Zypper
17.10.2019, 11:20

+615 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Moin moin zusammen,

heute vor 15 Jahren postete ich, noch unter meinem Familiennamen als „Nick“, meinen ersten Beitrag in diesem Forum: Es ging um Ersatzbirnen für die kleinen Leuchten aus dem Eisenbahn-Umfeld. Den Bau, um den es dabei ging, habe ich bis heute nicht gezeigt; dieses Versäumnis möchte ich hiermit nachholen:

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In der Bildunterschrift muss es natürlich "2004" heißen, sorry

Zu sehen ist die Verkleidung des Fensters meines Zimmers in unserer damaligen Berliner Wohnung in der Sparrstraße, die wir im Sommer 2004 bezogen hatten. Heute unvorstellbar, zahlten wir damals für eine 4-Zimmer-(Bruch-)Bude sagenhafte 136 Euro kalt, hatten dafür aber keine Zentralheizung und kein fließend Warmwasser im Bad. Da hieß es, Kohlen schleppen und eine Art Menschenwaschmaschine als Dusche aufzustellen …

Gedacht war der Bau, wie gesagt, anstelle eines wie auch immer gearteten Vorhangsystems. Es galt, einen Kompromiss zwischen Verdunklung und Beleuchtung zu finden, daher die Frage nach den Ersatzbirnen. Ich hatte zwar einige dieser Leuchten in meinem Bestand (und habe sie heute noch), aber einige davon waren (und sind bis heute) leider entzwei.

Geantwortet hatte damals der ausgewiesene Eisenbahn-Experte Heiner Berg, der nun auch schon wieder seit einigen Jahren nicht mehr unter uns weilt, leider.

Bis zum folgenden Beitrag verging fast ein Jahr, bis zum darauffolgenden wiederum fast fünf. Da es mir nicht gefiel, auf Ausstellungen bei meinem „Nick“ gerufen zu werden – es erinnerte mich zu sehr an meine Zeit am Elmshorner Bismarck-Gymnasium, an dem die Kinder vom Lehrkörper mit dem Familiennamen angesprochen und aufgerufen zu werden pflegten (was die Kinder untereinander natürlich übernahmen) – ließ ich den Account im Februar 2011 auslaufen und setzte meine Mitgliedschaft unter meinem jetzigen Nick fort. Da ich immer wieder nach dem Ursprung dafür gefragt werden, erzähle ich hier noch einmal gern: Ein „Zypper“ war für meinen Bruder (*1961) und mich nichts anderes als ein gewöhnlicher 2x2-Stein. Ich weiß nicht, wer von uns drauf gekommen ist, aber irgendwann hießen die Dinger bei uns eben so. Und bei der Suche nach einem geeigneten Nick fiel mir dieser Name aus meiner Kindheit ein. Dazu passt an dieser Stelle vom tschechischen Dichter Jan Skácel eines der Gedichte, die ich bei Gelegenheit - und wenn ich von den Veranstaltern darum gebeten werde - auch wartenden Kindern in der Schlange vor einer Ausstellung vortrage:

kindheit ist das was irgendwann
gewesen ist und aus dem traum nun hängt
ein faden fesselrest den man
zersprengen kann und nie
zersprengt


(Beim Zeilenumbruch bin ich nicht sicher, da ich aus dem Gedächtnis zitiere und weder nachschlagen kann (ein Großteil meiner Bibliothek ist in wiederholten Umzugswirren verloren gegangen) noch im Internet Hilfe finde; dafür ist das Gedicht „zu jung“, denn sein Übersetzer, Reiner Kunze, Jahrgang 1935, lebt (zum Glück) noch. )

Also ist mein Nick mein persönlicher „Faden Fesselrest“ sozusagen ...

Aus Anlass dieses Jubiläums sowie geschmeichelt von der freiwilligen Anteilnahme, der meinem Beitrag vom letzten Samstag in diesem Forum entgegengebracht wurde (es gab mehr Aufrufe als für alle meine in den letzten Monaten vorgestellten MOCs zusammengenommen und so viele auf einmal wie seit dem „Nelly-Sachs-Projekt“ vor über zwei Jahren nicht mehr) möchte ich nun ein neues Projekt vorstellen, das sich noch ganz in seiner Anfangsphase befindet. Denn um die vielen Beiträge inhaltlich zu würdigen und mit meinen Werturteilen zu versehen, fehlt mir jede moralische Legitimation. Ich kann nur einen künstlerischen Umgang damit zu finden versuchen; dafür maße ich mir die entsprechende Kompetenz an.

