Zypper
24.10.2016, 21:02

Editiert von
Zypper
24.10.2016, 21:06

+79x9 auf Neugrau Zeig dein Gesicht

Im Rahmen des Familientages anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Stuttgarter Stadtbibliothek hatte ich unter der Flagge des gemeinnützigen LEGO-Vereins "Schwabenstein 2x4 e.V." die einmalige Gelegenheit, mein Projekt "9x9 auf Neugrau Zeig dein Gesicht" im Herzraum des Gebäudes zu präsentieren:

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Auf einer Fläche von 10x10 neugrauen 48er-Grundplatten liegen an den Kreuzungspunkten 9x9 weiße 6x6-Platten, auf denen 81 "gesichtslose" schlichte Minifigs befestigt sind. (Im Hintergrund der "Große Weiße Murmelturm", der zuletzt auf Langeoog zu sehen war.)

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An den Rändern befinden sich 1x2 Glow-in-the-Dark-Fliesen.

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Im Detailblick wird die Magie erlebbar, die von der scheinbar seriellen Präsentation ausgeht.

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Einer Magie, der sich zahlreiche Besucher nicht zu entziehen vermochten. Der Entwurf geht zurück auf Arbeiten des amerikanischen Künstlers Carl Andre, der bedauerlicherweise einer direkten Kopie eines seiner Werke nicht zustimmen mochte. So war ich genötigt, die Grundidee weiterzuentwickeln und eine eigene Note zu finden. Ob mir das gelungen ist, möge das Publikum entscheiden.

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Am Tag des Abbaus kam es zu jedenfalls zu weiteren erfrischenden Diskussionen mit interessiertem Fachpublikum.

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Mit herzlichem Dank an die Möglichmacherinnen der Stadtbiblothek!

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Frohen Gruß
Andreas


"Du willst bei Fachgenossen gelten?
Das ist verlorne Liebesmüh!
Was dir missglückt, verzeihn sie selten.
Was dir gelingt, verzeihen sie n i e !"

(Oskar Blumenthal, 1909)

"Wer mich nicht mag, der muss halt noch ein bisschen an sich arbeiten."
Unbek. Verf.


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jjinspace
25.10.2016, 10:29

Als Antwort auf den Beitrag von IngoAlthoefer

Re: Zeig dein Gesicht

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IngoAlthoefer hat geschrieben:

Wer mit dem Kunstobjekt nichts anfangen kann (oder will), sollte zumindest versuchen, aus der Fotografiertechnik von Andreas das eine oder andere abzugucken.

Eben. Das zweite Foto ist doch der Hammer!
Eigentlich könnte Andreas mit dieser Arbeit auch auf die nächste Documenta gehen, wa?


J. J. in Space
8. Berliner SteineWAHN!

Sei du selbst, andere gibt es schon.


Zypper
25.10.2016, 15:16

Als Antwort auf den Beitrag von IngoAlthoefer

Editiert von
Zypper
25.10.2016, 15:19

Re: Zeig dein Gesicht

Hallo zusammen,

Andreas sollte sich nicht zu schade sein, darauf zu antworten.


Bin ich ja auch nicht, im Gegenteil. Doch ebenso, wie ein Autor gut beraten ist, seinen Text für sich stehen und sprechen zu lassen, möchte ich hier weniger zu meinem Werk selber sagen, sondern doch noch etwas über die Umstände der Entstehung der Idee und über die Ausführung des Projektes nachschieben.

Zum Werk gehört eine Performance, d.h. eine barfüßige Begehung des Objektes durch mich mit anschließender Rezitation des Gedichtes "Enigma - Rätsel. Aus der Zeit der Ariosi" von Ingeborg Bachmann und der daran anschließenden Einladung, sich ebenfalls ohne Schuh und Strümpfe der Erfahrung eines Spaziergangs auf der großen grauen Noppenfläche auszusetzen. Der Bezug zur berühmten (und von mir sehr verrehrten) österreichischen Autorin (1926-1973) ergibt sich aus dem neunzigsten Geburtstag, den Besagte heuer gefeiert hätte und aus dem gastgebenden Haus, das ihre Werke selbstverständlich zugänglich hält.

