger als Geburtsstunde z.B. von PeBe mögen zur späteren strikten Beibehaltung des Begriffes Steckbaustein geführt haben. Im Westen musste gleichzeitig eine grundsätzlich andere elterliche Entscheidung getroffen werden "Lego oder Playmo?". Das war eine System-Entscheidung, die den Sprachgebrauch entsprechend beeinflusst hat.

In der Tat ist interessant, die tatsächliche Darstellung und das tatsächliche Dasein der ...-Steine anzuschauen; hier ein Text aus dem Buch von Karin Gossmann "Mach mehr aus Lego" Herder Verlag 1973 (unter Mitwirkung der Lego Gmbh, Hohenweststadt geschaffen):

[image]



In "Das Legobuch" Lego Group 2010 heißt es "Die Lego Elemente sind Teil eines Universalstecksystems und miteinander kompatibel;..."

Vom Ankerbaustein über den Steckbaustein zum Klemmbaustein, weil weder die Ankersteine noch die frühen Steckbausteine lange und gut aufeinander gehalten haben. Viele hier kennen die immer feinere Entwicklung der Klemm-Technik im Inneren der Lego-Steine von den Anfängen bis heute aus eigener Ansicht - ich sehe hier zum einen die auf physischen Gegebenheiten beruhende, also historisch berechtigte Veränderung der Bezeichnung.

Thomas52xxx hat geschrieben:
Ich glaube ja, dass der Begriff "Klemmbaustein" im normalen Sprachgebrauch vor 2011 überhaupt nicht vorgekommen ist. Niemand, von ein paar Juristen abgesehen, hat scheinbar dieses Wort benutzt.

Ich denke auch, dass in dem Moment, wo jeder einen mit dem Lego-System compatiblen Stein nachbauen durfte, also ab 2010, zum zweiten ein Oberbegriff gefunden werden musste. Und da waren die Zeiten des wackeligen aufeinander Steckens schon lange vorbei.

Darüber hinaus darf man natürlich zum dritten all die Baukünstler nicht vergessen, die alles andere als "Steine aufeinander stecken" als Ausgangspunkt ihrer Kreationen denken (auch wenn sie da irgendwie durch müssen )!!!

lg Henriette
P.S. In Jonnys World wird "die Geburt des Klemmbausteins" mit dem Einfügen der Röhren 1958 gleichgesetzt; das ist für mich dann doch eine stark rückwärtige Sprachverwendung.



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