Schibulski
17.04.2013, 20:55

+20Der AFOL an sich...

Hallo,
Ich habe mich immer gefragt: Was macht einen AFOL aus, wie sieht er eigentlich aus und was treibt ihn…

*Ironie-Modus an*

Der gemeine AFOL ist meist männlich, oft etwas zu klein für sein Gewicht und hat erst ungefähr in der Zeit der Wiedervereinigung entdeckt, dass es auch Körperpflegeartikel gibt. Ebenso ist ihm nie gezeigt oder erklärt worden, dass es auch andere Farben für Socken außer Weiß gibt. Dasselbe gilt für seine ausgelatschten Jesus-Gesundheitsschlappen, wobei die etwas längeren Fußnägel gerne die Umwelt begrüßen wollen… Ob ihn eine Mütze, Glatze oder lange Haare schmücken ist von Bundesland und sozialer Kaste unterschiedlich und auch egal, denn er hat immer diesen eigenartigen starren Blick in Richtung Kisten mit rotem Logo, ist dann nicht ansprechbar und wenn, dann schallt die Antwort wie ein tiefes Brummen an das Zuhörerohr, welches sich anhört, als wenn Feldhasen kopulieren.

Egal ob im Supermarkt, Einkaufszentrum oder dem Spielzeugladen des Vertrauens – der Blick schweift immer nach den bunten Steinen seines Verlangens. Nun muss man zugeben, die Zeiten von den beliebten „Wühlkisten“ auf Paletten oder dem uneingeschränktem Lagerverkauf oder dem ABS-Goldrausch der frühen Kindertage der 70er und 80er im Kilobereich einer beliebten Internetplattform sind leider vorbei oder finden nur hinter vorgehaltener Hand von wohlgedienten Mitgliedern von angesiedelten Vereinen statt. Das gibt immer ein mächtiges Hallo unter den Gleichgesinnten ABS-Freunden. Aber manchmal sind Gleiche eben immer etwas gleicher als Gleich. Oder eben nur länger dabei. Selbst schuld – zu spät geboren!

Trotzdem kann der allgemeine AFOL seine Sammlung an bunten Steinen auch über Portale im Internet und Treffen oder Fabrikverkäufen ständig erweitern. Die jeweiligen Unterschiede der erwachsenen Freunde von gespritztem Plastik aus dem Norden möchte ich gerne aus meiner Sicht noch mal darlegen und weitergeben.

Es gibt den „Sammler-AFOL“, der dadurch besticht, das er sämtliche Sets ab der Nummer Drölf von Anno irgendwas vor der Kreuzigung nur durch einen kurzen Blick auf das Packungs-Bild zuordnen kann. Dieser hat auch manchmal hunderte von ein und demselben Set im Keller – natürlich MISB und in jahrelanger Sisyphus-Arbeit über Portale, Treffen und leergeräumte Lagerhallen in Dänemark zusammengetragen. Er baut nie MOCs selber und wenn, dann mal in einer dunklen Ecke auf Fantreffen das neueste Set. Oder er sortiert die neuen Steine, Anleitungen dort und genießt dann stillschweigend das allgemeine Getümmel während der 3-Tage ABS-Halli Galli in einer Messe- oder Turnhalle im deutschen Sprachraum. Er ernährt sich hauptsächlich von biologisch einwandfreien Gesundheitsplörren und Nudeln, die gerne früher in und aus blauen Plastikboxen hübsch gekocht und dekoriert verabreicht wurden, also Tupperware für AFOLs eben. Er bewohnt meist dachgeschössige Behausungen und absolviert in unregelmäßigen Abständen sein 23tes Semester in tibetanischer Theologie oder usbekischer Volksökonomie und bemächtigt sich hervorragend der deutschen oder angelsächsischen Grammatik in allen Lebenslagen.