Es gab insgesamt zwei Durchgänge; für den zweiten nach Verleihung der Preise wurde das Licht im Herzraum so weit wie möglich gelöscht, und die Performance fand - von meiner Tochter Yolanda (11) musikalisch auf der Blockflöte begleitet - im Dunkeln statt. Ich hatte zunächst mit einer starken Taschenleuchte die Glow-in-The-Dark-Steine zum Glühen gebracht, die sowohl an den Murmeltürmen als auch wie gesagt am Rand des zentralen Objektes angebracht waren bzw sind. Bei völliger Dunkelheit wäre der Effekt sicher noch größer gewesen, jedoch waren Sicherheitsauflagen zu beachten; im Übrigen war der zweite Durchgang von sehr viel mehr Publikum beobachtet als beim ersten Mal. Obwohl natürlich in Details immer verbessert und am Auftritt geschliffen werden kann, bin ich insgesamt mit der Resonanz sehr zufrieden: Das Werk hat Aufmerksamkeit erzeugt. Es erschien sozusagen aus dem Nichts, war ein paar Tage "da" und verschwand dann wieder. Nur diese paar Fotos zeugen davon, dass "es" stattgefunden hat. Genau darauf kommt es mir ja an, denn Kunst soll mMn nichts bedeuten, sondern sein. Das, was der Einzelne drin sieht: Das soll es sein. Nichts anderes. Mir ist bewusst, dass ich mich mit dieser Öffnung zum Dialog angreifbar und vereinnahmbar mache, aber ebenso ist mir bewusst, dass ich das eben aushalten oder auf die öffentliche Präsentation meiner Vorstellungen von einem gelungenen MOC künftig eben verzichten muss.

Zur Entstehung: Als ich im Mai einen Ausflug ins schweizerische Dornach zu Martin n3t3nb unternahm, besuchten wir auch den Neubau des Kunstmuseums Basel. Dort war ein begehbares Bodenkunstwerk des schon erwähnten Carl Andre ausgestellt, und ich hatte spontan Lust, einen "Nachbau" eines seiner Werke in LEGO zu versuchen. Ich fand das insofern legitim, als dass "Bauen nach einem Vorbild" unter AFOL zu den anerkannten Disziplinen gehört, mit seinem LEGO etwas zustande zu bringen. So entschied ich mich für 10 x10 Altstadt Lead Square von 1967 und fragte beim Museum an, ob man mit einer Kopie in LEGO einverstanden wäre. In dem sehr freundlichen, grundsätzlich positiven Antwortmail verwies man mich jedoch an die VG Wort, um die endgültige Zustimmung zu erringen, doch die VG Wort musste erst über ihr amerikanischen Pendant beim Künstler persönlich nachfragen (Andre ist 81 Jahre alt und seit Jahren im Ruhestand). Von dort kam dann zu meiner Enttäuschung die erwähnte Absage.

Wissen muss man noch, dass mir zu diesem Zeitpunkt im Sommer bereits bekannt war, dass wir mit dem Verein im Oktober im Rahmen des Familientages in der Stadtbibliothek für das Rahmenprogramm zuständig sein sollten: Teil des Programms sollte auch eine „kleine“ LEGO Ausstellung werden. Elektrisiert von der Vorstellung, den über vier Stockwerke in die Höhe sich erstreckenden und „völlig leeren“ Herzraum bespielen zu können, hatte ich spontan die Idee, mein bereits auf der Mitgliederversammlung bei Bricking Bavaria vorgestelltes Projekt „Open White“ zu präsentieren. Auch dies wäre lediglich der Nachbau eines Unternehmens gewesen, das schon vor Jahren ein gewisser Ratz unter dem Titel "offener raum" hier auf TS veröffentlicht hatte. Da es mir bis heute nicht gelungen ist, Kontakt zu diesem AFOL aufzunehmen, hätte ich das Risiko eingehen müssen, ohne seine Zustimmung bei ihm abzukupfern. Da wäre mir aber gar nicht wohl bei gewesen! Zugegeben: Ich hätte natürlich ausschließlich weiße Steine in die durchsichtigen Kästen gefüllt und einen schwarzen Teppich genommen, der das Format 4x4 Meter hätte haben sollen. Doch durch den regen Steinverbrauch, der mit dem Bau der beiden Murmeltürme einherging, hatte ich im Sommer keine Steine in einer Zahl zur Verfügung, mit der ich „Open White“ hätte verwirklichen können. Im Übrigen ist der Frage, ob ich eine genügend große Schöpfungshöhe hätte für mich beanspruchen können, um das Werk als etwas „Eigenes“ zu reklamieren.

