Mylenium
03.06.2020, 20:14

Als Antwort auf den Beitrag von Technix

Re: Christo ist tot.

Technix hat geschrieben:

Fängt bei der Künstlerkrankenkasse an.


In die Künstlersozialkasse zahlen unter anderem auch Moderatoren, Tänzer, Artisten, Clowns, Alleinunterhalter, Tontechniker, Beleuchter, DJs, diverse Medienschaffende aus dem audiovisuellen Bereich usw. ein bzw. deren Auftraggeber/ Arbeitgeber über die entsprechenden Pflichtabgaben. Das ist kein brauchbarer Maßstab für die Definition des Kunstbegriffs.

Technix hat geschrieben:
Hm, also, mal ganz ehrlich, wie auch sonst, mag die Masse ja der Ansicht sein, daß zB Rembrandt ein Künstler war und seine Werke deshalb Kunst, oder doch eher Kulturgut, sind.


Ich stimme dir insofern zu, dass manchmal zu viel Wind darum gemacht wird. Ah-bär: Context matters! Nach damaligem Maßstab war Rembrandt natürlich primär nur ein Auftragsmaler, wie auch viele andere Zeitgenossen. Genauso waren Mozart, Bach, Vivaldi, Händel etc. vielleicht nur das, was heute einem durchschnittlichen Radiogedudel-Komponisten entspricht. Dennoch muss man bereits hier anerkennen, dass selbst zu Lebzeiten diese Leute schon eine herausgehobene Stellung hatten und man vom heutigen Standpunkt aus sagen muss, dass sie Leistungen vollbracht haben, die eben vor ihnen niemand auch nur gedacht hat, seien es nun Maltechniken, die Auswahl der Motive oder selsbt so Dinge wie die Erfindung neuer Farbmischungen. Darüber definiert sich für mich Kunst.

Und damit kommen wir zum Punkt: Auch Christo & Jeanne-Claude haben Dinge gemacht, an die vorher nie jemand gedacht hat. Und selbst dein Anspruch ist erfüllt: Ich könnt mir stundenlang allein die Skizzen ansehen und dabei sinnliche Erlebnisse haben. Das ist einfach genial, wie weit die ins Detail gedacht haben und natürlich waren, sind und werden die Kunstwerke (Pariser Triumphbogen 2021) auch erfühlbar, begehbar und auf andere Weise sinnlich erfassbar sein.

Bitte nicht falsch verstehen: Auch ich bin gegen Kunst, bei der man mir erst einreden muss, dass es eben solche ist oder Kommerz„kunst“, deren Wert sich über den Verkaufspreis oder die mediengerechte Eigenpräsentation des künstlers definiert, aber bei Christo & J-C kann man das wirklich nicht unterstellen. Die haben jahrzentelang still vor sich hingewerkelt, die Kunst durch den Verkauf von Projektanteilen, Skizzen und anderem eigenfinanziert und dann dazu im Gegensatz zu manch anderen ihre Werke Millionen von Menschen kostenlos zugänglich gemacht, wenngleich oft nur prinzipbedingt für kurze Zeit. Zumindest das sollte man respektieren und würdigen, egal, welchen Kunstbegriff man für sich selsbt definiert.

Mylenium


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