Wiederum ein anderer Typ in dieser ABS-Kaste ist der „Klebefinger-AFOL“. Kein Stein, kein Set, keine Wühlkiste ist vor ihm sicher. Ebenso wenig der dazugehörige Verkäufer, der ihm dann nach Abschluss des Geschäfts mit blutenden Ohren und leeren Taschen gegenüber steht. Wie eine Zecke beißt sich der Klebefinger fest und saugt solange, bis auch die letzte Ecke der Kiste durchwühlt, der letzte Cent heraus gefeilscht und das letzte Set beim Rabattverkauf unterm Arm klemmt. Es gibt auch dort kein Dankeschön oder geschweige denn eine Art von Mitarbeit im Rahmen der Möglichkeiten eines Vereins oder Gemeinschaft. Der Hubschrauber aus der Kinderstube steht immer noch Zuhause und die sonstigen sozialen Kontakte gehen tendenziell gen Null. Sein ganzes Haus, abgesehen von dem Zimmer mit der eigenen 80jährigen Mutter, die noch zur Pflege und monetären Unterstützung des Hobbys in den eigenen Räumen beherbergt ist, ist mit Regalen und zig Kisten unbekannter ABS-Herkunft vollgeräumt. Die Milliarden Steine werden auch dann nicht von einem Humanoiden zu etwas sinnvollem zusammengesetzt worden sein, wenn sich Sonne und Mond berühren. Aber Hauptsache der eigene Hintern sitzt auf einem Vermögen von ABS aus Dänemark. Auch wenn das Oberstübchen keine potentielle Motorik entwickelt hat, um die Austellerkollegen mit eigenen MOCs zu entlasten.

Auch der folgende Kandidat der Plastikfreunde ist vertreten – Der gemeine „Aussteller-AFOL“. Dieser Kamerad oder auch Kameradin, welches eher selten vorkommt, es sei denn man hat sich auf einer Veranstaltung kennen- und später zwischen einem Haufen ABS lieben gelernt, besticht durch seine natürlich künstlerische Gabe, durch seine zarten Finger, meist durch bürolastige Berufe genetisch bedingt, sämtliche Steine so mannigfaltig anzuordnen, das ein Gegenstand oder Objekt des weltweiten täglichen Lebens in verschiedenen Größen und Farben entsteht. Entweder einmal im Jahr oder aus Mangel an Partnerin/Partner in undefinerten wöchentlichen Zyklen.
Er scheut sich nicht auch in geografisch entlegenste Gegenden zu reisen und dort am Gelingen des Treffens aktiv mitzuwirken. Ein bewährtes und gern gesehenes Mitglied der Gemeinschaft eben. Nicht ganz so kommunikativ und auch kein Party-Mensch nach 19.00Uhr auf ABS-Veranstaltungen. Und dann auch nur, wenn der Begattungspartner nicht anwesend ist.

Der „Party-AFOL“ ist natürlich ab 19.00Uhr und auch während der 3 Tage anwesend. Die Kaffeemaschine dabei, das Bier im VW-Bus oder einem vergleichbaren großräumigen PKW neben der Matratze verstaut und die Zigaretten im 500er Sammelpack bereitliegend. Durch seine humorvolle und trinkfeste Art bereichert dieser Zeitgenosse oder Genössin die Zeit während des Aufbaus, die Standzeit während des Besucherandranges und auch meist das nervige Abbauen am Ende des Wochenendes. Er hat eine Auswahl von kleinen Handtellergroßen Modellen dabei, die in 5 Minuten aus- und wieder eingepackt werden können. Ein friedlicher AFOL, der auch alles Weibliche anbaggert, was nicht bei 3 auf dem Baum ist und derjenige, der auch meist brav und freundlich den Ausstellern mit weit mehr Aufwand zur Hand geht, wenn er nicht grad ein kühles Blondes mit Gleichgesinnten zu leeren versucht.


Der „Mitleser-AFOL“ ist hauptsächlich nur im Internet mit fantasievollen Nicknames und geisterbahntauglichen Profilbildfotos geschmückt zu entdecken. Auch diese Kandidaten der Plastik-Gilde haben manchmal reichlich ABS im Schrank und Regal. Weil ihnen meist die Steine und auch das Talent ausgehen, verschwenden Sie daher ihre wertvolle Freizeit mit dem Lesen von eben jenen elektronischen Depeschen wie dieser hier.
Nach dem Studium der Zeilen erfolgt eine entsprechende Antwort in mehr oder weniger zivilisierter Ansprache, Satzzeichensetzung und germanischer Buchstabenreihenfolge und daraus entwickeln sich oft hitzige Diskussionen, die darin enden, das derjenige Geschasste das Forums-Handtuch wirft, eine zeitlang in die ABS-tinenz entfleucht und dann doch wieder durch eine kurze devote Bekundung wieder im Kreise der Plastik-Freunde aufgenommen wird. Jedoch hat irgendjemand immer irgendwo das Elefantengedächtnis und kramt jedes Mal einen ähnlichen Vorfall zu Zeiten der Verabschiedung des Grundgesetzes hervor. Eine gewisse Beratungsresistenz dieser Mitmenschen ist irgendwie gegeben.