Die Enttäuschung wegen der Absage währte in der Tat nicht lange, und schon bald hatte ich eine Lösung gefunden, die ich dann auch wie besehen umgesetzt habe. Beim Aufbau letzten Freitag ist mir zudem bewusst geworden, in welche Schwierigkeiten ich geraten wäre, wenn ich die 100 Platten so nebeneinander hätte legen wollen, dass die Noppen auch über die Plattenkanten hinaus bebaubar geblieben wären. Es muss ja immer so eine hauchdünne Ritze freibleiben, damit’s passt, und ohne die weißen 6x6-Platten hätte ich mit Lasermessgerät und Teppichkleber arbeiten müssen, um die Platten auf Linie zu legen. Hinzu kommt noch: Als ich mit dem Aufbau gerade fertig war, fiel mit auf, dass ich die Abdeckung des Brunnens, der ansonsten im Herzraum der alleinige Hauptdarsteller ist, anzubringen vergessen hatte. Aber ich konnte das Kunstwerk zum Glück in einem Stück ein paar Meter zur Seite schieben, um die Abdeckung anzubringen. Das war zwar ein Akt sondergleichen, weil das Werk über 30 Kilogramm wiegt, aber er hat sich gelohnt, denn nun konnte ich gefahrlos auf den Platten herumstolzieren, ohne in der Mitte "einzubrechen" und nasse Füße zu kriegen :-)

Als ich mir also Gedanken machen musste, wie ich die Fläche also gestalten wollte, um sie von Carl Andres Werk unterscheidbar zu machen sowie um eine genügend große Schöpfungshöhe zu erreichen, fiel mir wieder ein Beitrag ein, der vor ein paar Jahren bei Klonblog zu sehen war. So entstand also aus verschiedenen Quellen und zu unterschiedlichen Zeiten dieses Werk, dessen Titel auf das anspielt, was ich ursprünglich hatte machen wollen. Und nun möchte ich vom geneigten Publikum wissen, inwiefern mir das gelungen ist – wenn überhaupt, und was natürlich.

Gruß und Dank für die Aufmerksamkeit!
A


"Du willst bei Fachgenossen gelten?
Das ist verlorne Liebesmüh!
Was dir missglückt, verzeihn sie selten.
Was dir gelingt, verzeihen sie n i e !"

(Oskar Blumenthal, 1909)

"Wer mich nicht mag, der muss halt noch ein bisschen an sich arbeiten."
Unbek. Verf.


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Zypper bei flickr

Mitglied im famosen Orden der verhaltensauffällig Kreativen.


sylverdragon
25.10.2016, 18:25

Als Antwort auf den Beitrag von mkolb

Re: 9x9 auf Neugrau Zeig dein Gesicht

mkolb hat geschrieben:

kannste mal einem "Kunstbanausen" wie mir das erklären ?
Ich sehe da nur ganz kleine Figuren auf einer großen Fläche auf dem Boden.

Die Kunst liegt im Auge des Betrachters oder auch nicht.
Die einen sehen: "Nur ganz kleine Figuren auf einer großen Fläche auf dem Boden.", Andere eine begehbare Installation mit Licht und Ton.

Die Frage sollte nicht sein, "Was ist es?", sondern, "Was sehe ich?" und "Gefällt es mir?". Eine rein subjektive Einschätzung.



friccius
25.10.2016, 19:17

Als Antwort auf den Beitrag von Eisbär

Re: 9x9 auf Neugrau Zeig dein Gesicht

Hej Isbjørn!
Eisbär hat geschrieben:

Die hiesige Bücherei hat längst nich so viel Platz....

Hätte schon. Müßtest nur mal dein Lego wegräumen.
Vie leG rüße
Andreas


Wer LEGO® verfälscht oder nachmacht, oder verfälschtes oder nachgemachtes LEGO® in Umlauf bringt, wird mit MegaBloks nicht unter fünf Jahren bestraft.

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mkolb
25.10.2016, 21:03

Als Antwort auf den Beitrag von Zypper

Re: Zeig dein Gesicht

Hallo Andreas,
Danke für die ausführliche Infos, auch wenn Du mich damit noch nicht so recht erleuchten konntest.