Kunst* nämlich, um das hier mal ganz grundsätzlich auszuführen und den Hintergrund zu erläutern, vor dem ich schaffe und der speziell diesem neuen Werk zugrunde liegt, Kunst gilt für mich als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse und eröffnet die Möglichkeit, sich teils provokant, teils subversiv mit Tabuthemen wie Ausgrenzung, Vorurteilen und festgefahrenen Rollenbildern zu beschäftigen. Ein weiteres Leitthema sind existenzielle Fragen des menschlichen Lebens, denn unser aller Dasein wird bestimmt durch verschiedene Ereignisse: von der Geburt bis zum Tod durchleben wir Momente der Freude, der Trauer, des Werdens und Vergehens. Dabei stützt sich jeder Mensch auf ein Wertesystem, das ihm Schutz bietet und Ordnung verspricht. Ob Religion oder Aufklärung, ob Kunst oder Anarchie, letztlich müssen wir uns alle selbst fragen: Woran glauben wir? Was gibt uns Halt? Fasst man beispielsweise Kunst als Liturgie auf, dann reagiert das Publikum auf den quasi „heiligen“ Charakter der verwendeten Symbole – und zumindest für den Moment ist damit etwas erreicht.

Als Material verwende ich die Postings, die bis zu einem Stichtag unter meinem Beitrag vom letzten Samstag von den verschiedenen Mitgliedern dieses Forums von diesen selber gepostet, damit öffentlich gemacht und also praktisch aus der Hand gegeben wurden. Das „veröffentlichte Wort“ bietet die Möglichkeit, in einen neuen Zusammenhang gestellt zu werden, der wiederum als Hintergrund für eine intensive Befragung des verwendeten Materials dienen kann. Isolation, Abschottung und der Ausschluss des Einzelnen werfen nämlich jede Menge Fragen auf nach sozialen Mustern und gesellschaftspolitischen Machtstrukturen. Wo verlaufen die Grenzen und wer bestimmt diese? Wer darf sie übertreten, wer nicht? Wie gehen wir miteinander um? Inwiefern kann unser Verhalten Vorbild sein?

Zu diesem Zweck wird das Material sorgfältig untersucht und ausgewählt. Die Auswahl der Zitate wird vereinzelt, im Schriftbild vergrößert und mit dem Namen des Autors, der Autorin versehen auf einheitlich große Pappschilder gezogen. Diese werden auf der Fläche vor meinem Ausstellungsstand auf dem Boden befestigt und laden so als „partizipatives Kunstwerk“ das Publikum zum Mitmachen ein. „Mitmachenkönnen“ ist ein ganz wichtiger Aspekt meiner Arbeit, denn durch die Begehbarkeit dieser Bodenskulptur schafft das Publikum einen ganz eigenen Zugang zum Inhalt in einer ganz eigenen Choreographie, die beobachtbar ist und ggf aufgezeichnet und wiederum weiterverwendet werden kann.

Das ist zunächst einmal in groben Zügen zumindest der Umriss, in dem das Werk unter dem Arbeitstitel. „Adult Fans Of LEGO – unadulterated“ entwickelt wird. Auf deutsch gesagt trifft‘s der Begriff „unverfälscht“ wohl am ehesten, aber nur im englischen Begriff klingt eine gewisse „Nicht-Entwicklung“, wenn nicht gar "Rückentwicklung" an. Das wirft neue Fragen auf, die sich schon wesentlich näher in der täglichen Erfahrungswelt erwachsener LEGO-Fans bewegen, die sich in öffentlichen Foren äußern: Welchen Einfluss hat die langanhaltende Beschäftigung mit „kindischem“ Material wie den bunten Systembausteinen auf den Reifegrad eines „adulten Fans“? Welche Auswirkungen haben sie auf sein soziales Verhalten? Welche Wege und Mittel der Kommunikation wählt er bzw sie?

Präsentiert werden soll das wie gesagt noch gar nicht vollständig ausformulierte Werk bei einer der nächsten Ausstellungen im deutschsprachigen Raum; terminlich mag ich mich noch nicht festlegen, vorstellbar ist aber ein Zeitrahmen ab dem Sommer 2020.

Es bleibt also auch nach 15 Jahren noch spannend!

Danke für die Aufmerksamkeit!
Frohen Gruß
Andreas


*Quelle: verschiedene Wandtexte in der Hamburger Kunsthalle im Oktober 2019


"Be the change you want to see in the world..."
#desmondisamazing

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Dirk1313
17.10.2019, 19:50

Als Antwort auf den Beitrag von Zypper

Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Ich widerspreche jeder Nutzung meiner urheberrechtlich erstellten Texte durch Andreas Reikowski, auch bekannt unter dem Synonym „Zypper“.
Jegliche Nutzung bedarf meiner ausdrücklichen Genehmigung.