Andere AFOL-Ab- und Unterarten sind bewusst verschwiegen worden oder eben schon bekannt. Eine zunehmende mediale Präsenz der Steineliebhaber und „Moccer“ ist ebenso zu verzeichnen. Der Kundenkreis wird jedes Mal durch eine Veröffentlichung sonstwo erweitert und wird sicherlich gerne in den Führungsetagen des Granulat-Spritzguss-Maschinen-Weltmeisters in Dänemark gesehen. Es muss ja nicht immer die eigene Idee sein. Hauptsache es passt ins gerade angesagte und finanziell lohnende Thema im Steck-System.

Ein internationales Merkmal eines jeden Plastik-Junkies ist jedoch ist der gemeinsame Hang und Drang zu den bunten Klötzen aus Billund. Jeder macht das nach seiner Fasson und seinem Kredo. Doch ob sich jemals Alle lieb haben werden sei dahingestellt und ist wohl auch nicht in jedermanns Sinne. Ansonsten würden wir alle z.B. Lada Niva fahren, Milchreis mit Melone essen und alle den FC Holzbein aus Nimmerland gut finden. Gott sei dank ist Dem manchmal nicht so…

Wenn Sie noch andere AFOL-Arten kennen, dann bin ich einer erneuten Aufklärung nicht abgeneigt…

Weiterhin fröhliche Geschäfte, gutes Gelingen beim Moccen, geistreiche und humane Postings und immer den richtigen Stein im Regal…

Schibulski - Ein Playmobil-Freund… :-)

P.S. *Modus aus* und: Die RächtSchraipfehla kannsde pehalltn…



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Heather
17.04.2013, 22:30

Als Antwort auf den Beitrag von freakwave

+1Re: Der AFOL an sich...

hehe, wer hat sich denn da einen neuen Nick besorgt!

Das wüsste ich auch zu gern!
Ob ich je erfahren werde, ob es einer der mir verdächtig erscheinenden LLL ist?

Danke, Schibulski, für Deine Zeit und Mühe, die uns diesen kreativen und erhellenden Beitrag beschert hat!

Gruß und Glückauf,
Heather



legodesinger gefällt das


Schibulski
17.04.2013, 22:32

Als Antwort auf den Beitrag von freakwave

Re: Der AFOL an sich...

Hallo,

Nein, nicht Neu, nur mit Perwoll gewaschen...

Danke für die Ergänzung, kommt mit ins Klassenbuch!
Setzen - Eins!

Danke & LG



Schibulski
17.04.2013, 22:35

Als Antwort auf den Beitrag von Heather

Re: Der AFOL an sich...

Hallo Heather,

Ich glaube nicht, das sich die Zeit der Suche lohnt...

Ich habe es gerne geschrieben!
Gern geschehen...

LG



toterBaron
18.04.2013, 00:12
@Schibulski

Re: Der AFOL an sich...

doch doch.der allgemeine TFOL fehlt noch.

grüße
Wolf


Das Leben ist wie Zeichnen Nur ohne Radiergummi

[image]


MTM
18.04.2013, 00:26

Als Antwort auf den Beitrag von Schibulski

Re: Der AFOL an sich...

hm... ich weiß nicht.
Ich komme darin gar nicht vor.
Ist das jetzt gut oder schlecht?
Da finde ich die Chronik des Sortierens passender.

MTM


LEN Leipzig: Folgt uns bei Instagram: https://www.instagram.com...eisenbahn_modulanlage/


celticdragon
18.04.2013, 00:30

Als Antwort auf den Beitrag von toterBaron

Re: Der AFOL an sich...

Guten Morgen,

doch doch.der allgemeine TFOL fehlt noch.


der TFOL ist aber kein AFOL, sonst wäre er kein TFOL mehr. Allerdings hat er verhältnismäßig gute Chancen, ein AFOL zu werden - kommt Zeit, kommt A.