Tschau
Martin



meine Anlagen im Internet:
http://www.martin-kolb.de/bricks
https://www.flickr.com/photos/129377871@N08/albums


mkolb
25.10.2016, 21:07

Als Antwort auf den Beitrag von sylverdragon

Re: 9x9 auf Neugrau Zeig dein Gesicht

sylverdragon hat geschrieben:

Die Frage sollte nicht sein, "Was ist es?", sondern, "Was sehe ich?" und "Gefällt es mir?". Eine rein subjektive Einschätzung.


So sehen es die Einen, ich hinterfrage erstmal was da ist. Ich habe schon div. Deutungen für mich gemacht und total daneben gelegen. Ich bin kein Kunstkenner. Sehe ich ein Bild mit einer Landschaft, dann gefällt mir das. Sehe ich nur Farbkleckse, frage ich mich was das soll.
Manchmal ist man vom Großen Ganzen erschlagen, daß man die Details nicht sieht. Daher spreche ich gerne mit jemandem und lasse mir div. Sachen zeigen (mache ich auch so auf den Ausstellungen, wenn es möglich ist).

Tschau
Martin



meine Anlagen im Internet:
http://www.martin-kolb.de/bricks
https://www.flickr.com/photos/129377871@N08/albums


IngoAlthoefer
26.10.2016, 14:53

Als Antwort auf den Beitrag von jjinspace

Re: 9x9 auf Neugrau Zeig dein Gesicht

Lieber Jürgen,

jjinspace hat geschrieben:

... Es zeigt auf wunderbare Weise die Isolation des Individuums
in der heutigen Gesellschaft, die zaghaften Versuche, Kontakt aufzunehmen
in einer sinnentleerten ... bla ... sich nicht selbst zu verleugnen … blub

da scheint mir der mit Kunst überabgefüllte Berliner zu sprechen.

Ingo.


Mein MoC ist fertig, wenn ich
nichts mehr wegnehmen mag.


IngoAlthoefer
26.10.2016, 15:15

Als Antwort auf den Beitrag von mkolb

Re: 9x9 auf Neugrau Zeig dein Gesicht

Hallo Martin,

mkolb hat geschrieben:

... ich hinterfrage erstmal was da ist.

das finde ich sehr gut. Durch Deinen Beitrag ist ja die
ganze Diskussion ins Rollen gekommen.

Ich habe schon div. Deutungen für mich gemacht und total
daneben gelegen.

Tanke mehr Selbstbewusstsein! Beim Betrachten und Interpretieren von
Kunst gibt es kein mathematisches oder technisches "richtig" und "falsch".

Sehe ich ein Bild mit einer Landschaft, dann gefällt mir das.

Wirklich? Dann wärest Du arg einfach gestrickt.
Natürlich gibt es Landschaftsbilder, die gefallen - aber doch
längst nicht alle.

Sehe ich nur Farbkleckse, frage ich mich was das soll.

Völlig ok. Aber schön aussehen kann es doch, auch wenn Du es nicht verstehst.
Manchmal sehe ich ein Farbensemble, und schwupp meldet sich
das Großhirn: "Wunderbar. Mach jetzt bitte einen guten Rotwein
dazu auf."

... Daher spreche ich gerne mit jemandem und lasse mir div. Sachen
zeigen (mache ich auch so auf den Ausstellungen, wenn es möglich ist).

Genau richtig. Vor allem bist Du damit schon so viel weiter als die, die
einfach nur den Kopf schütteln.

******************************************************************
Was hältst Du von folgender wahren Geschichte?

Frank Stella ist einer der bekanntesten lebenden Künstler
aus den USA. Der Uni Jena hat er vor gut 20 Jahren ein paar
Skulpturen aus seiner "HudsonRiver"-Serie vermacht. Das folgende
Teil (erstes Foto auf der Wiki-Seite) stand direkt fünf Meter unter meinem Bürofenster:

[image]


https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Stella

Mich hat es - gerade an düsteren Tagen - belastet. Mathe kann
ich am besten in einer Umgebung mit angenehmen Farben und Motiven machen.

Als im März 2011 das schlimme Reaktorunglück in der Provinz Fukushima
passierte, konnte ich die Stella-schen Skulpturen plötzlich einordnen:

[image]


und im Zusammenhang hier:
http://www.althofer.de/je...kushima-chernobyl.html

Darauf bekam ich guanz vermischtes Feedback: Manches Lob, aber auch Kritik.

Als Frank Stella 2012/2013 mal wieder in Jena war, hat ein Kleingeist mich
verpetzt: "Dr. Stella, do you know that some person here from Jena is obusing
your fantastic art objects on his website?"