Viele Grüße
Dirk - Mail

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Planung 2020: Skaerbaek Fanweekend, SteinCHEnwelt


LegoUlmer
17.10.2019, 21:22

Als Antwort auf den Beitrag von Dirk1313

+1Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Da berichtet ein Forenmitglied von Ärger auf einer Ausstellung, darauf hin kommt eine ganze Reihe an Usern daher und beleidigt/beschimpft dieses Forenmitglied ziemlich heftig und in meinen Augen auch ehrverletzend.

Und diese üblen Postings sollen jetzt urheberrechtlich Geschütztes sein? Wow bzw. lol. Ich bin kein Jurist, würde es aber an Zyppers Stelle darauf ankommen lassen.

Gruß in die Runde.



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Plastik
17.10.2019, 21:57

Als Antwort auf den Beitrag von LegoUlmer

+1Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Hallo,

mir ist völlig schleierhaft, wie Du auf "eine ganze Reihe von Usern" kommst, die Zypper "beleidigt", "beschimpft" und "ehrverletzend behandelt" haben sollen. Bitte benenne die entsprechenden Stellen, um Deine Meinung zu begründen.

Gruß Plastik


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riepichiep
18.10.2019, 07:41

Als Antwort auf den Beitrag von LegoUlmer

+1Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

LegoUlmer hat geschrieben:

Und diese üblen Postings sollen jetzt urheberrechtlich Geschütztes sein? Wow bzw. lol. Ich bin kein Jurist, würde es aber an Zyppers Stelle darauf ankommen lassen.


Wichtig ist die Schöpfungshöhe eines Postings, und nicht, ob es "übel" ist.



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Matze2903
18.10.2019, 18:46

Als Antwort auf den Beitrag von LegoUlmer

Editiert von
Matze2903
18.10.2019, 19:13

+1Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Lerne Zypper erstmal richtig kennen. Dann würdest du vieles in anderem Licht sehen.

Und dann fällt mir nur noch der Refrain eines Liedes von Freundeskreis ein:

"Wenn der Vorhang fällt, sieh hinter die Kulissen
Die Bösen sind oft gut und die Guten sind gerissen
Geblendet vom Szenario erkennt man nicht
Die wahren Dramen spielen nicht im Rampenlicht
Wenn der Vorhang fällt, sieh hinter die Kulissen
Die Bösen sind oft gut und die Guten sind gerissen
Geblendet vom Szenario erkennt man nicht
Die wahren Dramen spielen nicht im Rampenlicht."


Wunderbar getroffen, danke Max.


AFOL aus Überzeugung, M®RaStafari, weil es Spaß macht.

LEGO® Stein ist kein Überbegriff für Klemmbausteine - L® steht einzig und alleine für LEGO®


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jpsonics
19.10.2019, 20:49

Als Antwort auf den Beitrag von riepichiep

+1Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

@Zypper: Glückwunsch zum Jubiläum.

riepichiep hat geschrieben:

Wichtig ist die Schöpfungshöhe eines Postings
Und genau die darf man vermutlich in ~99,9% aller Posts anzweifeln.



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Thekla
19.10.2019, 23:27

Als Antwort auf den Beitrag von jpsonics

Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Moin,

ist „Schöpfungshöhe“ irgendwann, rechtlich haltbar, definiert worden?

Gruß
Thekla


9. Berliner SteineWAHN!


Plastik
20.10.2019, 09:27

Als Antwort auf den Beitrag von Zypper

+1Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Guten Morgen,

ich fände es ja zugleich sehr amüsant, bezeichnend und bedenklich, wenn sich Menschen, die sich für ihr eigenes Tun auf die Kunstfreiheit berufen, für die Sperrung der Beiträge anderer einsetzen würden.

Gruß André


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jörg1680
20.10.2019, 13:16

Als Antwort auf den Beitrag von Thekla

+4Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Hallo Thekla,

nein, so etwas wird immer eine Einzelfallentscheidung sein.

Sich bei den Forumsbeiträgen auf das Urheberrecht zu beziehen halte ich aber für Abwegig.

Wie ich aber schon schrieb, geht es in dem diskutierten Fall im Wesentlichen um Persönlichkeitsrechte.


Liebe Grüße
Jörg



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siegen
21.10.2019, 13:50

Als Antwort auf den Beitrag von Zypper

Editiert von
siegen
21.10.2019, 13:53

Re: 15 Jahre bei 1000steine.de – Jubiläum und Projektvorstellung

Hiermit untersage ich Herrn Andreas Reikowski alias "Zypper", von mir gepostete Texte zu kopieren (digiatl oder analog) und in irgendeiner Art und Weise zu nutzen.


Bibliotheksmensch und (L)egoist


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