Mit erwachsenen(?) Grüßen

Oliver


Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt werden; wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen.


Schibulski
18.04.2013, 03:30

Als Antwort auf den Beitrag von MTM

Re: Der AFOL an sich...

" hmm.. ich weiß nicht!
Ich habe kein Foto von Mir mit Trecker drauf.
Ist wohl gut so oder nicht?
Da finde ich die Chronik des Sortierens, die ich schon gelesen habe, als so mancher Trecker-Enthusiast noch mit der Trommel um den Baum gelaufen ist, immer noch gut.

Gesundheit...

Ich bin auch normal groß, hab mich nicht in 2x4, sondern täglich in althellgrau aufwiegen lassen!"

:-)



Rosendorn
18.04.2013, 07:54

Als Antwort auf den Beitrag von Schibulski

Re: Der AFOL an sich...

Brixe
18.04.2013, 09:10

Als Antwort auf den Beitrag von freakwave

+1Re: Der AFOL an sich...

Hi Gerald,

hehe, wer hat sich denn da einen neuen Nick besorgt!


Jemand, der Probleme mit "dass" und "das" hat. ;)

Es gibt den „Sammler-AFOL“, der dadurch besticht, das er sämtliche Sets...

...sämtliche Steine so mannigfaltig anzuordnen, das ein Gegenstand oder Objekt des weltweiten täglichen Lebens in verschiedenen Größen und Farben entsteht.

...hitzige Diskussionen, die darin enden, das derjenige Geschasste das Forums-Handtuch wirft...

Ich glaube nicht, das sich die Zeit der Suche lohnt...


Liebe Grüße,
Marion



legodesinger gefällt das


doe
18.04.2013, 09:29

Als Antwort auf den Beitrag von Schibulski

+2Re: Der AFOL an sich...

Wundervoll!

Lieber Schibulski, warum spielen wir hier eigentlich noch mit bunten Plastikklötzchen? Die Art wie Du hier filigran Buchstaben aneinander reihst und zu so kreativen Gebilden aufbaust, lässt mich leicht vergessen warum ich eigentlich jetzt genau hier bin! Der Wechsel von der einen Sucht zur Nächsten sollte kein grosses Problem darstellen, da der Griff in die Tastatur eine ABSolut ebenbürtige Haptik zu vermitteln weiss. Bei näherer Betrachtung eröffnen sich gar weitere Vorteile: die Anzahl der Buchstaben zur Erstellung von MOCs ist alleine auf die Lebensdauer der Tastatur oder dessen Benutzers reduziert. Ausländische MOCs wie zB aus Japan könnten weiterhin mit einer detailreichen und ästhetischen Vielfalt bezaubern und trotzdem den westliche Betrachter über ihren Sinn zweifeln lassen. Auch das Akronym AFOL liesse sich weiterhin verwenden, wenn auch mit leicht geänderter Bedeutung (Autokorrektur Fan oder Legasthenie - beide Arten sind ja bereits mehrfach vertreten). Die Dänische Firma könnte ihre Wandlung von der Schreinerei, über "Granulat-Spritzguss-Maschinen-Weltmeister" zur kreativen Wortschmiede vollziehen und uns weiterhin mit fertigen Elementen beliefern (merke: Worte mit einer Länge von über 25 Buchstaben werden im allgemeinen auch BURP genannt!). GROSSBUCHSTABEN ersetzen vollwertig DUPLO und werden fortan nicht mehr als anschreien gewertet, sondern als kindliche Bemühungen sich in die Gemeinschaft einzubringen. Und nebenbei kann sich jeder mit Hilfe der Shift-Taste soviel Prozente gewähren, wie er oder sie es für angemessen hält.

Und so ganz nebenbei habe ich schon wieder ein MOC rausgehau'n! So, und jetzt zeigt mir Eure Tastaturen! Ich will Bilder sehen!

[image]



Oder Wahlweise MOCs, wie die sagenhafte Kreation des Herrn Schibulski (falls es sich hier um Frau Schibulski handeln sollte (ich kann das auf dem Photo nicht 100% ausmachen), dann bitte ich um Verzeihung und rate dringen zur baldigen Eheschließung mit anschließender Namensübernahme des Gatten).



Turez , BRICKMASTER2010 gefällt das


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