Stella schaute sich "meine Ausstellung" an und meinte dann, er fände
es toll, wenn sich Leute mit seiner Kunst auseinandersetzten und dadurch
zu etwas eigenem inspiriert würden.

Stella hatte nur (auch) an die Umweltverschmutzung des Hudson Rivers gedacht,
als er die Schrottskulpturen erstellte.

Ingo.


Mein MoC ist fertig, wenn ich
nichts mehr wegnehmen mag.


Eisbär
26.10.2016, 15:25

Als Antwort auf den Beitrag von IngoAlthoefer

Re: 9x9 auf Neugrau Zeig dein Gesicht

Liebär Ingo!

Mathe kann
ich am besten in einer Umgebung mit angenehmen Farben und Motiven machen.


Endlich weiß ich, woran es in der Schule gelegen hat!

Aber ich fürchte, jetzt nützten auch angenehme Motive und Farben nix.

Hast Du auch so Farbwerte?

Gelb ist 6. Blau ist 3, Dunkelviolett ist immer ungerade, Altrosa ist die Eulerzahl?

Vanilljene Grüße
M.a



IngoAlthoefer
26.10.2016, 15:33

Als Antwort auf den Beitrag von Zypper

Re: Zeig dein Gesicht

Lieber Andreas,

danke für die ganzen Hintergrund-Informationen.

Zypper hat geschrieben:

Zum Werk gehört eine Performance, d.h. eine barfüßige
Begehung des Objektes durch mich mit anschließender Rezitation ...

Da musste ich zuerst an "aua" denken und dann an die Unterschiede
zwischen der Wahrnehmung vom Barfuss-Gehen auf Duplo-Platten, LEGO-Platten
und Modulex-Platten (wovon ich knapp 20 grosse habe).

... Ingeborg Bachmann ...

Leider war ich noch nicht reif genug, als wir Geschichten
von ihr in der Schule (11. Klasse) zu lesen hatten...

... insgesamt mit der Resonanz sehr zufrieden: Das Werk hat Aufmerksamkeit
erzeugt. Es erschien sozusagen aus dem Nichts, war ein paar Tage "da" und
verschwand dann wieder. Nur diese paar Fotos zeugen davon, dass "es"
stattgefunden hat. Genau darauf kommt es mir ja an, denn Kunst soll mMn
nichts bedeuten, sondern sein.

Mein allererster Gedankenblitz war eine Erinnerung an Nachmittage als
Jugendlicher im Freibad. Da gab es ein grosses Freiluftschach (mit 4m x 4m
Grundfläche). Speziell ein Bademeister hat sich - wohl aus Bequemlichkeit - immer
geweigert, die Figuren aus dem Schuppen zu holen.

Da haben wir eines Tages "normale" (kleine) Schachfiguren mitgebracht und mit
denen auf dem riesigen Brett gespielt. Das erregte Aufsehen war enorm; viele
Schaulustige standen um das Brett herum. Irgendwann stand auch der Bademeister
mit in der zweiten Reihe und schaute uns fragend an. Mein Kurzkommentar: "Wir
wissen uns zu helfen!" Ab dem Tag hat er die grossen Figuren "immer" herausgestellt.

Das, was der Einzelne drin sieht: Das soll es sein. Nichts anderes.

Genau.

Als mir die grosse Höhe des Ausstellungs-Raumes bewusst wurde, musste
ich an eine Foucaultsche Pendeluhr denken: Man könnte unten an strategischen
Stellen insgesamt 12 Minifiguren aufstellen und oben an der Hallendecke ein
schweres Pendel aufhängen und starten. Bei richtigen Positionen würde in
jeder Stunde genau eine der Minifiguren durch das Pendel umgestossen.

Mir ist bewusst, dass ich mich mit dieser Öffnung zum Dialog angreifbar
und vereinnahmbar mache, aber ebenso ist mir bewusst, dass ich das eben
aushalten ... muss

So geht es allen Künstlern. Danke, dass Du Dich nicht hinter
Arroganz verschanzt.

... oder auf die öffentliche Präsentation meiner Vorstellungen von einem
gelungenen MOC künftig eben verzichten muss.

Nix da. Weitermachen!

Ingo.


Mein MoC ist fertig, wenn ich
nichts mehr wegnehmen mag.


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